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Mikaeels Mutter unter Verdacht Tod eines Dreijährigen erschüttert Edinburgh


Es ist der Albtraum aller Eltern: Das eigene Kind verschwindet nachts aus dem Bett und wird tot aufgefunden. Doch was geschah wirklich mit dem kleinen Mikaeel aus Edinburgh - warum musste er sterben?
Von Jens Wiesner

Teddybären weinen nicht. Kein Spielzeughersteller der Welt käme auf die Idee, einen traurigen Teddybären anzubieten. Verkauft sich einfach nicht. Also lächeln die Plüschtiere, die zu Dutzenden auf dem kleinen Rasenstück in Ferry Gait, Edinburgh, aufgereiht sind, obwohl der ganzen Stadt zum Weinen zumute ist. Alles Hoffen, Bangen und Suchen – es war vergebens: Der kleine Mikaeel ist tot. Und seine Mutter befindet sich in Polizeigewahrsam - bislang ist unklar, mit welcher Begründung.

Am Donnerstagabend hatte sich Rosdeep Kular, 33 Jahre, noch verzweifelt bei der Polizei gemeldet. Ihr kleiner Mikaeel sei verschwunden. Abends habe sie den Dreijährigen ins Bett gebracht, am nächsten Morgen sei es leer gewesen. Außerdem fehlten Mikaeels Jacke und seine Schuhe. War der Junge von zuhause ausgerissen? Oder gar entführt worden? Die Polizei begann mit ihrer Suche – und bat auch die Öffentlichkeit um Mithilfe.

Welle der Hilfsbereitschaft

Die Bitte traf mitten ins Herz der Edinburgher: Es war einer jener seltenen Momente, in denen die Menschen plötzlich innehalten, ihre alltäglichen Probleme und Sorgen für einen Moment beiseite schieben – und handeln. Zu Hunderten meldeten sie sich freiwillig, um der unbekannten Familie bei ihrer Suche zu helfen. Schulter an Schulter reihten sie sich aneinander, Mütter mit ihren Kinderwagen, Alte, Junge, Nachbarn, Fremde, Polizisten, im Hinterkopf immer wieder dieses grausige Szenario: Was nur, wäre es mein eigenes Kind?

Und dann fanden sie ihn. Der Samstag war gerade erst angebrochen, als Assistant Chief Constable Malcolm Graham die traurige Nachricht verkündete. Mikaeel ist tot. Polizeibeamte hatten eine Kinderleiche auf einem Grundstück 40 Kilometer Luftlinie von Mikaeels Zuhause entdeckt und wenig später als den vermissten Jungen identifiziert. Der Fundort nährte einen schlimmen Verdacht: Der Bungalow gehörte Mikaeels Tante, Pandeep Kular. Doch nicht etwa Pandeep, sondern Mikaeels Mutter wurde kurze Zeit später in Gewahrsam genommen und angeklagt. Weshalb, will die Polizei auf einer Pressekonferenz am Montag bekanntgeben.

Die Trauer bleibt

Natürlich schießen sie jetzt ins Kraut, die Spekulationen, auch unter den Helfern, auch in Ferry Gait. Hat die Mutter die Geschichte von Mikaeels Verschwinden richtig erzählt? Wie konnte der kleine Junge ohne Hilfe ausreißen? Und warum war er schon seit Weihnachten nicht mehr in seiner Kita aufgetaucht?

Welche Antworten die Untersuchung auch liefern wird, lebendig machen kann sie den kleinen Michael nicht mehr. Zurück bleibt Trauer - und die sitzt tief. Mit verweinten Augen zieht es die Menschen zum Haus des getöteten Jungen, zu dem kleinen Rasenstück, auf dem schon so viele Blumensträuße, Kuscheltiere und Beileidskarten in krakeliger Kinderschrift liegen. "Kein Fuß ist klein genug, um nicht einen Abdruck in dieser Welt zu hinterlassen", ist auf einer Karte zu lesen. Und: "Ruhe in Frieden, Kleiner, du wirst ewig in unseren Gedanken bleiben." Es sind Abschiedsgrüße an einen Jungen, der viel zu früh sterben musste. Neben der Karte sitzt ein Teddybär und lächelt. Das Leben muss weitergehen. Irgendwie.


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