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Mord im Schrebergarten: "Ich habe mich nur gewehrt"

Der Fall hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Vergangenen Herbst fand die Polizei drei Leichen in einer Kleingartenanlage, schnell fiel der Verdacht auf Rentner Wilfried R. Der gab nun vor Gericht zu, die drei benachbarten Kleingärtner getötet zu haben. Die Verantwortung für seine Tat will er trotzdem nicht übernehmen.

Der Schock war groß, als im vergangenen September drei Kleingärtner im niedersächsischen Gifhorn brutal erschlagen aufgefunden wurden. Der Rentner Wilfried R. hat nun vor Gericht gestanden, seine drei Nachbarn in einer Laubenkolonie mit einem Eichenknüppel getötet zu haben. Dabei bestritt der Angeklagte aber, die Familie mit Absicht getötet zu haben: "Die drei haben mich angegriffen und ich habe mich mit dem Stock nur gewehrt." Er habe nicht geglaubt, dass die drei sterben könnten. "Ich dachte, sie stehen wieder auf und haben nur Kopfschmerzen." Nach dem Obduktionsbericht muss der Mann jedoch mit rasender Wut auf seine Opfer eingeschlagen haben. Die Frau sei derart zugerichtet gewesen, dass sie nicht sofort einwandfrei identifiziert werden konnte. Auch ihr Sohn hatte nach Angaben des Richters mehrere massive Schädelbrüche erlitten. Ein Spaziergänger hatte die blutüberströmten Leichen entdeckt.

"Der Angeklagte hat sich in einem Gebüsch auf die Lauer gelegt, um seine Gartennachbarn auf frischer Tat zu ertappen, wie sie Gartenabfälle unrechtmäßig entsorgen", sagte Staatsanwalt Wolfgang Scholz. Als der 33-jährige Sohn das Gebüsch mit einer Schubkarre passiert habe, seien zunächst nur Worte gefallen. Mit dem zuvor in der Hose versteckten 80 Zentimeter langen Eichenknüppel habe der ehemalige Automobilarbeiter dem Mann dann auf Kopf und Hals geschlagen. Nach der Schilderung des Staatsanwalts konnte sich der Schwerverletzte noch 20 Meter weit schleppen und brach dort unter weiteren Knüppelschlägen auf den Hinterkopf zusammen. Die 59-jährige Mutter und der 64-jährige Vater des Mannes seien wegen der Hilferufe ihres Sohnes sofort herbeigeeilt, sagte Scholz. Auch ihnen habe Wilfried R. mehrere Schläge gegen Kopf und Hals versetzt. Alle drei Opfer hätten noch mindestens 20 Minuten gelebt und seien an den Folgen der Kopfverletzungen gestorben.

Nach der Tat war der Rentner zwei Tage lang auf der Flucht. Auf einem vier Kilometer vom Tatort entfernten Acker verbrachte er eine Nacht unter Strohballen. Als ihn ein Landwirt entdeckte, nahm die Polizei den Rentner fest.

Wildes Parken treibt R. zur Weißglut

"Ich kenne die Familie etwa 30 Jahre. Anfangs hatten wir ein gutes Verhältnis", sagte der Angeklagte vor Gericht. Die Opfer waren zunächst Pächter eines Grundstücks von ihm. Dann habe es aber immer wieder Streit gegeben: Mal um mangelnde Sauberkeit oder wildes Parken, dann um das unrechtmäßige Wegwerfen von Gartenabfällen oder die Kaninchenhaltung der Nachbarn. Auch unklare Grenzen des Gartengeländes sorgten für Auseinandersetzungen. Als Anfang 2005 mehrere Lauben abbrannten, darunter auch die mit den Kaninchen der später ermordeten Familie, hatte diese genug: Sie mietete ein neues Grundstück, das nicht mehr dem Angeklagten gehörte.

In dem Prozess treten die beiden anderen Söhne des getöteten Paares als Nebenkläger auf. "Mein Mandant hat innerhalb weniger Minuten seine halbe Familie wegen eines nichtigen Anlasses verloren. Er leidet noch immer darunter", sagte der Anwalt des jüngsten Sohnes am Mittwoch. Beide Männer treten im April als Zeugen auf, mit einem Urteil wird nicht vor Anfang Mai gerechnet.

DPA/AP / AP / DPA
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