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Mordfall : Die Bernhardts wurden 1973 brutal ermordet - die Auflösung des Falls kommt zu spät

Das Ehepaar Bernhardt wurde 1973 in den USA brutal ermordet. Vier Jahrzehnte vergingen, ohne dass der Mörder gefasst wurde. Nun gibt es einen Verdächtigen. Doch den Angehörigen hilft das nicht mehr.

Linda und Clifford Bernhardt

Der Fall von Linda und Clifford Bernhardt wurde erst nach vierzig Jahren aufgeklärt.

Am Abend des 6. November 1973 beschlossen Cliff und Linda Bernhardt, beide 24 Jahre alt, aus Billings im Bundesstaat Montana, doch nicht zu den Schwiegereltern zum Essen zu gehen, sondern zu Hause zu bleiben. Linda rief ihre Mutter June Reich an und sagte ihr Bescheid. Sie wolle für sich und ihren Mann einen Auflauf in den Ofen schieben, berichtete die "Billings Gazette". Doch die Polizei glaubt, dass sie den Tisch nicht für zwei, sondern für drei Personen gedeckt hat.

Niemand weiß bis heute, was nach diesem Telefonat passierte. Am nächsten Morgen ging Lindas Mutter bei ihrer Tochter vorbei, weil diese nicht bei der Arbeit erschienen war. Und entdeckte eine schreckliche Szene. Ihr Schwiegersohn Cliff lag im Schlafzimmer mit dem Gesicht nach unten in einer Blutlache, berichtet  "People". Die Polizei vermutet, dass er am Kopf getroffen und dann anschließend erdrosselt wurde. Linda wurde offenbar geschlagen, sexuell missbraucht und ebenfalls erdrosselt. Ihre entkleidete Leiche entdeckte die Mutter in einem anderen Schlafzimmer im Haus.

Die Ermittler waren verwundert, dass im ganzen Haus die Fenster aufgerissen waren. Es war bitterkalt in den Räumen, so kalt, dass eine Schüssel mit Eiswürfeln neben Lindas Leiche nicht aufgetaut war. Eine seltsame Szenerie. Darüber hinaus bemerkten die Beamten, dass offenbar Lindas gesamte Unterwäsche und einige ihrer Schuhe fehlten, genauso wie ein großer, grüner Koffer.

DNA-Spur am Tatort

Doch der Mörder nahm nicht nur einiges mit, er hinterließ auch etwas: DNA am lila Höschen von Linda. Doch das half den Ermitteln damals wenig. Viel mehr Spuren gab es nicht. Der Fall wurde kalt, aber nie vergessen. Rund 3600 Seiten füllten am Ende die Akten. 45 Jahre lang konnte die Polizei den Mörder nicht finden.

Ende März gab es einen Durchbruch: Die Behörden gaben bekannt, dass sie einen Tatverdächtigen anhand der DNA-Spuren hätten. Cecil Stan C. sei ein Angestellter in einem Supermarkt gewesen, in dem auch Linda einkaufte, berichtet "News Tribune". Der Mann sei sein Leben lang unauffällig gewesen, habe zwei Stief- und zwei Adoptivkinder groß gezogen. Und ist im Jahr 2003 mit nur 59 Jahren verstorben.

"Alles, was wir haben, ist eine Annahme", sagt Mike Lindner, Yellowstone County Sheriff, zu "USA Today". "Linda war wahrscheinlich das Ziel. Aber wir werden es nie erfahren."

So kamen die Ermittler auf die Mörder-Spur

Die Ermittler hatten bereits 2004 die DNA in den Kisten mit den Fall-Unterlagen entdeckt, aber keine Übereinstimmung in den Datenbanken gefunden. Im Jahr 2013 wurde eine Task Force für "kalte Fälle" gebildet und der Bernhardt-Fall hatte Priorität. Tausende Arbeitsstunden investierten die Beamten in die Flut an Daten und Hinweisen, doch die meisten waren Sackgassen. Das Team habe wie besessen gearbeitet, berichtet Scott Goodwin, der als Freiwilliger bei der Untersuchung geholfen hat. "Diese beiden jungen Leute haben es nicht verdient, was mit ihnen passiert ist", so Goodwin zu "USA Today". "Sie haben nichts getan. Sie sind an einem Dienstagabend nach Hause gekommen und wurden ermordet."

Im Jahr 2015 wurde das DNA-Material mit einer Genealogie-Datenbank abgeglichen, die für Stammbaumforschung genutzt wird. Dort identifizierte man einen Verwandten des Mörders, denn die DNA wies eine auffällige Übereinstimmung auf. Daraufhin wurde genau geforscht: Demnach musste es sich bei dem Mörder entweder um C. oder dessen Bruder handeln, der allerdings in einem anderen Staat lebt. Seine DNA wurde untersucht und er konnte als Verdächtiger ausgeschlossen werden. 

"Unser Leben wurde zerstört"

Somit scheint klar, wer die Bernhardts ermordet hat - doch statt einer Antwort bleiben viele Fragen offen. Am Tag der Pressekonferenz, an dem die Ermittler die Ergebnisse präsentierten, sagte der Generalstaatsanwalt Tim Fox daher auch, dass es ein guter und ein düsterer Tag sei. Denn die Technologie, mit der nun C. als überführt gilt, kommt für die Angehörigen zu spät. "Es ist kein Abschluss der Geschichte. Ein Abschluss wäre es, wenn die Tür geschlossen wird und Sie weitergehen können und sagen, dass alles hinter ihnen liegt", sagt Kelly Reich, die Schwester von Linda. "Dieses Ergebnis ändert nichts." 

Und so bleiben die Fragen: Wo sind die Habseligkeiten der Bernhardts? Warum hat C. sie mitgenommen? War C. in Linda verliebt gewesen? Und warum hat C. bei der Beerdigung der Bernhardts ins Kondolenzbuch geschrieben?

Nach dem Tod Lindas riss die Familie auseinander, die Brüder zogen weg, die Familie verlor sich aus den Augen. "Unser Leben war zerstört", sagt Reich zur "New York Times".


kg
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