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Moers: Mordverdacht: Starb eine Unbeteiligte, weil er sich ein illegales Autorennen lieferte?

Ein Mercedes- und ein Range-Rover-Fahrer sollen sich mitten in Moers ein illegales Autorennen geliefert haben. Eine Unbeteiligte starb. Nachdem die Polizei einen der mutmaßlichen Fahrer mit Fotos suchte, stellte sich dieser am Dienstag in Begleitung seines Anwalts den Beamten.

Gesuchter Kushtrim H., Unfallstelle in Moers

Nach dem tödlichen Unfall in Moers suchten Polizei und Staatsanwaltschaft öffentlich nach Kushtrim H.. Der 21-Jährige steht unter Mordverdacht

Den Beamten bot sich am Abend des Ostermontags ein Trümmerfeld auf der Bismarckstraße in Moers. Ein blauer Citroën Saxo stand quer auf der Fahrbahn und war nur noch von vorne als solcher zu erkennen. Das Heck des Autos sah aus, als hätte eine Schrottpresse ihre Arbeit aufgenommen.

Rettungskräfte konnten die Fahrerin des Kleinwagens, eine 43-Jährige, zwar ins Krankenhaus bringen, doch die Ärzte dort konnten sie nicht mehr retten. Drei Tage nach dem Unfall erlag die Frau ihren schweren Verletzungen. Die Bestürzung in Moers ist weiterhin groß. Kerzen und Rosen stehen als Zeichen der Betroffenheit an der Bismarckstraße, am Wochenende kamen 200 Menschen im stillen Gedenken an der Unfallstelle zusammen.

Illegales Autorennen quer durch Moers?

Schon kurz nach dem Crash kam ein Verdacht auf: Offenbar haben sich Raser in einem Wohngebiet der Großstadt am Rande des Ruhrgebiets ein illegales Autorennen geliefert. Zeugen sagten bei der Polizei aus, dass ein Mercedes-Fahrer neben einem Range Rover auf der Gegenfahrbahn gefahren sei. Beide Fahrer sollen ihre PS-starken Autos kräftig beschleunigt haben, als die 43-Jährige mit ihrem Citroën auf die Bismarckstraße abbog. "Der Fahrer des Range Rover konnte rechtzeitig abbremsen, fuhr nach dem Unfall allerdings über die Donaustraße in unbekannte Richtung davon", teilte die zuständige Duisburger Polizei mit. Der Mercedes allerdings sei mit dem Kleinwagen der Frau zusammengekracht. "Der Fahrer stieg aus und ging humpelnd ebenfalls in unbekannte Richtung weg."

Den mutmaßlichen Fahrer des hochmotorisierten  Mercedes E63s AMG suchte die Duisburger Staatsanwaltschaft seit Montagabend per Öffentlichkeitsfahndung - mit schnellem Erfolg. Der Mann habe sich am Dienstagnachmittag in Begleitung seines Anwalts beim Kriminalkommissariat 11 der Polizei Duisburg gestellt, heißt es in einer Pressemitteilung. Es handelt sich bei dem Tatverdächtigen um den 21-jährigen Kosovaren Kushtrim H., der am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden soll. Der Haftbefehl lautet auf Mord, berichtete die Nachrichtenagentur DPA. Weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass H. möglicherweise Deutschland verlassen habe und in seiner Heimat untergetaucht sei, hatte die Staatsanwaltschaft auch geprüft, ob man den 21-Jährigen per internationalem Haftbefehl suchen sollte. 

Um den Tatvorwurf gegen den zweiten Fahrer rechtlich einordnen zu können, müsse weiter ermittelt werden. Darum sei gegen ihn auch noch kein Haftbefehl beantragt worden. Bei ihm könnte der neue Raser-Paragraf 315d im Strafgesetzbuch Anwendung finden. Damit können Teilnehmer eines illegalen Autorennens seit Oktober 2017 härter bestraft werden. Wird durch ein "verbotenes Kraftfahrzeugrennen" der Tod eines anderen Menschen verursacht, können seither bis zu zehn Jahre Gefängnis verhängt werden. 

Fall weckt Erinnerungen an "Kudamm-Raser"

Die Frage, in welcher Beziehung die Tatverdächtigen zu den Fahrzeug-Haltern stehen, ließ die Staatsanwaltschaft offen: "Da möchte ich aus ermittlungstaktischen Gründen noch nichts zu sagen", sagte ein Sprecher. Nach dem Unfall waren die beiden Halter der Fahrzeuge, die an dem mutmaßlichen Rennen beteiligt gewesen sein sollen, vorläufig festgenommen worden – bis klar wurde, dass sie "wahrscheinlich" nicht die Fahrer waren.

Das mutmaßliche Rennen in Moers erinnert an die sogenannten Kudamm-Raser in Berlin. Die beiden Männer waren im Februar 2016 über den Kurfürstendamm gerast, ein unbeteiligter 69-Jähriger kam dabei ums Leben. Das Berliner Landgericht verurteilte die Männer im März 2019 wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Die erste Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben. Auch nach dem zweiten Urteil legte einer der Verteidiger Revision ein. Auch als Konsequenz aus dem Berliner Fall hat der Gesetzgeber Strafen gegen Raser mit dem neuen Paragrafen 315d StGB verschärft. 

Quellen: Polizeipräsidium Duisburg, Polizei NRW, Nachrichtenagentur DPA

wue