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Mord in der Oberpfalz: Amokläufer stellt sich der Polizei

Hunderte Polizisten haben nach ihm gesucht, jetzt hat er sich selbst gestellt: der Amokläufer, der in der Oberpfalz einen Mann erschossen und acht weitere Menschen zum Teil schwer verletzt hat, ist gefasst.

Der 49-Jährige habe die Polizei im nahen Weiden am Abend angerufen und sich fünf Kilometer vom Tatort entfernt widerstandslos festnehmen lassen, sagte Polizeisprecher Oswald Ertl.

Der Mann hatte in der Nacht zum Montag in Wernberg-Köblitz (Landkreis Schwandorf) mit einer Pistole einen 67 Jahre alten Mann erschossen und acht weitere Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Daraufhin flüchtete er mit der Tatwaffe. Die Polizei sucht mit mehr als 100 Beamten in der gesamten Region und vor allem an der tschechischen Grenze nach dem Mann.

In dem Gasthaus im oberpfälzischen Saltendorf war am Sonntag gerade eine Pfarrversammlung zu Ende gegangen. Zunächst schoss der 49-Jährige durch das Küchenfenster und betrat dann nach Polizeiangaben gegen 21.45 Uhr den Flur, wo er auf den 67-jährigen Rentner schoss und ihn tötete. Danach betrat er wild um sich schießend die Küche und den Gastraum mit dem Stammtisch.

"Der ist Amok gelaufen. Wem er begegnet ist, den hat er niedergestreckt", sagte Pastoralreferent Christian Irlbacher, der bei der Pfarrversammlung im Saal hinter dem Gastzimmer Zeuge der Tat wurde. Dort habe nur eine Kugel eingeschlagen. Die Wirtsleute, die Frau des getöteten Rentners sowie fünf weitere Gäste wurden durch Schüsse in Bauch, Brust oder Knie zum Teil schwer verletzt und mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Bis zum Montagmittag waren aber alle außer Lebensgefahr, wie Polizeisprecher Oswald Ertl sagte.

Der Hobbyjäger aus einem Nachbardorf hatte am späten Sonntagabend nach Polizeiangaben zuerst durch das Küchenfenster der Gaststätte im Ortsteil Saltendorf gefeuert. Dann habe er im Flur einen 67-Jährigen getötet. In dem Lokal schoss er wahllos auf die Wirtsleute und Gäste und traf acht weitere Menschen. Einige von ihnen schwebten am Mittag noch in Lebensgefahr. Insgesamt waren zum Tatzeitpunkt nach Polizeiangaben mehr als 60 Menschen in dem Lokal. Etwa 50 von ihnen hatten sich zu einem Pfarrabend getroffen.

Fanatischer Jäger und Junggeselle

Der Täter sei weder als gewalttätig bekannt, noch habe es vorher eine Auseinandersetzung oder einen anderen erkennbaren Anlass gegeben. Der Junggeselle sei aber ein Einzelgänger und offenbar "nicht sonderlich beliebt" gewesen, sagte Polizeisprecher Peter Schmid. Er sei schon lange arbeitslos. Als Jäger habe der Mann mehrere Schusswaffen legal besessen, sagte Ertl. Nach der Bluttat sei er in seinem silberfarbenen Opel Astra geflüchtet. Mit einem Hubschrauber suchte die Polizei sein Jagdrevier ab, und 250 Polizisten fahndeten nach ihm, "wo er sich gerne aufgehalten hat".

Die Fahndung lief bundesweit, auch die tschechischen und österreichischen Polizei- und Grenzbehörden waren informiert. Der Mann sei in Saltendorf geboren und wohne in einem knapp einen Kilometer entfernten Nachbardorf, das ebenfalls zur Marktgemeinde Wernberg-Köblitz gehöre, sagte Ertl. Ein Rathaus-Mitarbeiter sagte, der Mann habe auch selbst in dem Gasthaus verkehrt. "Mit der Arbeit hat er’s nicht so gehabt", aber sonst sei der Mann "nicht aufgefallen, er war auch nicht gewalttätig". Er habe mit Sicherheit alle seine Opfer gekannt - "jeder kennt jeden hier", sagte der Rathaus-Mitarbeiter. Auch der Bürgermeister von Wernberg-Köblitz sei bei der Pfarrversammlung gewesen, aber unverletzt geblieben.

AP / AP
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