Mord an Elfjährigem Polizei lässt Verdächtige gehen


Nach dem Mord am elfjährigen Rhys Jones in Liverpool hat die britische Polizei bisher zehn Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren im Visier. Obwohl die Ermittler die Jugendlichen nach ihrer Festnahme wieder laufen lassen mussten, glauben sie weiter an eine heiße Spur.

Ernüchterung im Mordfall Rhys Jones: Auf der Suche nach dem Mörder des elf Jahre alten Jungen aus Liverpool hat die Polizei alle Festgenommenen wieder frei gelassen. Vier Jugendliche seien ohne Anschuldigung entlassen worden, darunter zwei Mädchen, teilte die Polizei mit. Zudem seien ein 16- und ein 19- Jähriger gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Die Polizei hoffte, den Täter mit Hilfe einer Schlüsselzeugin überführen zu können. Die Frau war in der Nähe des Tatorts unterwegs und hatte den Mörder offenbar gesehen.

Rhys Jones war am Mittwochabend nach dem Fußballspielen vermutlich von dem Mitglied einer Jugendgang aus Versehen erschossen worden. Seit der Bluttat sind insgesamt zehn Jugendliche im Alter zwischen 14 und 19 Jahren festgenommen worden, sechs kamen gegen Kaution frei, vier ohne Beschuldigung.

Hat die Polizei eine heiße Spur?

Am Montag besuchte die Mannschaft von Rhys' Lieblingsclub Everton den Tatort nahe eines Pubs und legte einen Fußball, Blumen und Fußballschuhe nieder. Der Kapitän Phil Neville rief die Bevölkerung auf, mit Hinweisen zur Polizei zu gehen, um "den zu fassen, der diese schreckliche Tat begangen hat". Womöglich aus Angst vor Vergeltung der Gangs hatten viele Zeugen in der Nachbarschaft geschwiegen.

Die Ermittler werteten unterdessen auch Videomaterial aus; es ist nach Medienangaben aber nicht gut genug, um den Täter darauf zu erkennen. Die Polizei geht davon aus, dass sie eine heiße Spur zu dem Mörder hat. Es seien jedoch noch mehr Beweise nötig, um diesen vor Gericht zu bringen, berichtete die "Times". Nach dem Bericht wurde der Killer angewiesen, den Boss einer rivalisierenden Bande wegen eines Streits um ein Mädchen zu erschießen. Rhys traf demnach ein "verirrter" Schuss, kurz nachdem er mit seinen Kumpels gekickt hatte.

Rhys nicht sterben müssen

In dem Viertel Croxteth in Liverpool gibt es immer wieder Probleme mit kriminellen Jugendgangs zweier Sozialwohnungs-Siedlungen. Ein Mitglied einer Bande sagte dem Sender Sky News, Rhys sei nicht Ziel der Todesschüsse gewesen. "Er war erst elf und liebte Fußball, er hatte nichts mit Gangs zu tun. Viele Leute von uns sind entsetzt."

Nach Angaben von Anwohnerverbänden hätte Rhys nicht sterben müssen, wenn die Polizei eine seit längerem geforderte mobile Wache in der Gegend eingerichtet hätte. "Diese Polizeistation wurde uns versprochen und sie sollte seit April auf dem Parkplatz stehen, wo Rhys starb. Aber die Polizei sagte, sie habe nicht die Mittel dafür", kritisierte Emma Ahmed von der Croxteth Country Park Residents' Association. Die Polizei verteidigte sich, es gebe in der Stadt zu viele Anfragen für diese Wache.

DPA DPA

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