Mord an einem Obdachlosen Neun Jahre Haft für 19-Jährigen


Im Prozess um die Tötung eines Obdachlosen hat das Gericht Cottbus den Täter zu neun Jahren Haft verurteilt. Videospiele sollen das Drehbuch für den Mord geliefert, aber nicht zur Handlung verleitet haben.

Ein 19-Jähriger muss wegen Mordes an einem Obdachlosen nach dem Muster eines Gewaltvideospiels für neun Jahre ins Gefängnis. Die Jugendstrafkammer das Landgerichtes Cottbus befand den Angeklagten für schuldig, den 51 Jahre alten Mann im Juli in Cottbus mit brutalen Schlägen und Tritten ins Gesicht getötet zu haben. Der junge Mann, der die tödlichen Misshandlungen gestanden hatte, nahm den Urteilsspruch mit gesenktem Kopf, aber ohne äußere Regung auf. Als Motiv hatte er Frust nach ständigen Niederlagen in einem Wrestling-Videospiel und Ärger über eine Polizeikontrolle unmittelbar vor der Tat genannt.

Vor der Attacke auf den Obdachlosen hatte sich der Angeklagte etwa fünf Stunden lang mit dem Gewalt verherrlichenden Videospiel beschäftigt. "Wir können nicht von der Hand weisen, dass das Spielen dieses Videospieles Einfluss auf die Tat hatte", sagte die Vorsitzende Richterin Sigrun von Hasseln. Aber trotz dieses Einflusses und seines Alkoholkonsums habe der Angeklagte sein Handeln noch steuern können. Der 19-Jährige bleibt wegen Fluchtgefahr weiter in Untersuchungshaft.

Fünf Stunden Videospiel

Die Richter folgten mit dem Schuldspruch weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die wegen Mordes eine Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten gefordert hatte. Dagegen beantragte die Verteidigung, die auf verminderte Schuld- und Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit plädiert hatte, vier Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die Verteidigung erwägt, Rechtsmittel einzulegen.

Am Abend vor dem tödlichen Übergriff hatte der 19-Jährige, wie die dreitägige Beweisaufnahme ergab, mit einem Bekannten etwa fünf Stunden lang das Videospiel gespielt und ständig verloren. Als der alkoholisierte Mann nach draußen ging, trat er aus Wut gegen einen Fahrscheinautomaten, was ihm einen Platzverweis von der Polizei einbrachte. Er traf dann auf den 51 Jahre alten Obdachlosen, dem er zunächst eine Unterkunft bei einem Bekannten anbot. Als auch das scheiterte, nahm das Verhängnis laut Urteil seinen Lauf.

Gesicht zertrümmert

"Der Frust des Angeklagten überlagerte sich mit seiner Aggressivität, die sich immer gegen Schwächere richtete", sagte von Hasseln. Der 19-Jährige habe den Obdachlosen, den er zuvor als "Penner" bezeichnete, mit dem Fuß eine Treppe hinunter gestoßen und ihm dann mit zehn bis zwölf Fußtritten das Gesicht zertrümmert. Das Opfer starb an inneren Verletzungen. Der Angeklagte, der einen Tötungsvorsatz bestritten hatte, habe aus niederen Beweggründen gehandelt. "Er hat den Tod des Mannes billigend in Kauf genommen", sagte die Richterin. Die Kammer ordnete an, dass der Alkoholabhängige nach Verbüßen der Jugendstrafe in einer Entziehungsanstalt untergebracht wird.

Die Kammer schloss sich bei der Einschätzung der Schuldfähigkeit des Angeklagten der Ansicht des psychiatrischen Sachverständigen Jürgen Rimpel aus Lübben an. Dieser hatte vor Gericht erläutert, er könne bei dem Angeklagten zur Tatzeit weder eine verminderte Steuerungsfähigkeit noch eine Persönlichkeitsstörung feststellen. Aus seiner Sicht bestehe zwischen dem fünfstündigen Spielen unmittelbar vor der Tat und der Tötung kein unmittelbarer Zusammenhang. Dagegen hatte der Ulmer Hirnforscher Professor Manfred Spitzer im Prozess eine Verbindung zwischen dem Videospiel und der Tötung des Obdachlosen nicht ausgeschlossen.

Peter Jähnel/DPA DPA

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