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Missbrauchsskandal in Pennsylvania: Wenn Carolyn das Wort "Gott" hört, denkt sie an Missbrauch: Opfer berichten von ihren Qualen

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche von Pennsylvania macht Schlagzeilen. Zwei Opfer haben ihr jahrelanges Schweigen gebrochen, um zu helfen. Was sie erzählen, ist erschütternd - und leider beispielhaft. 

Missbrauchsskandal um Priester in Pennsylvania: Opfer berichten

Mehr als 300 namentlich genannte Priester werden beschuldigt, sich des sexuellen Missbrauchs von über tausend Kindern schuldig gemacht zu haben. Carolyn Fortney und Robert Corby gehören zu den Opfern  (Symbolbild)

AFP / Getty Images

Es sind 887 Seiten, schonungslos und penibel zusammengetragen, die in die tiefen Abgründe der katholischen Kirche in Pennsylvania blicken lassen. Ermittlungsbehörden haben in dem US-Bundesstaat erschütternde Details über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch und dessen angebliche Vertuschung in der katholischen Kirche ans Licht gebracht. Mehr als 300 namentlich genannte Priester werden beschuldigt, sich des sexuellen Missbrauchs von über tausend Kindern schuldig gemacht zu haben - bis hin zur Vergewaltigung. "Obwohl die Liste von Priestern lang ist", so Pennsylvanias Generalstaatsanwalt Josh Shapiro, "denken wir nicht, dass wir alle gekriegt haben." Die Taten reichen teilweise bis in das Jahr 1947 zurück.

Robert Corby, 83: "Ich konnte meine Kinder nicht umarmen"

Robert Corbys Fall ist vermutlich einer der ersten. Der heute 83-Jährige wurde Ende der 40er-Jahre Opfer sexuellen Missbrauchs durch einen Priester. Einer von vielen Gründen für sein jahrelanges Schweigen: "Wer hätte mir denn geglaubt? Dass Dich ein Priester, '47 oder '48, missbraucht hat?", sagt Corby in einem Video, das bei der Vorstellung des Berichts gezeigt wurde und über das der US-Sender CNN berichtet. "Niemand hat von so etwas gehört, weil sie (die katholische Kirche, Anm. d. Red.) alles vertuscht hat." Nun ist er einer von vielen, die bei den Ermittlungen geholfen haben - und von ihren grausamen Erlebnissen erzählen. 

"Sie hatten mich im Visier, weil ich vaterlos aufgewachsen bin", vermutet Corby. Eine vermeintliche Schwäche, ein Bruch in seiner Biographie, die von seinen Peinigern scheinbar schamlos ausgenutzt wurde. Und ihn nachhaltig traumatisiert hat. "Ich konnte meiner Frau keine Zuneigung zeigen", berichtet der 83-Jährige, "meine eigenen Kinder konnte ich weder halten noch umarmen."

Die perfiden Methoden der Priester

Es ist eine von vielen Horror-Geschichten, die in dem Bericht auftauchen und von dem Muster von "Missbrauch, Leugnung und Vertuschung" (so Staatsanwalt Shapiro) zeugen sollen.

  • In einem Fall habe ein Priester Jungen unter dem Vorwand begrapscht, einen "Krebstest" vorzunehmen.
  • In der Diözese Pittsburgh habe sich eine Gruppe von vier Priestern gemeinsam an Jungen vergangen - einen sollen sie gezwungen haben, in einem Pfarrhaus nackt die Pose Jesu am Kreuz einzunehmen.

  • Dem Bericht zufolge vergewaltigten und schwängerten Priester junge Mädchen. In einem Fall sei eine Abtreibung arrangiert worden. Der zuständige Bischof habe anschließend sein Mitgefühl ausgedrückt - nicht mit dem Opfer, sondern mit dem Priester. "Es muss eine sehr schwere Zeit für Sie sein." 

Der Erzbischof von Washington und frühere Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania, Donald Wuerl, hatte bereits am Montag in einem Brief an den Klerus davor gewarnt, der Bericht werde "grundlegend erschreckend" sein. "Der Report wird eine Erinnerung an schwere Verfehlungen sein, die die Kirche anerkennen muss und für die sie um Vergebung bitten muss", heißt es in dem Schreiben des Erzbischofs. Er widersprach jedoch der Darstellung, die Kirche habe nichts gegen die Vorkommnisse unternommen. Der Vatikan lehnte es ab, sich zu dem Bericht zu äußern.

Carolyn Fortney, 37: "Das Wort 'Gott' lässt mich an ihn denken"

Auch die heute 37-jährige Carolyn Fortney wurde von einem Priester missbraucht. Sie soll erst 18 Monate jung gewesen sein, als es zu dem ersten Übergriff gekommen sei. "Ich war in meiner Windel und rannte hinaus - direkt in seine Arme", erinnert sich die Frau. Auch sie hat der Missbrauch traumatisiert. Wenn Fortney das Wort "Gott" höre, habe sie Flashbacks an die Übergriffe. "Das Wort 'Gott' lässt mich an ihn denken", ihren Peiniger, sagt sie. "Es fühlt sich an, als wäre mein ganzes Leben eine Lüge." Auch für sie sei es schwierig, über diese Momente zu berichten. "Du bist wirklich einsam, vor allem wenn dein Wort gegen das von Gott steht", sagt sie.

Diese Einsamkeit, die sie lange verspürt habe, würde mit dem Bericht aber nachlassen. "Ich glaube der Bericht wird den Menschen helfen, die keine Familie haben, weil sie sehen werden, dass es da draußen noch viele weitere Menschen gibt die sie verstehen und ihnen glauben." 

Auch Corby habe lange, über 70 Jahre, auf diesen Moment gewartet. Immer in der Hoffnung, dass irgendwann alles ans Licht kommen werde. "Ich habe immer gesagt: 'Sie werden mich nicht besiegen'."

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fs / mit Material der DPA