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Mexiko: Drogenkartell-Chefin festgenommen - Acapulco droht noch mehr Gewalt

Sie liefern sich einen blutigen Kampf um jeden Straßenzug: Die Drogenkartelle in Mexiko. Nun meldet die Polizei die Festnahme von "La Señora", Chefin des wichtigsten Drogenkartells von Acapulco. Die Gewalt dürfte dadurch eher zunehmen.

"La Señora": Clara Elena Laborín (M.)

"La Señora": Clara Elena Laborín (M.)

Sie nannten sie "La Señora", die Dame. Clara Elena Laborín war eine der ganz Großen in der mexikanischen Unterwelt - jetzt haben Beamte der dortigen Bundespolizei die Chefin des Drogenkartells Beltrán Leyva im Nordwesten des Landes gestellt. Sie soll den einst mondänen Badeort Acapulco mit einer Welle der Gewalt überzogen haben. Zuletzt war ihr Name immer wieder auf sogenannten Narcomantas aufgetaucht - Transparenten mit öffentlichen Bekanntmachungen der Drogenkartelle.

Laborín ist die Ehefrau des früheren Kartellchefs Héctor Beltrán Leyva, der vor zwei Jahren verhaftet worden war. Sie stand auf der Liste der meist gesuchten Verbrecher Mexikos. Auch wenn die Unterwelt in Mexiko von Männern dominiert wird, steigen auch immer wieder Frauen in die Führungsebene der Kartelle auf.

"La Señora" hauptverantwortlich für Gewalt

Sandra Ávila Beltrán hielt für das Sinaloa-Kartell jahrelang den Kontakt zu kolumbianischen Drogenhändlern aus dem Valle del Norte und schmuggelte tonnenweise Kokain in die USA. Claudia Ochoa Félix soll den bewaffneten Arm des Sinaloa-Kartells, "Los Ántrax", geführt haben.

Jetzt ist den Ermittlern also die Chefin der Beltrán-Leyva-Organisation ins Netz gegangen. Beim Zugriff in der Stadt Hermosillo im Bundesstaat Sonora wurde auch ihr engster Vertrauter "El Cha" festgenommen. "Beide sind die Hauptverantwortlichen für die Gewalt in Acapulco", sagte der Chefermittler der Bundespolizei, Omar García Harfuch.

Angst und Schrecken in Acapulco

In der Hafenstadt an der Pazifikküste kämpfen seit Monaten verfeindete Banden um die Vorherrschaft. Die Gangster stecken ihre Reviere mit Angriffen auf Restaurants und Bars ab, Menschen werden auf den Straßen erschossen, es herrscht Angst und Schrecken in der Hafenstadt am Pazifik.

Mit 104,73 Morden je 100.000 Einwohner ist Acapulco die viertgefährlichste Stadt der Welt außerhalb von Kriegsgebieten.

Mitten in der Touristenmeile am Strand liefern sich Verbrecher und Polizisten mitunter stundenlange Gefechte. Auch Tausende Soldaten und Polizisten konnten die Lage bislang nicht unter Kontrolle bringen.

Kartelle kämpfen um jeden Straßenzug

Acapulco ist bekannt für seine Klippenspringer und Luxushotels. Einst stieg dort der internationale Jetset ab, zuletzt waren es vor allem die Bewohner von Mexiko-Stadt, die in dem Badeort ihre langen Wochenenden verbrachten. "Es ist nicht mehr wie früher", sagte die Unternehmerin Laura Caballero Rodríguez kürzlich der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt fast kein Nachtleben mehr. Die Leute von hier und die Touristen haben Angst auszugehen."

Das Verbrechersyndikat Beltrán Leyva kämpft anscheinend mit dem neuen Acapulco-Kartell um die Kontrolle der Perle am Pazifik. Die Kartelle schmieden Allianzen mit kleineren Gangs und kämpfen erbittert um jeden Straßenzug. "Insgesamt sind es rund 50 kriminelle Banden, die für die Gewalt in Acapulco verantwortlich sind", sagt der Generalstaatsanwalt des Bundesstaats Guerrero, Xavier Olea Peláez.

Festnahme dürfte Gewalt befeuern

Das Verbrechersyndikat Beltrán Leyva hatte sich einst von dem mächtigen Sinaloa-Kartell abgespalten, dessen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán im Januar festgenommen worden war. Die Gruppe musste zuletzt nach der Festnahme oder Tötung einer Reihe ihrer Führungsmitglieder mehrere Rückschläge hinnehmen. Sie ist in Drogenhandel, Erpressungen und Entführungen verwickelt.

Die Festnahme von "La Señora" dürfte die Gewalt in Acapulco noch einmal zusätzlich befeuern. "Das könnte den Raum für neue Konfrontationen öffnen", sagte Guerreros Minister für öffentliche Sicherheit, Pedro Almazán, am Dienstag der Zeitung "Milenio". Der einst prachtvollen Touristenhochburg Acapulco stehen noch schwere Zeiten bevor.

tkr/Denis Düttmann / DPA