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Michel Fourniret: Zwei Mädchen pro Jahr 'gejagt'

Auch nach den ersten Verhören mit dem Serienmörder Fourniret ist nicht klar, wieviele Opfer der Franzose zu vernatworten hat. Nach eigener Aussage habe er zwei junge Mädchen im Jahr 'gejagt'.

Der Fall um den geständigen Serienmörder Michel Fourniret erregt die Gemüter in Frankreich und Belgien, das ganze Ausmaß der Affäre liegt aber weiter im Dunkeln. Unklar ist nach wie vor die Frage, wie viele Mädchen der verurteilte Kinderschänder entführt, vergewaltigt und umgebracht hat. "Er hat gesagt, dass er pro Jahr zwei junge Mädchen ’gejagt’ habe", teilte der französische Staatsanwalt Yves Charpenel nach den ersten Verhören des 62-Jährigen mit.

Seine belgischen Kollegen bereiten sich derweil auf eine wochenlange Kleinarbeit zur Aufklärung der Mordserie von Michel Fourniret vor. "Das Wesentliche liegt vor. Aber es müssen noch viele Details abgeklärt werden", sagte Staatsanwalt Cédric Visart de Bocarmé aus Namur der flämischen Zeitung "De Standaard" vom Freitag. Kritik wie an den Ermittlern im Fall des mittlerweile verurteilten Mädchenmörders Marc Dutroux wolle er vermeiden, deshalb werde "alles gecheckt". "Rechnen sie noch mit einigen Wochen Arbeit", sagte der Staatsanwalt in dem Interview.

Der Prozess gegen Fourniret, der neun Morde gestanden hat, müsse "so schnell wie möglich kommen". Auch die französische Justiz wolle in der Sache vorankommen. Sie gruppiere alle mit Fourniret zusammenhängenden Fälle bei einem Untersuchungsrichter in Charleville-Mézières. "Aber die belgischen Dossiers werden wir in Namur und Dinant weiter verfolgen", sagte Visart de Bocarmé. Die belgischen und französischen Behörden tauschten aber sämtliche Ermittlungsergebnisse aus.

Der belgische Staatsanwalt räumte ein, dass Fourniret die Grenze zur Verwischung seiner Spur genutzt habe: "Die Informationen werden zwischen zwei europäischen Ländern unzureichend übermittelt, jedenfalls wenn sie Sexualstraftäter betreffen." Bisher sei es nicht möglich, Triebtäter überallhin zu verfolgen. Vorstrafen eines Verdächtigen müssten für die Fahnder jedes Landes einsehbar sein, forderte Visart de Bocarmé. Das gelte auch für Daten aus Gendateien: "DNA-Profile von Tätern müssen an Ermittler in ganz Europa schnell weitergegeben werden."

DPA
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