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Prozess in Hannover: Nach Flirt im Chatroom - Unternehmerin in Badewanne ermordet

Eine 49-jährige Unternehmerin aus Hannover wurde nach einem Onlineflirt ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden. Am Montag startete der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter - mit vielen Widersprüchen. 

Mord nach einem Flirt im Chatroom? Eine Unternehmerin aus Hannover wurde ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden.

Mord nach einem Flirt im Internet? Eine Unternehmerin aus Hannover wurde ermordet in ihrer Badewanne aufgefunden. Der mutmaßliche Täter will sie lediglich geschubst haben. 

Vor ihrem Tod arbeitete die Unternehmerin aus Hannover nach Aussage ihrer Kollegen 12 bis 16 Stunden am Tag. In ihrer raren Freizeit traf sie sich mit Männern, die sie über eine Internet-Kontaktbörse kennenlernte. Einer dieser Chat-Partner wurde der 49-Jährigen nach Überzeugung der Ermittler im Frühjahr zum Verhängnis. Seit Montag muss sich ein 27-Jähriger vor dem Landgericht Hannover wegen Mordes verantworten. Der schmächtige, gut aussehende Mann soll die Chefin einer Zeitarbeitsfirma in ihrer Badewanne ertränkt haben, um sie auszurauben.

Der Anklage zufolge würgte er die allein stehende Geschäftsfrau in ihrer Wohnung im noblen Zoo-Viertel von Hannover, schlug ihren Kopf gegen eine Wand und drückte dann ihren Kopf in der Badewanne unter Wasser. Danach soll er Kredit- und EC-Karten der Frau gestohlen und vergeblich versucht haben, mit ihnen Geld abzuheben. Die Fahnder sind davon überzeugt, dass der 27-Jährige der Mann ist, der noch am gleichen Abend auf den Bildern der Videoüberwachung verschiedener Bankhäuser in Hannover zu sehen ist.

12 000 Euro Schulden als Motiv?

Außerdem soll der Mordverdächtige den 47 000 Euro teuren Sportwagen seines Opfers mitgenommen haben, um ihn zu verkaufen. Der junge Mann hatte nach Aussage einer Polizistin mindestens 12 000 Euro Schulden. Außerdem gab es Probleme, seinen Anteil der Miete für die gemeinsame Wohnung mit seiner Freundin aufzubringen. Zum Auftakt des Prozesses stritt der gefasst wirkende Angeklagte den Mord ab. Er räumte aber ein, dass er am besagten Abend in der Wohnung der 49-Jährigen gewesen sei. Er habe sie in einem Chat-Room kennengelernt und von ihr sofort sexuelle Angebote bekommen, ließ der 27-Jährige durch seinen Verteidiger erklären.


Demnach hatte er einmal mit ihr Sex und bekam dafür 250 Euro. Bei der Verabredung am 4. Mai habe er ihr aber gesagt, dass er sich nicht mehr für Sex bezahlen lassen wolle. Dann habe sie sich trotzdem ausgezogen, ihn beschimpft und gekratzt. Er habe sie zurückgestoßen. In der Version des 27-Jährigen verließ er dann die Wohnung und beobachtete, wie ein anderer Mann zur Haustür ging.

Verteidigung bringt neue Männernamen ins Spiel

Tatsächlich verabredete sich die 49-Jährige regelmäßig mit verschiedenen Männern. "Sie wollte zwar einen Partner finden, aber so wie es war, war es eher was zum Spaß", sagte eine Arbeitskollegin und Freundin. Von Sex gegen Geld sei aber nie die Rede gewesen. In der Verhandlung am Montag kamen viele Dates zur Sprache - unter anderem war von Dennis, Daniel, Hendrik, Jeff und einem Halb-Chilenen die Rede. Der Verteidiger brachte bei seinen Nachfragen immer neue Männernamen ins Spiel.

Zum Abschluss des ersten Verhandlungstages sagte die Freundin des 27-Jährigen aus, die an der Beziehung trotz des Mordvorwurfs festhält. Die 23-Jährige beteuerte, dass ihr Freund nicht aggressiv sei: "Ich habe ihn nie explodieren gesehen." Am Tag, an dem die Geschäftsfrau ermordet wurde, habe sie sich große Sorgen gemacht, weil ihr Partner so spät von einem Bewerbungsgespräch nach Hause kam. Er habe ihr erzählt, dass er bei Rot über eine Ampel gegangen und von einem Polizisten aufgehalten worden sei.

Christina Sticht / DPA