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Möglicherweise brisantes Material: Polizei hat Datenträger des "Maskenmanns" übersehen

Hat der "Maskenmann" noch mehr Verbrechen begangen? In der letzten Wohnung des geständigen Kinderschänders sind bei Renovierungsarbeiten mehrere Datenträger aufgetaucht. Vermutlich handelt es sich um brisantes Material, das die Polizei übersehen hatte.

Mehr als ein halbes Jahr nach der Festnahme des als "Maskenmann" bekannt gewordenen mutmaßlichen Kindermörders Martin N. ist möglicherweise brisantes neues Beweismaterial aufgetaucht. Der Nachmieter des seit Oktober wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs vor Gericht stehenden Pädagogen entdeckte bei Renovierungsarbeiten drei Festplatten, einen USB-Stick und eine CD, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade am Freitag. Der neue Mieter habe die von dem geständigen Kindermörder versteckten Datenträger unter dem Fettfilter der Dunstabzugshaube in der Küche der Wohnung entdeckt.

Die Datenträger seien "übersehen worden, das muss man ganz klar sagen", beteuerte der Sprecher. Ob sich dies zu einer großen Ermittlungspanne auswachsen werde, hänge auch davon ab, ob auf den Datenträgern Hinweise auf neue Straftaten gefunden werden können. Er selbst erwarte sich eine "gewisse Brisanz" von dem Material, "ansonsten hätte der Angeklagte es nicht so gut versteckt", sagte der Sprecher. Bei einer ersten Sichtung sei auf der CD Musik gefunden worden, auf dem USB-Stick Dokumente wie etwa gefälschte Zeugnisse. Die Festplatten seien allerdings mit Passwörtern geschützt, weshalb die darauf gespeicherten Daten noch nicht lesbar seien.

Passworte des PC immer noch nicht geknackt

Der Sprecher sagte weiter, dass die Ermittler das mutmaßliche Beweismaterial bei der Wohnungsdurchsuchung nicht gefunden haben, hänge womöglich auch damit zusammen, dass sie nicht mehr unter großem Druck gestanden hätten. N. habe schließlich zeitnah nach seiner Festnahme ein Geständnis abgelegt. Er habe auch Zweifel, dass die Passwörter zu den Festplatten schnell geknackt werden können. Es sei noch immer nicht gelungen, das Passwort des nach der Festnahme im April beschlagnahmten Computers zu knacken. Inzwischen habe die Justiz 30.000 Euro in Hard- und Software aus den USA investiert, um an die Daten zu kommen. Die Software schaffe es, mehr als 100.000 Passwörter pro Sekunde auszuprobieren. N., der Mathematik und Physik studiert hat, habe den massiven Schutz seiner Daten damit begründet, dass er nicht andere mit hineinziehen wolle.

Martin N. ist geständig. Zu Beginn seines Prozesses hatte er ausgesagt, dass er zwischen 1992 und 2001 drei Jungen ermordete und zahlreiche weitere missbrauchte. Bei den Toten handelte es sich um den 13-jährigen Stefan J., den achtjährigen Dennis R. und den neunjährigen Dennis K. Der gebürtige Bremer, der zuletzt in Hamburg lebte, war über Jahre hinweg nachts in norddeutsche Schullandheime, Zeltlager und Privatwohnungen eingedrungen und hatte Jungen missbraucht.

dho/AFP / AFP