HOME

Mordfall Ingrid Visser: Ein Volleyballstar und die Auftragskiller

Der Tod der niederländischen Volleyball-Legende Ingrid Visser und ihres Lebensgefährten wird immer dubioser. Inzwischen geht die Polizei von einem Auftragsmord aus. Doch wo liegt das Motiv?

Von Volker Königkrämer

Der Mord an der niederländischen Volleyball-Legende Ingrid Visser schockiert die Sportwelt. Inzwischen steht fest: Visser und ihr Lebensgefährte Lodewijk Svererin sind in Spanien einem brutalen Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Die Leichen der beiden seit zwei Wochen Vermissten waren in der Nacht zum Montag im Dorf Alquerías in der Nähe von Murcia gefunden worden. Die Polizei hat drei Verdächtige festgenommen - einen 36 Jahre alten Spanier sowie zwei Rumänen im Alter von 47 und 60 Jahren.

Noch immer liegen die Hintergründe des brutalen Verbrechens im Dunkeln. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass geschäftliche Streitigkeiten das Motiv gewesen sein könnten. Inzwischen spricht die Polizei offen davon, dass es sich bei den festgenommenen Rumänen um Auftragskiller handelt, die dazu angeheuert worden waren, das Paar umzubringen. Man konzentriere sich nun darauf, den Auftraggeber zu identifizieren, teilte der Präfekt der Region Murcia im Südosten des Landes, Joaquín Bascuñana, mit.

Festgenommener Spanier ein ehemaliger Sportfunktionär

Bei dem festgenommenen Spanier handelt es sich um Juan Cuenca, der früher Geschäftsführer des Volleyball-Vereins CAV Murcia gewesen ist, für den Visser von 2009 bis 2011 gespielt hatte. Laut der spanischen Zeitung "El Pais" war er bei dem Club für die Finanzen zuständig und soll den Verein 2011 in die Pleite geführt haben.

Aber wie passen Visser und ihr Lebensgefährte in das Bild? Soweit die Polizei den Fall bislang rekonstruiert hat, sind die 35-Jährige und ihr 57 Jahre alter Partner am 13. Mai nach Spanien gereist, um einen Termin in einer Befruchtungsklinik wahrzunehmen. Allerdings unterhielt Severein auch Geschäftsbeziehungen in der Region. Das Paar wurde am 14. Mai zum letzten Mal lebend gesehen.

Die verscharrten Leichen wurden auf einer Zitronenplantage in Alquerías, rund zehn Kilometer westlich von Murcia gefunden. Gestorben sind Visser und Severein vermutlich in einem Haus der Gemeinde Molina de Segura. Später sind die leblosen Körper dann zunächst noch in ein anderes Haus gebracht worden, ehe sie auf der Plantage vergraben wurden.

Leichen sollen Folterspuren aufgewiesen haben

Die Medien überschlagen sich mit Spekulationen. Von Drogen und organisierter Kriminalität ist die Rede. Ganz weit vor wagt sich die spanische Regionalzeitung "La Verdad", die unter Berufung auf interne Polizeiquellen sogar von Folter spricht. Severein seien der Kiefer gebrochen und Zähne gezogen worden. Die Leichen seien zerstückelt worden und in Müllsäcken verpackt gewesen. Visser sei enthauptet worden, berichteten mehrere Zeitungen. Die Niederländerin sei im zweiten Monat schwanger gewesen.

Als sicher gilt, dass sich die Volleyballerin und ihr Lebensgefährte am 13. und 14. Mai freiwillig mit den drei Festgenommenen in der Wohnung in Molina de Segura getroffen haben. Worum es bei dem Treffen ging und wie die beiden festgenommen Rumänen ins Spiel kamen, darüber hüllt sich die Polizei bislang in Schweigen.

Viele Fragen, wenig Antworten. Die spanischen Beamten haben über die bisherigen Ermittlungsergebnisse eine Geheimhaltungssperre verhängt, bis mehr Klarheit herrscht. "Wir prüfen alle Kontakte und Beziehungen, die Frau Visser während ihres Aufenthalts in Murcia hatte", so der örtliche Polizeichef Cirilo Durán.

kng/DPA/AFP / DPA