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Mollath-Verfahren: Verteidiger müssen weitermachen

Die Pflichtverteidiger von Gustl Mollath haben vergeblich um eine Entpflichtung von ihrem Mandanten gebeten. Die Anwälte sind erbost über das Verhalten des Angeklagten. Seine 30 Anträge seien "Mist".

Die Verteidiger Gerhard Strate (l.) und Johannes Rauwald im Gerichtssaal des Landgerichts in Regensburg. Die Anwälte sehen das Vertrauensverhältnis zu Mollath gestört

Die Verteidiger Gerhard Strate (l.) und Johannes Rauwald im Gerichtssaal des Landgerichts in Regensburg. Die Anwälte sehen das Vertrauensverhältnis zu Mollath gestört

Der Streit zwischen Gustl Mollath und seinen Anwälten geht weiter: Die Pflichtverteidiger im Wiederaufnahmeverfahren des einstigen Psychiatrie-Insassen Gustl Mollath haben um Entpflichtung von ihren Mandaten gebeten - allerdings vergeblich. Das Landgericht Regensburg sah am Montag weder eine grobe Pflichtverletzung noch ein ernsthaft gestörtes Vertrauensverhältnis und entband die Anwälte nicht von ihrem Pflichtmandat. Mollath sei "bislang hervorragend verteidigt" worden, erklärte die Vorsitzende Richterin.

Beide Pflichtverteidiger hatten ihre Entpflichtung beantragt. "Ein Angeklagter, der über seinen Verteidiger Lügen verbreitet, geht gegen meine Ehre", sagte Rechtsanwalt Gerhard Strate zur Begründung. In der Vorwoche hatten beide Anwälte bereits ihr Wahlmandat niedergelegt - sie waren daraufhin vom Gericht als Pflichtverteidiger bestellt worden.

"Wir waren auf dem Weg zu einem Freispruch"

Die Anwälte waren erbost über Mollaths Verhalten. Er hatte um mehrere Tage Bedenkzeit gebeten, um weitere Beweisanträge zu stellen. Zudem gab er an, es habe keine Zeit gegeben, mit seinen Verteidigern zu sprechen. Strate widersprach dem: Es habe keine Anstalten Mollaths gegeben, mit der Verteidigung zu sprechen. "Ich habe ihm erklärt, warum seine 30 Anträge Mist sind. Wir waren auf dem Weg zu einem Freispruch." Weil nun im Hintergrund offensichtlich weitere Rechtsberater Mollaths agierten, bat er um Entbindung vom Mandat.

Der 57-jährige Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Er soll 2001 seine damalige Ehefrau misshandelt und dutzende Autoreifen zerstochen haben. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Mollath 2006 wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, ihn aber in die Psychiatrie eingewiesen. Erst 2013 kam er frei. Der Fall hatte eine Debatte über die Unterbringung in psychiatrischen Kliniken ausgelöst.

mka/DPA / DPA