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Selbstjustiz in Mexiko Lynchmob tötet angeblichen Pädophilen auf offener Straße

Demonstration in Mexiko
In Mexiko demonstrieren immer wieder Menschen für die schärfere Verfolgung von Sexualdelikten gegen Frauen und Mädchen – hier ein Bild einer Demonstration im August 2019
© Alfredo Estrella / AFP
Nach dem Mord an einer Sechsjährigen hat ein wütender Lynchmob in Mexiko den angeblichen Täter auf offener Straße getötet. Die Polizei verspricht Aufklärung.

Im mexikanischen Bundesstaat Chiapas hat ein wütender Lynchmob einen Mann auf offener Straße getötet. Zuvor war in dem Bezirk Cacahoatan ein sechsjähriges Mädchen verschwunden. Einen Tag, nachdem das Kind vermisst gemeldet worden war, wurde seine Leiche am Straßenrand gefunden. Das Mädchen war offenbar missbraucht und ermordet worden. Als Täter hatte eine Gruppe von Bürgern einen Mann ausgemacht, der anschließend von ihnen mitten in der Stadt bei lebendigem Leibe verbrannt wurde, berichtet das lokale Nachrichtenportal "Diario de Chiapas".

Die Angehörigen des toten Kindes hätten dem Bericht zufolge versucht, den mutmaßlichen Mörder der Polizei zu übergeben. Sie konnten sich aber nicht gegen die aufgebrachte Menge durchsetzen. "Er wird diese Stadt nicht lebend verlassen", hätten wütende Bürger der Mutter gesagt – und anschließend Selbstjustiz geübt. Im Internet kursieren Videos, die zeigen, wie der 37 Jahre alte Mann gefesselt, mit Benzin übergossen und angezündet wird.

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Gefesselt, mit Benzin übergossen und verbrannt

"Bringt ihn um, er verdient es nicht zu leben", habe die Menge in Richtung des angeblichen Pädophilen gerufen, berichtet "Diario de Chiapas". Wie die wütenden Stadtbewohner darauf kamen, dass es sich bei dem Mann um den Täter handele, war laut dem Bericht zunächst unklar. Die Polizei kam zu spät zum Tatort, um den Lynchmord zu verhindern. 

Mexikanische Medien deuten den Akt der Selbstjustiz auch als ein Zeichen des großen Misstrauens gegenüber Polizei und Justiz. Die zuständige Staatsanwaltschaft bestätigte die "gewaltsamen Ereignisse" in der Stadt und versprach Aufklärung. Der Generalstaatsanwalt erklärte, dass der Mord an dem sechsjährigen Mädchen weiter untersucht werde, stellte gleichzeitig aber auch klar, "dass es den Bürgern nicht gestattet sein wird, mit eigener Hand Gerechtigkeit zu üben".

Quellen:"Diario de Chiapas" / "Milenio" / Generalstaatsanwaltschaft auf Facebook

epp

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