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Mexiko: 43 verschwundene Studenten - Behörden nehmen Banden-Chef fest

Auch nach zwei Jahren ist der Fall von 43 verschwundenen Studenten in Mexiko noch nicht aufgeklärt: Mehr als hundert Personen wurden in dem Zusammenhang bereits verhaftet - nun auch der Anführer der Drogenbande Guerreros Unidos.

Protest

Aufgebrachte Bürger fordern bei einem Protest in Mexiko-Stadt die Aufklärung des Falls der 43 vermissten Studenten

Die mexikanischen Behörden haben den Anführer der Drogenbande Unidos festgenommen, der an dem Verschwinden von 43 Studenten vor mehr als anderthalb Jahren beteiligt gewesen sein soll. Nicolás Nájera Salgado werde verdächtigt, "mit den Ereignissen des 26. und 27. September 2014 in Verbindung zu stehen", teilte das Justizministerium am Montagabend mit. Außerdem wird ihm organisierte Kriminalität und Drogenhandel vorgeworfen.

Die 43 Lehramtsstudenten waren in der Nacht zum 27. September 2014 in Iguala im Bundesstaat Guerrero entführt und mutmaßlich ermordet wurden. Es besteht der Verdacht, dass Igualas Bürgermeister José Luis Abarca die linken Studenten festnehmen ließ, um sie an einer Protestaktion zu hindern, und sie von Mitgliedern der Guerreros Unidos ermorden ließ. In dem Fall wurden bereits mehr als hundert Menschen festgenommen, darunter der Bürgermeister von Iguala.

Studenten angeblich auf Müllkippe verbrannt

Es gibt in dem Fall aber immer noch starke Zweifel an der offiziellen Version der Behörden. Ende 2014 hatte der damalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam erklärt, die Polizei von habe die 43 Studenten mit Beamten aus dem benachbarten Cocula entführt und sie an die Drogenbande ausgeliefert.

Bandenmitglieder gaben an, die Studenten seien auf einer Müllkippe ermordet und verbrannt worden. Demnach soll das Feuer 14 Stunden lang gebrannt haben, bevor die Asche in einen Fluss geworfen wurde. Bisher wurden aber nur die verkohlten Überreste eines Studenten in einer Tüte in dem Fluss gefunden. Die Hypothese, dass die Leichen eingeäschert wurden, wird daher von mehreren Seiten stark angezweifelt.

Schwere Vorwürfe gegen mexikanische Behörden

Eine internationale Ermittlergruppe hatte am Sonntag bekanntgegeben, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für das angebliche Großfeuer gebe. Die Ermittler aus Kolumbien, Chile, Guatemala und Spanien warfen den mexikanischen Behörden außerdem vor, die Aufklärung des Verschwindens der 43 Studenten zu behindern.

Der mexikanische Staat habe während ihrer einjährigen Untersuchungen etwa "wenig Interesse" daran gezeigt, neue Ermittlungsansätze zu verfolgen, hieß es in dem Abschlussbericht der Ermittler der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte, die auf Bitten der Angehörigen der Verschwundenen im Land waren. Unter anderem müsse das Verhalten von Bundespolizisten und Militärs am Abend des Verschwindens der Studenten zu untersucht werden.

amt / AFP