HOME

Missbrauchsfall: Rentner hielt gehörloses Mädchen als Sex-Sklavin

Mit etwa zehn Jahren kommt eine pakistanische Waise nach Großbritannien. Von ihren Pflegeeltern wird sie jahrelang missbraucht und wie eine Sklavin im Keller gehalten. Vier Jahre dauerte der Prozess.

Von Julia Holzapfel

Jeden Tag muss das Mädchen arbeiten. Wann, weiß es, wenn in dem Kellerraum, in dem es lebt, das Licht in schnellem Wechsel an- und ausgeschaltet wird. Manchmal kommt ein älterer Mann und vergewaltigt es. Das Mädchen kann nicht schreien, es ist stumm. Wie alt das Waisenkind genau ist, weiß niemand. Mit etwa zehn Jahren wird die gehörlose Pakistanierin von einem britischen Ehepaar im Jahr 2000 nach Großbritannien geholt. Zur Begrüßung schmeichelt sich das Paar mit kleinen Geschenken wie Armbändern ein, doch das sollte sich bald ändern.

Am 16. Oktober fiel das Urteil gegen den 84-jährigen Ilyas Ashar und die 71-jährige Tallat Ashar wegen Kinderhandels und Ausbeutung. Sechs Monate lang war dem Paar in Manchester der Prozess gemacht worden, vier Millionen britische Pfund hat die Untersuchung des Falls gekostet. Das Gericht verurteilte den Mann zudem wegen Vergewaltigung und das Paar wegen Betrugs, weil es illegal Sozialleistungen für das Mädchen bezogen hatte.

"Wohin hätte sie gehen sollen?"

Recht schnell nach seiner Ankunft musste das Mädchen die gesamten Hausarbeiten übernehmen: kochen, putzen, nähen, waschen und bügeln. Nicht einmal ein Bett bekommt es, es muss auf dem kalten Betonboden schlafen. Wie eine Sexsklavin wird sie im Keller des Hauses in Salford, einem Vorort von Manchester, gehalten und immer wieder von dem Rentner missbraucht. Die Ehefrau des Vergewaltigers geht ebenfalls grausam mit dem Kind um: "Die Frau wurde oft sehr zornig, weil ich zu viel Krach machte. Aber ich kann nicht wissen, wenn ich laut bin", zitiert die britische "Daily Mail" aus den Zeugenaussagen der Missbrauchten, die inzwischen eine junge Frau ist. Erst im Jahr 2009 kommt die Polizei in das Haus, offenbar wegen einer anderen Angelegenheit, und entdeckt so zufällig das grausame Verbrechen.

Ihre Aussagen vor Gericht lassen erahnen, wie sie sich in den vielen Jahren ihres Martyriums fühlte: "Ich saß im Keller und weinte, stundenlang, allein." Staatsanwalt Peter Cadwallader fügte gegenüber der Zeitung hinzu, dass die Situation für sie ausweglos war: "Sie wurde misshandelt, sexuell missbraucht und ausgebeutet. Sie konnte sich niemandem anvertrauen. Wohin hätte sie gehen sollen? Sie kannte doch nichts und niemanden."

Über das Strafmaß gibt es bislang keine Informationen. Das Opfer wird derzeit von Sozialarbeitern in Manchester betreut. Ob die junge Frau zu ihrer Familie in Pakistan zurückkehrt, ist nicht bekannt. Sie hat dort fünf Brüder und eine Schwester. 49 Tage lang befand sich die junge Frau im Zeugenstand und berichtete mithilfe eines Gebärdensprachdolmetschers über ihre grausamen Erfahrungen. "Der alte Mann ist böse", sagt sie über Ashar. Um ihren Peinigern nicht mehr gegenübertreten zu müssen, wurde sie per Video im Gerichtssaal zugeschaltet. Sie habe mit ihrer Zeugenaussage "bemerkenswerten Mut" an den Tag gelegt, sagte die zuständige Kriminalkommissarin der "Daily Mail".