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Michael Jacksons Leibarzt vor US-Gericht: Das Rätsel um die Schuld des Dr. Murray

Der Kardiologe des King of Pop gerät weiter in Bedrängnis. Zeugen sagen aus, Jackson sei bereits 20 Minuten vor Ankunft des Rettungsdienst verstorben. Zudem habe der Arzt Medikamente verschwinden lassen. Nach dem Tod des Popstars prüft ein US-Gericht, ob der Arzt wegen fahrlässiger Tötung angeklagt werden kann.

Bei den Anhörungen zu den Todesumständen von Michael Jackson haben Zeugen angegeben, der US-Popstar sei lange vor dem Eintreffen der Rettungskräfte tot gewesen. Als er kam, sei Jackson wohl bereits seit mindestens 20 Minuten tot gewesen, sagte nun auch der Sanitäter Martin Blount am Donnerstag, dem dritten Tag der Anhörungen vor einem Gericht in Los Angeles. Die Haut des Sängers habe sich bereits kalt angefühlt, seine Augen seien starr und geweitet gewesen. Am Mittwoch hatte bereits Blounts Kollege Richard Senneff gesagt, Jackson sei vermutlich 20 bis 50 Minuten vor dem Eintreffen der Sanitäter gestorben.

Blount sagte, Murray habe den Sanitätern gesagt, er habe Jackson keine Medikamente verabreicht. Murray habe aber eine Spritze in der Hand gehabt, zudem hätten auf dem Fußboden drei Fläschchen mit dem Betäubungsmittel Lidocain gelegen. Die Sanitäter trafen vier Minuten nach dem Eingang des Notrufs bei Jackson ein. Murray hatte gesagt, er habe den Notruf eine Minute, nachdem Jackson aufgehört habe zu atmen, gewählt.

Zwei Ärzte der Notaufnahme an der Universitätsklinik von Los Angeles berichteten in der Anhörung am Donnerstag, Murray habe nicht gesagt, dass er dem Sänger Propofol verabreicht habe, sondern lediglich Lorazepam, ein Mittel gegen Angstzustände. Laut Staatsanwaltschaft verabreichte der Leibarzt Jackson das starke Beruhigungsmittel Propofol jeden Abend als Einschlafhilfe. Die Autopsie ergab, dass der 50-Jährige an einer Überdosis des Mittels starb. Ein Mitarbeiter Jacksons hatte am Mittwoch gesagt, der Arzt habe zunächst Beweismaterial verschwinden lassen und erst dann den Notruf gewählt. Wenn Murray der Prozess gemacht wird, drohen ihm bis zu vier Jahre Haft und der Verlust seiner ärztlichen Zulassung. Jackson starb am 25. Juni 2009.

Patienten beschreiben den US-Kardiologen Conrad Murray als warmherzig und fürsorglich. "Er ist der beste Mensch, dem man begegnen kann", schwärmte Donna Digiacomo aus Las Vegas in US-Medien über ihren Arzt. In Las Vegas war auch Michael Jackson seinem späteren Leibarzt begegnet. Eines seiner Kinder war krank und brauchte medizinische Betreuung.

In der strafrechtlichen Klage am Superior Court von Los Angeles heißt es, dass der Mediziner seinen Patienten unbeobachtet ließ, nachdem er ihm das starke Narkosemittel Propofol gespritzt hatte. Demnach vergingen 82 Minuten, bis Murray nach erfolglosen Anstrengungen, Jackson wiederzubeleben, über den Notruf 911 um fremde Hilfe bat. Der Angeklagte bestreitet die Zeitangaben in der Klageschrift.

DPA/AFP / DPA