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Millionen-Deal mit Gericht: Ecclestone-Prozess vor der Einstellung

Im Bestechungsprozess gegen Bernie Ecclestone steht das Ende bevor. Der Staatsanwalt hat der Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Euro zugestimmt. Der Formel-1-Chef gälte damit als unschuldig.

Bernie Ecclestone bei seiner Ankunft im Landgericht München I. Der Prozess gegen den Formel-1-Chef könnte nun gegen Zahlung einer Millionensumme eingestellt werden.

Bernie Ecclestone bei seiner Ankunft im Landgericht München I. Der Prozess gegen den Formel-1-Chef könnte nun gegen Zahlung einer Millionensumme eingestellt werden.

Im Bestechungsprozess gegen Formel-1-Boss #link;http://www.stern.de/sport/formel1/bernie-ecclestone-90289136t.html;Bernie Ecclestone# hat die Staatsanwaltschaft in München der Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage von 100 Millionen Dollar zugestimmt. Ecclestone sei bereit, die Summe zu zahlen, wenn dafür der Prozess eingestellt werde, sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich bereits einverstanden. Sie hält dem Angeklagten sein hohes Alter und erhebliche mildernde Umstände zugute, wie Staatsanwalt Christian Weiß sagte.

Eine endgültige Entscheidung und das Ende des Prozesses ist dies jedoch noch nicht. Die Richter haben sich noch nicht geäußert und sich bis 13 Uhr zur Beratung zurückgezogen. Für die endgültige Einstellung müssen auch sie zustimmen. Eine Entscheidung darüber soll jedoch noch im Laufe des Tages fallen.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas wehrte sich gegen die Vorwürfe, sein Mandat wolle sich freikaufen. "Das ist kein Deal", sagte er in der Verhandlungspause vor dem Landgericht. "Das hat mit Freikaufen nichts zu tun."

"Wären die Mittel flüssig zu machen?"

Hintergrund des weltweit beachteten Verfahrens ist der Besitzerwechsel der Formel 1 vor acht Jahren. Die Staatsanwaltschaft hat den Motorsportmanager angeklagt, den damaligen BayernLB -Vorstand Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben.

Als Gegenleistung soll Gribkowsky in der Bank durchgeboxt haben, dass sie ihren Formel-1-Anteil an den von Ecclestone gewünschten Investor CVC verkaufte. Ecclestone hatten in dem Prozess bis zu zehn Jahre Gefängnis gedroht.

Richter Noll, der am Landgericht für seinen trockenen Humor bekannt ist, fragte den Briten nach einem Blick auf dessen leeres Vorstrafenregister persönlich, ob er mit der vorgeschlagenen Lösung einverstanden sei. "Ja, ich stimme zu", antwortete dieser auf Englisch. "Wären denn die Mittel flüssig zu machen?", bohrte der Richter nach. "Yes", sagte Ecclestone.

Am Richtertisch studierten Noll, Ecclestone und seine Anwälte die Unterlagen zu den Vermögensverhältnissen des Motorsport-Managers. Noll äußerte sich überrascht. "Sie werden in der Öffentlichkeit als milliardenschwer bezeichnet. Aus den Unterlagen ergibt sich das nicht." Er stellt eine Zahlungsfrist von einer Woche in den Raum. "Es wäre realisierbar", nahm Verteidiger Sven Thomas seinem Mandanten die Antwort ab.

Ecclestone wäre bei Deal unschuldig

Staatsanwalt Weiß betonte, zentraler Punkt sei die Frage, ob Ecclestone gewusst habe, dass der Landesbanker Gribkowsky als Staatsdiener einzustufen sei. Dies habe dem Briten nicht nachgewiesen werden können. Doch nur dann hätte Ecclestones nach dem Gesetz wegen Bestechung eines Amtsträgers belangt werden können, wie es die Staatsanwaltschaft angestrebt hatte.

Nach dem Gesetz kann ein Prozess bei kleineren und mittleren Straftaten eingestellt werden, wenn der Angeklagte keine schwere Schuld auf sich geladen hat und mit einer Geldzahlung "das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung" beseitigt. Bei einem solchen Freispruch zweiter Klasse gälte Ecclestone als unschuldig. Die Justiz würde einen langwierigen Rechtsstreit vermeiden, an dessen Ende nach ihrer aktuellen Einschätzung kein schweres Urteil stehen dürfte.

Denn die Staatsanwaltschaft tat sich seit Prozessbeginn im April schwer, dem Motorsportmanager Bestechung und Anstiftung zur Untreue nachzuweisen. Mehrere Zeugen stützten Ecclestone, der die Vorwürfe zurückweist.

nck/DPA/Reuters/AFP/DPA/Reuters