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Meutereivorwürfe, Vertuschungsverdacht, geöffnete Post Die Bundeswehr in der Bredouille


Eine angebliche Meuterei auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock", Vertuschungsvorwürfe nach dem Tod eines Soldaten in Afghanistan, das Rätsel um geöffnete Feldpost. Gleich drei Vorfälle haben die Bundeswehr in den vergangenen Tagen in Verruf gebracht.

Eigentlich wollte sich Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg um die Bundeswehrreform und Afghanistan-Strategie kümmern. Derzeit sind es jedoch diverse unerfreuliche Vorkommnisse bei der Bundeswehr, die den Strahlemann des Kabinetts unter Druck setzen: Eine angebliche Meuterei nach dem tödlichen Unfall einer Offiziersanwärterin auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock", Vertuschungsvorwürfe nach dem Tod eines Soldaten in Afghanistan, schließlich das Rätsel um geöffnete Feldpost-Briefe.

Auf den ersten Blick scheinen all diese Vorfälle wenig miteinander zu tun zu haben. Aus der Opposition, aber auch von Seiten des Koalitionspartners FDP wird jedoch der Vorwurf des "Führungsversagens" erhoben - vorerst in erster Linie gegen verantwortliche Kommandeure und Soldaten der Bundeswehr, indirekt aber auch gegen den Minister als deren obersten Dienstherrn.

Im Fall der "Gorch Fock" geht es um den Unfalltod einer 25-jährigen Offiziersanwärterin, die im November beim Abstieg vom Mast des Seglers zu Tode stürzte. In einem Schreiben des Bundestags-Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus ist in diesem Zusammenhang von Meuterei-Vorwürfen die Rede - erhoben gegen andere Offiziersanwärter, die nach dem Tod ihrer Kameradin die Crew angeblich gegen Schiffsoffiziere aufhetzten. Nach eigener Darstellung bemühten sie sich jedoch nur um die Aufarbeitung des Geschehens.

Nachdem die Marine als Folge des Unfalls entschieden hatte, die Ausbildung auf der "Gorch Fock" vorerst auszusetzen, wurden diese Soldaten offenbar aufgefordert, Unterlagen in dieser Sache zu vernichten. Zudem beklagten sich andere Soldaten bei dem Wehrbeauftragten, auf sie sei massiver Druck ausgeübt worden, in die Takelage des Schiffs zu klettern - obwohl dies eigentlich freiwillig ist. Das Schiff, das vor Argentinien unterwegs ist, wurde inzwischen zu Ermittlungen in den nächsten Hafen beordert.

Vertuscht werden sollte vielleicht auch der Fall des Soldaten, der im Dezember kurz vor dem Besuch von Kanzlerin Angela Merkel in Afghanistan ums Leben kam. Er sei wohl beim Reinigen seiner Waffe ums Leben gekommen, hieß es damals. Jedoch starb der Mann möglicherweise durch einen Kopfschuss aus dem Gewehr eines Kameraden, der sich beim leichtsinnigen Spiel mit Waffen löste. Die Staatsanwaltschaft Gera prüft derzeit entsprechende Vorwürfe.

Unklar bleibt unterdessen, warum Briefe von Soldaten aus dem afghanischen Bundeswehr-Feldlager Masar-i-Scharif sichtbar geöffnet wurden und teils unvollständig bei ihren Empfängern in Deutschland eintrafen. Auch hier ist die Bundeswehr dabei, der Sache auf den Grund zu gehen.

Zusammengenommen kann so der Eindruck entstehen, bei der Bundeswehr gehe es drunter und drüber. Während Königshaus selbst gelassen reagiert - "Wenn etwas schief geht, kommt noch etwas anderes meisten dazu" - und auch keinen Grund sieht, die Ausbildung auf der "Gorch Fock" grundsätzlich in Zweifel zu ziehen, wird seine Fraktionskollegin Elke Hoff deutlicher. In der "Welt" bezeichnete sie die "Krisenreaktion der Bundeswehr in eigenen Angelegenheiten" als "erheblich verbesserungsbedürftig" und sprach offen von "Führungsversagen". Aus "Angst um die eigene Karriere" trauten sich offenbar Soldaten nicht, Missstände öffentlich zu machen.

Es könne nicht angehen, dass Soldaten, die im Auftrag von Kameraden nach dem Unfall auf der "Gorch Fock" bei Offizieren vorstellig wurden, der Meuterei bezichtigt würden, schimpft Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. Ebenso wenig sei hinzunehmen, dass im Fall des in Afghanistan erschossenen Soldaten offensichtlich die Bundeswehr dem Bundestag Falschinformationen präsentiert habe. Trittin äußert auch den Verdacht, die geöffneten Postsendungen könnten mit der Vertuschung dieses Vorfalls zu tun haben. Guttenberg soll nun zu all diesen Fragen Rede und Antwort stehen. SPD und Grüne wollen den CSU-Politiker deswegen vor den Verteidigungsausschuss des Bundestages zitieren.

Benno König, AFP AFP

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