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Mord im Dachauer Amtsgericht: Todesschütze legt Geständnis ab

Der mutmaßliche Todesschütze Rudolf U. hat vor dem Münchner Landgericht gestanden, einen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht erschossen zu haben. U. habe auch den Richter töten wollen.

Im Münchner Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht hat der schwer kranke Angeklagte die Tat gestanden. "Ich hab' auf den Staatsanwalt geschossen, das ist richtig", sagte der 55-Jährige am Dienstag. Auch den Richter habe er erschießen wollen - "bin aber nicht mehr dazu gekommen". Den Protokollführer und seine damalige Anwältin habe er aber nicht töten wollen.

Der schwerkranke Angeklagte war am Dienstag dem Gericht vorgeführt worden. Einen Tag nach einer weiteren Operation musste der beidseitig beinamputierte Rudolf U. auf Anordnung des Landgerichts München II erscheinen. Das Gericht setzte das Verfahren gegen 55-Jährigen mit der Verlesung der Anklage durch die Staatsanwaltschaft fort.

Zuvor war der Prozess bis diesen Dienstag unterbrochen worden, nachdem U.'s Wahlverteidiger Maximilian Kaiser gegen den vorsitzenden Richter Martin Rieder Beschwerde eingelegt hatte. Rieder hatte dem schwer kranken 55-Jährigen vorgeworfen, bewusst jegliche medizinische Behandlung abgelehnt und damit seine Abwesenheit vom Verfahren selbst verschuldet zu haben.

Der 55-Jährige Rudolf U. ist wegen Mordes und dreifachen versuchten Mordes angeklagt. Der insolvente Transportunternehmer hatte am 11. Januar im Dachauer Amtsgericht vor mehreren Zeugen den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschossen. Er musste sich damals wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge verantworten.

U. wollte auch den Richter töten

Der Richter verlas damals gerade sein Urteil von einem Jahr Haft auf Bewährung, als der Mann eine ins Gericht geschmuggelte Pistole zog und feuerte. Tödliche Schüsse trafen den Staatsanwalt, der an dem Tag nur für einen Kollegen eingesprungen war. Laut Anklage wollte der gerade Verurteilte auch den Richter töten, der mit dem Protokollführer und der damaligen Anwältin des Mannes unter die Richterbank flüchtete. Die Anwältin ist Nebenklägerin.

Die Ehefrau und der Vater des erschossenen Juristen verfolgten gefasst den ersten Prozesstag. Eltern, Schwester und Frau des Opfers sind ebenfalls Nebenkläger. Laut Staatsanwaltschaft hat der Todesschütze kürzlich bei einer richterlichen Anhörung am Krankenbett die Tat im Wesentlichen eingeräumt. Als Motiv habe er "Hass auf die Justiz" wegen vieler verlorener Verfahren angegeben.

Der Prozess begann am Montag in Abwesenheit des an Diabetes erkrankten Angeklagten. Ihm wurden in der Untersuchungshaft beide Beine abgenommen, die zweite Amputation liegt nur gut zwei Wochen zurück. Für ihn war eigens ein Bett im Gerichtssaal aufgebaut worden. Er musste jedoch wegen einer Infektion nochmals operiert werden.

Eine "schwierige Persönlichkeit"

"Der Angeklagte hat seine Verhandlungsunfähigkeit vorsätzlich und schuldhaft herbeigeführt", sagte Richter Rieder. "Die neuerliche Operation hätte verhindert werden können, wenn der Angeklagte nicht den medizinisch notwendigen Wechsel des Verbandes und ebenso den Wechsel der Bettwäsche abgelehnt hätte." Der Angeklagte sei laut Gutachter eine "schwierige Persönlichkeit" mit "oppositionellen trotzigen Zügen". Auch wenn der Mann bald wieder verhandlungsfähig wäre, sei eine Fortsetzung seines Verhaltens und somit eine baldige erneute Verhandlungsunfähigkeit zu erwarten.

Wahlverteidiger Kaiser sagte, sein Mandant habe klargestellt, dass er eine Verhandlung in Abwesenheit nicht wolle. Kaiser hatte zuvor den Vorwurf erhoben, sein Mandant sei "vonseiten Dritter getäuscht" worden, um die Einwilligung zur Amputation "zu erschleichen".

Milch, Chips und Schokolade - trotz Zuckererkrankung

In der Untersuchungshaft habe der damals übergewichtige und zuckerkranke 55-Jährige eine Behandlung ebenso abgelehnt wie eine angemessene Ernährung, berichtete der Sachverständige Malte Ludwig. Er habe Milch, Chips und Schokolade zu sich genommen. Statt früher 160 wiege er nun 80 Kilogramm. "Ich hatte den Eindruck, dass er keinen aktiven Suizid begehen will", sagte Ludwig. Passiv habe er offenbar diese Entwicklung hingenommen. Insgesamt hat das Gericht mehr als 60 Zeugen benannt.

Der Tod des Staatsanwalts löste bundesweit eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen in Justizgebäuden aus. In Bayern wurde mehr Personal eingestellt; Sicherheitsschleusen und lückenlose Kontrollen an den Eingängen sollen Mitarbeiter und Bürger schützen.

steh/AFP/DPA / DPA