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Mordfall Kardelen: DNA-Spur überführt den Nachbarn

Der Mord an Kardelen aus Paderborn ist aufgeklärt. Staatsanwaltschaft und Polizei sind überzeugt, dass ein Nachbar der Familie des Mädchens der Täter ist. Grund für die Sicherheit der Ermittler: Ein genetischer Fingerabdruck hat den 29-Jährigen überführt. Doch der Mann ist auf der Flucht.

Dreieinhalb Wochen nach der Ermordung der achtjährigen Kardelen aus Paderborn hat die Polizei den Fall nach eigener Überzeugung gelöst. Dank eines genetischen Fingerabdrucks auf der Visitenkarte eines türkischen Juweliers konnte ein Mann aus der Heimatstadt des Opfers als dringend Tatverdächtiger ermittelt werden. Die Karte gehört zum Beweismaterial, das bei einer Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen sichergestellt wurde. Dies teilte Leiter der Mordkommission, Jürgen Heinz, am Mittwoch in Paderborn mit.

Die Ermittler bestätigten Berichte der örtlichen Presse, dass es sich bei dem Mann um den 29-jährigen Ali K., einen Nachbarn der Familie des Mädchens, handelt. Der dringend Tatverdächtige - ein Türke - habe sich abgesetzt. Gegen ihn liege inzwischen ein internationaler Haftbefehl vor. K. hat sich nach Erkenntnissen der Polizei schon vor dem Auffinden der Leiche am 15. Januar ins Ausland - vermutlich in die Nähe des Wohnortes seines Vaters in der Türkei - abgesetzt. Er sei verheiratet und habe keine Kinder, seit 2001 lebt er in Deutschland. Kardelens Familie habe die Nachricht über den Ermittlungserfolg der Polizei erleichtert aufgenommen, hieß es.

Kardelen war am 12. Januar in Paderborn verschwunden. Das Mädchen hatte eine Freundin besuchen wollen, sie aber nicht angetroffen. Danach verlor sich ihre Spur. Großangelegte Suchaktionen der Polizei blieben zunächst erfolglos. Erst drei Tage später wurde die nackte Leiche des Mädchens rund 60 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt am Möhnesee im Kreis Soest in einer Tannenschonung versteckt gefunden.

Sexuell missbraucht und erstickt

Die Obduktion ergab, dass die Achtjährige sexuell missbraucht und anschließend erstickt worden war. Eine 60-köpfige Mordkommission hatte in den vergangenen Wochen fieberhaft nach dem Täter gesucht. Noch am Montag hatte die Polizei berichtet, es gebe vom Täter keine Spur. Insgesamt waren 950 Hinweise eingegangen.

Die Ermordung Kardelens hatte in ganz Deutschland Empörung ausgelöst. In Paderborn beteiligten sich wenige Tage nach der Tat mehrere tausend Teilnehmer an einem Trauerzug durch die Innenstadt. Seine letzte Ruhestätte fand das Mädchen in der Türkei. Bei einer Trauerfeier in den Räumen der islamischen Gemeinde in Paderborn hatten zuvor Freunde und Bekannte von der Achtjährigen Abschied genommen.

Entdeckt worden war die Leiche des Mädchens, weil der Täter nicht weit entfernt vom Versteck der Leiche Kleidungsstücke von Kardelen gut sichtbar am Straßenrand abgelegt hatte. Die Polizei hatte daraufhin die Umgebung des Möhnesees mit Hundertschaften und Spürhunden abgesucht. Bei ihren Ermittlungen überprüfte die Polizei auch mögliche Parallelen zum Fall der im September 2007 aus Hannover verschwundenen Jenisa. Denn auch hier waren vier Tage nach dem verschwinden des Mädchens Kleidungstücke und Schuhe der Achtjährigen gefunden worden. Nach dem DNA-Ergebnis habe Ali K. mit dem Fall aber nichts zu tun, sagte ein Polizeisprecher, eine Verbindung zum Mord an der achtjährigen Michelle gebe es ebenfalls nicht.

AP/DPA / AP / DPA