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Missbrauch in der Kirche: Eine Hotline gegen das Schweigen

Sie soll das Schweigen brechen: Die katholische Kirche hat eine Hotline gestartet, an die sich Missbrauchsopfer wenden können. Prominente Katholiken fordern darüber hinaus schonungslose Aufklärung, während das gemeine Mitglied schon über einen Kirchenaustritt nachdenkt.

Die katholische Kirche nimmt den Kampf gegen Missbrauch auf. Sie startete am Dienstag ihre Telefon-Hotline. Geschulte Berater und Therapeuten kümmern sich unter der Telefonnummer 0800-1201000 um Missbrauchsopfer. "Wir wollen mit diesem Angebot die Opfer ermutigen, sich bei uns zu melden, gleich ob es sich um verjährte oder um aktuelle Fälle handelt", sagte Bischof Stephan Ackermann, der von der Bischofskonferenz mit dem Krisenthema beauftragt wurde.

Mit der Hotline reagiert die katholische Kirche auf immer wieder neu auftauchende Missbrauchsfälle. Die Telefonberatung ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 bis 20.30 Uhr besetzt. Die Hotline solle "ein Türöffner" sein für mögliche weitere Schritte, hieß es. "Wir werden alles uns Mögliche tun, dass sich sexueller Missbrauch in Einrichtungen der katholische Kirche nicht wiederholen wird", versicherte Ackermann.

Prominente Katholiken gehen in die Offensive

Die Hotline kann aber nur der Anfang sein. Prominente aus Politik, Journalismus und Showbusiness forderten von der Kirche in der Zeitschrift "Bunte" eine schonungslose Aufklärung der Vorwürfe. Zu ihrem Glauben stehen sie aber trotzdem, wie SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, ZDF-Moderator Steffen Seibert und Schauspielerin Veronika Ferres sagten. Nahles forderte, die Kirche müsse sich nun vor allem um die Opfer bemühen und auf sie zugehen. Ein Austritt aus der Kirche komme für sie nicht infrage. "Wann, wenn nicht jetzt, ist das aktive Mittun aller gefragt? Denn die katholische Kirche lebt nicht erst in diesem Jahrhundert vor allem durch ihre Gläubigen."

Seibert wünscht sich ein Umfeld, in dem es sich Opfer trauen, ihre Peiniger anzuzeigen. Täter müssten ohne Ausnahme von der Justiz verfolgt werden. "Die methodische Vertuschung und Beschwichtigung, die da geherrscht haben", widern den "heute journal"-Moderator an. Ferres hätte sich vom Papst "ein klares Wort erwartet, mehr Entschuldigung der Kirche bei den Opfern". Sie zweifle nicht an ihrem Glauben, doch Vertreter der Kirche, die sich an Kindern vergriffen hätten, müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Während für die Prominenten ein Austritt kein Thema ist, sind viele "normale" Mitglieder der katholischen Kirche wankelmütig. Das ergab eine stern-Umfrage. Danach hat jeder fünfte Katholik bereits mit dem Gedanken gespielt, aus der Kirche auszutreten. Die Unzufriedenheit mit dem Papst wächst und ist riesig. 45 Prozent der Katholiken bescheinigen ihm weniger gute oder gar schlechte Arbeit.

DPA/APN/AFP / DPA