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Mordfall Emden Tatverdächtiger war in der Jugendpsychiatrie


Im Emder Mordfall kommen immer neue Details ans Licht. Der Tatverdächtige war in psychiatrischer Behandlung, nachdem er 2010 eine Siebenjährige nackt fotografiert hatte. Nun wird gegen zwei Beamte ermittelt.

Der mutmaßliche Mörder eines elfjährigen Mädchens in Emden war im vergangenen Jahr wegen seiner pädophilen Neigungen fast zwei Monate in der Jugendpsychiatrie untergebracht. "Er wollte gegen diese Krankheit ankämpfen. Teil dieser Therapie war die Selbstanzeige", sagte Landespolizeidirektor Volker Kluwe am Mittwoch in Hannover. Der 18-Jährige hatte sich bereits im November bei der Polizei Emden in Begleitung eines Betreuers selbst als Pädophiler angezeigt.

Neben dem Besitz von Kinderpornografie gab er zu, ein Jahr zuvor Zuhause ein siebenjähriges Mädchen nackt fotografiert zu haben. Dabei habe ihn seine Mutter erwischt. Sie informierte das Jugendamt. Der Jugendliche war nach Kluwes Angaben vom 24. September bis zum 18. November 2011 in der Jugendpsychiatrie Aschendorf behandelt worden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Beamte

Die Staatsanwaltschaft Aurich ermittelt nun gegen zwei Beamte der Polizeiinspektion Aurich. Es bestehe der Anfangsverdacht der Strafvereitelung im Amt, teilte die Ermittlungsbehörde mit. Die Art der Aktenbearbeitung und die exakten Zeitabläufe müssten geklärt werden.

Nach Angaben der "Welt" hat die Polizeidirektion Osnabrück gegen insgesamt sechs Beamte der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Dabei geht es den Angaben zufolge um den Verdacht von Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen. Zu der genauen Zahl der betroffenen Beamten wollte sich eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Innenminister räumt Panne ein

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hat derweil schwere Fehler von Polizisten bei früheren Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Mörder eingeräumt. "Bei sexuellem Missbrauch ist es eigentlich Standard, erkennungsdienstliche Maßnahmen durchzuführen", sagte Schünemann am Mittwoch in Hannover. Von dem 18-Jährigen hätten ein Fingerabdruck und eine Speichelprobe genommen werden müssen. Dann hätte dem jungen Mann möglicherweise auch eine versuchte Vergewaltigung nur einen Tag nach der Selbstanzeige nachgewiesen werden können.

Schünemann kündigte eine lückenlose Aufklärung der Ermittlungspannen an. So ist bisher ebenfalls unklar, warum ein richterlicher Durchsuchungsbeschluss der Wohnung des 18-Jährigen vom 30. Dezember nicht umgesetzt wurde.

Taucher suchen nach der Tatwaffe

Unterdessen hat die Polizei mit einer groß angelegten Aktion die Suche nach der Tatwaffe gestartet. In Kanälen an den Wallanlagen der ostfriesischen Stadt wurden zwei Taucher eingesetzt. Die Suche nach der Tatwaffe konzentrierte sich auf einen Weg, auf dem sich das Mädchen vor dem Verbrechen im nahe gelegenen Parkhaus aufgehalten haben könnte. "Sie verfolgen Spuren, nachdem ein Suchhund diesen Weg gegangen ist", sagte Martin Lammers, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes.

Die Kritik wegen der Panne bei früheren Ermittlungen gegen den 18-Jährigen hält derweil an. Arbeitsverdichtung rechtfertige "natürlich auf keinen Fall irgendwelche Dinge, die dort in Emden geschehen sind", sagte der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Bernhard Witthaut, im Fernsehsender N24. Der Direktor der Kriminologischen Zentralstelle in Wiesbaden, Rudolf Egg, sagte, dass die Polizei den mutmaßlichen späteren Mörder der Elfjährigen nicht aus dem Blick hätte verlieren dürfen. "Im Interesse des Opferschutzes kann man so jemanden nicht einfach wieder gehen lassen", sagte Egg in den ARD-"Tagesthemen".

Der Mann hat die Tötung des Mädchens zugegeben. Die Elfjährige war am 24. März umgebracht worden, vermutlich zur Verdeckung eines vorangegangenen Sexualverbrechens. Zwischenzeitlich saß ein inzwischen 18-Jähriger in Untersuchungshaft, der aber nichts mit dem Verbrechen zu tun hat.

mlr/DPA DPA

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