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Illinois in den USA: Er legte Feuer und brachte fünf Menschen um – darf man einen Neunjährigen wegen Mordes bestrafen?

Nach einem Wohnmobilbrand soll sich ein Neunjähriger im US-Bundessaat Illinois wegen Mordes verantworten. Doch wie soll man ein Kind bestrafen? Für den Staatsanwalt eine schwierige Entscheidung.

Absperrband von der US-Polizei

Wie soll man einen 9-jährigen Täter bestrafen? (Symbolbild)

Im US-Bundesstaat Illinois soll sich ein Neunjähriger wegen fünffachen Mordes und Brandstiftung vor Gericht verantworten. Der Brand ereignete sich am 6. April 2019 auf dem Wohnwagen-Parkplatz in der Nähe der Ortschaft Goodfield. Dabei kamen ein einjähriges Kind, zwei Zweijährige, ein 34-jähriger Mann sowie eine 69 Jahre alte Frau ums Leben. Laut den Ermittlern war das Feuer vorsätzlich gelegt worden. Es soll kurz nach 23 Uhr ausgebrochen sein. Minuten später war bereits die Feuerwehr vor Ort, doch da stand der Wohnwagen bereits voll in Flammen. Es gab zwei Überlebende: Katrina A., 27, und eines ihrer Kinder. Sie verlor an diesem Tag ihren Verlobten, ihre Nichte, zwei ihrer Kinder und ihre Großmutter in den Flammen, berichten US-Medien.

Für den Staatsanwalt war die Entscheidung, das Kind wegen Mordes vor Gericht zu stellen, nicht. leicht. Er habe sämtliche Berichte gelesen, um sich ein Bild zu machen. "Es war eine schwere Entscheidung", sagte Greg Minger, Staatsanwalt von Woodford County, berichtet "USA Today" ."Es ist eine Tragödie, aber am Ende des Tages wird ein sehr junger Mensch wegen eines der schwersten Verbrechen angeklagt."

Mutter des Täters: "Als wäre er ein Monster"

Auch wenn der Staatsanwalt selbst keine Angaben zum angeklagten Kind machte, meldete sich die Mutter des Neunjährigen über soziale Netzwerke zu Wort. "Ich würde mich freuen, wenn die Hasskommentare aufhören würden, er ist erst neun, er braucht Hilfe, er ist nur ein Baby, also hör bitte auf!", bittet sie in einem Facebook-Post. "Jeder sieht ihn an, als wäre er eine Art Monster", sagte die Mutter zu "CBS News". "Menschen machen Fehler und das ist, was es ist. Es war eine fürchterliche Tragödie, aber man sollte deshalb nicht sein Leben wegwerfen." Bei ihrem Sohn sei ADHS, eine bipolare Störung und eine Art Schizophrenie diagnostiziert worden, berichtet die Mutter.

 

Katrina A. war selbst in dem Wohnwagen, konnte sich aber retten, berichten US-Medien. "Ich stand am Fenster und sagte meinen Kindern, dass es mir leid tue, dass ich sie nicht retten könne", erzählt sie "CBS News". "Ich habe alles verloren, auch meine Familie. Aber ich vergebe ihm. Ich liebe ihn, egal was passiert."

Laut dem Staatsanwalt könnte der junge Täter eine Bewährungsstrafe von mindestens fünf Jahren erhalten. Die Strafe dürfte allerdings nicht länger andauern als 21 Jahre. Darüber hinaus seine eine Therapie obligatorisch. Verdächtige unter zehn Jahren können in Illinois nicht inhaftiert werden. Um den Täter des Mordes zu überführen, muss der Staatsabwalt nachweisen, dass er beabsichtigt habe, zu töten.

Gus Kostopoulus, der Verteidiger des Jungen, sieht das problematisch: "Neunjährige wissen nicht, dass der Weihnachtsmann nicht existiert", sagte er. "Sie wissen nicht, dass Menschen sterben und nicht ins Leben zurückkehren. Ich weiß nicht, ob Neunjährige die Absicht haben können, einen Mord zu begehen."

Zusätzlich befeuert wird die Diskussion durch einen kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen, demnach Kinder unter 14 Jahren unabhängig vom Verbrechen nie strafrechtlich verfolgt werden sollten. 

kg