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Mordfall Susanna: Seehofer: Ali B. ist wieder in Deutschland

Der im Nordirak festgenommene 20-jährige Ali B. hat den Mord an der Schülerin Susanna in Wiesbaden gestanden und ist am Abend in Deutschland angekommen. Er soll sofort vernommen werden. 

Der Verdächtige im Mordfall Susanna, Ali B., ist nach Angaben von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wieder in Deutschland. "Ich bin froh, dass der von der deutschen Justiz gesuchte, mutmaßliche Täter wieder in Deutschland ist", erklärte Seehofer am Samstagabend in Berlin. So könne das Ermittlungsverfahren schnell vorangetrieben werden.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, die Lufthansa-Maschine mit dem Tatverdächtigen an Bord sei am Abend um 20.36 Uhr auf dem Flughafen Frankfurt/Main gelandet. An Bord der Maschine aus dem nordirakischen Erbil sei auch der Präsident der Bundespolizei, Dieter Romann. B. wurde der "FAZ" zufolge mit dem Hubschrauber zum Polizeipräsidium Wiesbaden geflogen. In Handschellen und von mehreren Beamten begleitet wurde er in das Polizeipräsidium gebracht.

Ali B. hat die Tat nach Angaben der Polizei in der autonomen Kurdenregion im Nordirak gestanden. "Als wir ihn verhörten, hat der junge Mann aus Kurdistan gestanden, die junge Deutsche getötet zu haben", sagte der Polizeichef der nordwestirakischen Stadt Dohuk, Tarik Ahmad, der Nachrichtenagentur AFP.

Ali B. habe ausgesagt, dass er mit Susanna befreundet war und in Streit geraten sei. "Er sagte, er habe das junge Mädchen getötet, als es gedroht habe, die Polizei zu rufen", sagte Ahmad. Bei einer späteren Pressekonferenz sagte der Polizeichef, der 20-Jährige habe zudem erklärt, das Mädchen erwürgt zu haben.

Ein ranghoher kurdischer Verantwortlicher sagte AFP, alle Vorkehrungen seien getroffen worden, damit der Verdächtige "so schnell wie möglich" nach Deutschland zurückgebracht werden könne. Ein Auslieferungsabkommen zwischen dem Irak und der Bundesrepublik besteht nicht (lesen Sie hier im stern, warum Ali B. dennoch nach Deutschland kommen kann).

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte die Festnahme. "Das unfassbare Leid, dass der Familie und dem Opfer widerfahren ist, bewegt jeden und erfasst auch mich", sagte sie am Samstag am Rande des G7-Gipfels im kanadischen La Malbaie. Sie sprach von einem "abscheulichen Mord" und plädierte für eine entschiedene Ahndung solcher Straftaten. Wenn die Tat bewiesen sei, müsse die Justiz "mit aller Klarheit ein Urteil sprechen".

Ali B. soll direkt nach seiner Ankunft vernommen werden

Ali B. soll nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gleich nach seiner Rückkehr nach Deutschland vernommen werden. Die erste Vernehmung sei noch für die Nacht geplant, am Sonntag werde er dann dem Haftrichter vorgeführt, erfuhr die Nachrichtenagentur. Dann werde ihm der Haftbefehl eröffnet. Zuständig für die Vernehmung ist demnach das Polizeipräsidium Westhessen mit Sitz in Wiesbaden.  

Der Tatverdächtige hatte sich nach der Tat in den Nordirak abgesetzt und war dort in der Nacht zum Freitag von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen worden.

Unterdessen wollten in Susannas Heimatstadt Mainz mehrere Bündnisse und Initiativen gegen Einwanderung oder gegen Rassismus demonstrieren. Die Bürgerrechtsbewegung "Solidarität" meldete für Samstag eine Demo in der Innenstadt an. Unter dem Motto "Stop the Violence - gegen sexualisierte Gewalt und Unterdrückung" plant eine Initiative am Hauptbahnhof eine Kundgebung und einen Zug zum Petersplatz nahe dem Schloss.

Die "Gutmenschliche Aktion Mainz" lädt dort zu einer Trauerkundgebung ein, um sich gegen Rassismus zu wenden. Die AfD-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz will ganz in der Nähe unter dem Motto "Es reicht! Endlich Konsequenzen ziehen!" vor der Staatskanzlei demonstrieren. 

Bereits am Freitagabend versammelten sich Menschen in der Nähe des Fundorts der Leiche zu einem Trauermarsch in Gedenken an Susanna. Zur Teilnehmerzahl machte die Polizei keine Angaben. Der Körper des Mädchens aus Mainz war am Mittwoch bei Wiesbaden gefunden worden.

Der Fall löste auch eine heftige politische Debatte aus. Nach Auffassung der Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Frankfurter Goethe-Universität, Susanne Schröter, sollte sich die deutsche Gesellschaft Konzepte für den Umgang mit patriarchalisch geprägten und aggressiven Männern überlegen. "Das ist jetzt kein Einzelfall mehr", sagte die Ethnologin der Nachrichtenagentur DPA zum Fall Susanna. 

Fall Susanna: "Kein Einzelfall mehr"

Im Islam wie auch in anderen Religionen gebe es patriarchalisch geprägte Normen, die Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimierten, sagte die Forscherin. Im Fall Susanna könne dies der Hintergrund sein: "Dieser junge Mann hatte ganz offensichtlich überhaupt keinen Respekt." Weder vor der deutschen Gesellschaft, noch vor Frauen oder Polizisten, sagte die Forscherin. Es gebe aber in Deutschland auch sehr, sehr viele muslimisch geprägte junge Männer, die Frauen und Werte achteten und selbst gegen patriarchalische Strukturen ankämpften.

Der Fall Susanna wecke Ängste in Teilen der Bevölkerung, die auch durch Fehleinschätzungen entstünden, sagte der Marburger Sozialpsychologe Ulrich Wagner der DPA. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir Wahrnehmungsfehlern unterliegen und zur Überschätzung der tatsächlichen Zustände neigen, wenn es um den Zusammenhang von Kriminalität und bestimmten Gruppen geht." Man könne den Sorgen aber begegnen, sagte der Psychologe. Etwa indem man sich bewusst mache, dass die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst oder das eigene Kind Opfer einer solchen Tat werde, gering sei.

Verbrechen in Wiesbaden: Susanna ist tot - das ist über den Fall (bisher) bekannt
wue / DPA / AFP