HOME

Vermisstes Flugzeug: Lösen diese Muscheln das MH370-Rätsel?

Ist es eine Spur zum mysteriösen Flug MH370? Das auf La Réunion entdeckte Flugzeugteil stammt vermutlich von einer Boeing 777. Bei der Aufklärung könnten auch die Muscheln an dem Wrackteil helfen.

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das auf der Insel La Réunion gefunden wurde

Das von Muscheln übersäte Teil eines Flugzeugs, das auf der Insel La Réunion gefunden wurde

Das auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean angespülte Wrackteil ist wahrscheinlich Teil einer Boeing 777. Davon gehen mehrere Regierungsvertreter und Ermittler aus. Derzeit wird nur ein solches Flugzeug vermisst - eben jenes, das für den mysteriösen eingesetzt wurde. Gewissheit soll eine Untersuchung bei Toulouse bringen. Zur Lösung des Rätsels um das vermisste Flugzeug könnten auch die Muscheln auf der Flügelklappe beitragen.

Nach Einschätzung eines Kölner Forschers könnten die Muscheln zur Absturzregion führen. An dem Wrackteil habe er anhand von Fernsehbildern deutlich sogenannte Entenmuscheln erkennen können, sagte der Geologe Hans-Georg Herbig von der Universität Köln. 

Muscheln könnten zur Absturzstelle führen

"Ich denke, wir könnten über die Art der Gattung gute Hinweise auf den Absturzort bekommen", meinte er. Je nach Vorkommen der Muscheln sei es zumindest möglich, das Gebiet einzugrenzen in kältere oder tropische Bereiche. Noch ist aber nicht bestätigt, dass das Wrackteil tatsächlich von dem seit mehr als 16 Monaten vermissten Malaysia-Airlines-Flugzeug stammt.

Meeresbiologen aus Kiel unterstützen Herbigs These zum Teil. Der Sprecher des Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, Jan Steffen, sagte im Interview der Zeitung "Die Welt" (Freitag), dass die Muschelart "ein winziger Anhaltspunkt" sein könnte. Doch die Larven der Muscheln kämen in fast allen Ozeanen vor und verbreiteten sich überall. Eine genaue Analyse, eine genetische Untersuchung, sei notwendig, sagte Steffen laut "Welt".

Koffer weniger hilfreich

Der ebenfalls auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion aufgetauchte Koffer dürfte hingegen keine Verbindung zu MH370 haben, sagte Australiens Vize-Premierminister Warren Truss dem Sender "Sky News". Anders als an dem Flugzeugteil seien an dem angeschwemmten Koffer keine Spuren marinen Lebens gefunden worden. Die französische Gendarmerie suchte am Freitag an der Küste von La Réunion nach weiteren Trümmern. Nach Angaben eines Sprechers waren ein Schiff und ein Helikopter im Einsatz.

Das Wrackteil soll in einem Luftfahrttechnikzentrum des französischen Verteidigungsministeriums begutachtet werden. Erst in der kommenden Woche sei mit Ergebnissen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der Pariser Staatsanwaltschaft. Die Pariser Justiz hat den Fund an sich gezogen, weil dort seit vergangenem Jahr ein Ermittlungsverfahren zum Verschwinden des Flugzeugs läuft. An Bord waren auch vier Franzosen.

Suche auf dem Meeresgrund

Ermittler gehen davon aus, dass MH370 im südlichen Indischen Ozean abstürzte. Dort koordiniert Australien die Suche mit Sonargeräten. Diese soll fortgeführt werden. Falls das Wrackstück von der Unglücksmaschine stamme, wisse man immerhin, dass das Flugzeug irgendwo auf dem Grund des Ozeans ruhe, sagte Truss auf einer Pressekonferenz. Weitere Schlüsse aber seien schwierig.

MH370 soll westlich der australischen Stadt Perth, etwa 4000 Kilometer von der jetzigen Fundstelle entfernt, abgestürzt sein. Es könnte noch ein Jahr dauern, bis das 120.000 Quadratkilometer große Untersuchungsareal erfasst ist. Australien sei sich sicher, in der richtigen Gegend zu suchen, sagte Truss.

Hoffnung auf mehr Wrackteile

Der australische Meeresforscher Charitha Pattiaratchi hofft, dass in den kommenden Tagen noch mehr Wrackteile angeschwemmt werden. "Wenn es da draußen noch mehr Teile gibt, erwarten wir, dass sie an Land kommen", sagte der Professor der Universität von Westaustralien. Normalerweise würden verschiedene Teile wie Flugzeugstücke, Koffer oder Flaschen mit der gleichen Geschwindigkeit im Meer herumgetrieben.

MH370 war am 8. März 2014 vom Radar verschwunden. Das Flugzeug flog noch sieben Stunden nach dem letzten Radarkontakt Richtung Süden, wie automatische Satellitensignale nahelegten. Ermittler gehen bislang davon aus, dass die Maschine abstürzte, als der Treibstoff ausging. Niemand weiß, was an Bord passierte. Die Piloten hatten nie Probleme gemeldet. Der US-Geheimdienst FBI geht davon aus, dass das Flugzeug absichtlich auf das offene Meer gelenkt wurde.


lie / DPA
Themen in diesem Artikel