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Erschütternder Fall in Russland Mord für Zauberritual: Mann schleicht in Kindergarten und tötet kleinen Jungen im Schlaf

Russland, Narjan-Mar: Dennis P. wird dem Haftrichter vorgeführt.
Russland, Narjan-Mar: Dennis P. wird dem Haftrichter vorgeführt. Er gestand, ein Kind getötet zu haben, um ein Zauberritaul zu vollziehen. 
© Russisches Ermittlungskommitee
Der Tod eines kleinen Jungen schockiert die russische Stadt Narjan-Mar. Mitten am Tag spazierte ein Mann in den Kindergarten und schnitt dem Sechsjährigen die Kehle durch. Das Motiv: die Ausführung eines Zauberrituals. 

In dem beschaulichen Städtchen Narjan-Mar im Nordwesten Russlands passiert für Gewöhnlich nicht viel. Die knapp 21.000 Einwohner führen nördlich des Polarkreises ein ruhiges Leben. Außer dem Sägewerk, dem großes Fischverarbeitungskombinat und einigen Betrieben der Nahrungsmittelindustrie findet man hier nicht viel. Es gibt einen Hafen und sogar einen kleinen Flughafen, doch Straßenverbindungen mit dem Rest Russlands bestehen nicht. Und so verlaufen die kurzen Tage des langen Polarwinters hier meistens einer wie der andere.

Auch der 31. Oktober war ein ganz gewöhnlicher Tag – bis ein hagerer, bärtiger Mann an die Pforten des Kindergartens "Märchen" klopfte, wie später Augenzeugen der Polizei berichten sollten. Er sei der Vater eines der Kinder, sagte er und bat um Einlass. Der Wachmann ahnte nichts Böses und gewährte Eintritt. Ruhig stieg der bärtige Mann die Treppe zum zweiten Stock hinauf. Es war die Stunde der Mittagsruhe. Die Kinder schliefen friedlich im Schlafsaal, während die Erzieherinnen die kurze Verschnaufpause genossen. Der ungewöhnliche Besucher fiel niemandem auf. Leise schlich er zu den schlafenden Kindern.

Dann zückte der Mann plötzlich aus seinem Ärmel ein Messer, trat ans Bett eines sechsjährigen Jungen – und stieß die Waffe in den kleinen Körper. Immer wieder. Das Kind schrie. Alarmiert vom Kindergeschrei stürzte der Wachmann in den Schlafsaal. Er überwältigte den Angreifer, doch es war bereits zu spät: Aus der Kehle des Jungen sprudelte Blut. Wenige Minuten später verblutete das Kind in den Armen der weinenden Erzieherinnen. 

Ritualmord offenbar geplant 

Der Täter konnte noch am Tatort festgenommen werden. Wie sich herausstellte, ist Dennis P. weder der Vater des getöteten Jungen, noch eines der anderen Kinder. "Innere Stimmen" hätten ihn in den Kindergarten geführt, erklärte der 36-Jährige noch bei seiner Festnahme. "Ich habe eine Zauberformel in einem Buch über das ewige Leben gelesen", gab er beim ersten Verhör zum Protokoll. Ewiges Leben für geliebte Menschen und Reichtum für sich selbst habe sie versprochen. "Damit der Zauber wirkt, musste ein Kind getötet werden", sagte er, während er in Handschellen im Polizeiauto lag. Ein Video des russischen Ermittlungskomitees zeigt diese erste Vernehmung. Doch außer Gefängnis habe ihm die Zauberformel nichts eingebracht, gibt Dennis P. auf Nachfrage kleinlaut zu.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits Anklage wegen Mordes gegen ihn erhoben. "Dennis P. hat die ihm vorgeworfene Straftat vollständig gestanden [...] und Reue bekundet", zitiert die Zeitung "Komsomoolskaja Prawda" aus der Anklagebegründung. 

Ganz per Zufall hat Dennis P. aber den Kindergarten "Märchen" aber offenbar nicht für sein Vorhaben ausgesucht. In seiner Wohnung fanden die Ermittler Baupläne des Gebäudes, berichtet das Nachrichtenmagazin "Life".

Wut und Schock in Narjan-Mar

Der sinnlose Tod des kleinen Jungen hat nun das ruhige Leben in Narjan-Mar beendet. Die Polizei konnte die Bevölkerung nur mit Mühe und Not daran hindern, Selbstjustiz zu üben. Vor allem eine Frage quält die Einwohner der Stadt: Wie konnte Dennis P. so einfach in den Kindergarten hineingelangen? "Mein Kind geht in diesem Kindergarten und war heute da. Ich wurde fast verrückt, als ich von dem Vorfall erfuhr", sagte eine Mutter gegenüber "Komsomolskaja Prawada". "Wie soll man jetzt sein Kind, in den Kindergarten bringen? Und warum wurde die Tür zu dem Schlafsaal nicht abgeschlossen?

Nach Angaben des Ermittlungskomitees wurden nun ein Verfahren wegen Fahrlässigkeit und der Erbringung von Dienstleistungen, die nicht den Sicherheitsanforderungen entsprechen, eingeleitet. Vertreter der Behörden von Narjan-Mar versicherten außerdem, die Sicherheit aller Kindergärten überprüfen zu wollen, berichtet die Zeitung "Kommersant".

Quellen: Russisches Ermittlungskomitee, "Komsomolkaja Prawda", "Life", "Kommersant"


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