Mordfall Levke & Felix Bedrückende Stille bei Aussage von Levkes Mutter


Mit der Aussage der Mutter der ermordeten Levke ist der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder Marc Hoffmann fortgesetzt worden. Der Angeklagte hörte mit gesenktem Kopf von dem Leid, das er über die Familie gebracht hat.

"Sie fehlt morgens, sie fehlt mittags, sie fehlt abends", sagte Ulrike Strassheim mit brüchiger Stimme im Saal des Landgerichts Stade. In einer bewegenden Aussage schilderte die Mutter der ermordeten Levke das Leid, das Marc Hoffman, der Mörder ihrer Tochter und des achtjährigen Felix, über sie und ihre Familie gebracht habe. 45 Minuten lang sprach Ulrike Straßheim am zweiten Tag des Prozesses gegen den mutmaßlichen Kindermörder Hoffman darüber, "wie es ist, wenn man ein Kind auf diese Weise verliert". Den Tränen nahe berichtete sie über die Auswirkungen des Verbrechens auf ihre beiden anderen Kinder und auf ihre Ehe: "Das ganze Gleichgewicht der Familie ist vollständig kaputt." Das ging auch den Zuhörern nahe. Im Gerichtssaal herrschte bedrückende Stille.

"Es ist nur ein Gedanke da: Wo ist Levke?"

Angefangen hatte das Leid von Levkes Mutter am 6. Mai vergangenen Jahres. Sie sei nach hause gekommen und Polizisten hätten ihr vom Verschwinden ihrer Tochter erzählten. "Es war einfach nur schrecklich", sagte sie. "Ich kann es nur als Hölle beschreiben." Während der Ungewissheit in den folgenden vier Monaten bis zum Finden der Leiche im Sauerland habe die Familie kein normales Leben mehr führen können. "Es ist nur ein Gedanke da: Wo ist Levke? Was muss sie durchleiden?"

Im Dezember kam dann die Gewissheit. Marc Hoffmann hatte das Mädchen in sein Auto gelockt. Dann war er mit ihm in ein 30 Kilometer entferntes Waldstück gefahren. Er verging sich an dem Kind, tötete es, warf Jacke, Schulranzen und Sporttasche in den Wald und brachte die Leiche in die Gegend, in der er aufwuchs, nach Attendorn in Nordrhein-Westfalen, 400 Kilometer entfernt.

Dass der Täter Levke überhaupt in sein Auto verschleppen konnte, war eine Folge von unglücklichen Umständen. Das Mädchen hatte an diesem Tag seinen Hausschlüssel vergessen und hatte nach dem Schulende vor dem Elternhaus in Cuxhaven-Altenwalde auf den Vater gewartet. Die Mutter, die sonst mittags zu Hause war, arbeitete zu dieser Zeit in Bremen. Ulrike Straßheim berichtete, erst wenige Wochen vor dem Verschwinden ihrer Tochter sei in der Familie darüber gesprochen worden, dass Kinder nicht bei Fremden mitfahren sollten.

Mit der Gewissheit kam die Erleichterung

Als ihr die Polizei Anfang Dezember dann die Festnahme des mutmaßlichen Täters mitgeteilt habe, habe die Familie keine Freude, sondern nur "pure Erleichterung" empfunden. Nun könne der Täter anderen Menschen nicht mehr gefährlich werden, habe sie gedacht. "Levi bringt uns das nicht wieder. Aber andere Kinder werden vielleicht vor ihm bewahrt."

Zum Prozessauftakt hatte der angeklagte 31 Jahre alte Marc Hoffmann gestern die Tötung an Levke und Felix erneut gestanden. Heute verfolgte der zweifache Vater aus Bremerhaven die Ausführungen von Levkes Mutter die meiste Zeit mit gesenktem Kopf. Es habe schon "List und Tücke" dazu gehört, Levke in ein fremdes Auto zu locken, sagte ihre Mutter, die immer wieder stockte und am Ende die Tränen nicht mehr unterdrücken konnte. Ihr sei egal, wie hoch die Strafe gegen ihn ausfallen werde, sagte sie weiter. Die Strafe sei für ihre Familie keine Genugtuung. "Eine gerechte Strafe wird es nicht geben. Denn er lebt weiter und sie hat die Möglichkeit nicht."

Gericht hört erstmals Ermittler

Im Anschluss an die Aussage der 39-Jährigen hörte das Landgericht erstmals auch Ermittler im Mordfall Felix an. Levkes Eltern und die Mutter des toten Felix, Anja Wille, sind Nebenkläger in dem Prozess. Felix Eltern erschienen auch am zweiten Prozesstag nicht im Gericht. Der Junge aus Neu Ebersdorf bei Rotenburg/Wümme war am 30. Oktober spurlos verschwunden. Anfang Januar dieses Jahres gestand Hoffmann, dass er auch Felix getötet und seine Leiche im Fluss Geeste bei Bremerhaven versenkt hatte. Die Ermittler räumten vor Gericht ein, dass sie lange Zeit eine Parallele zwischen den Fällen Levke und Felix ausgeschlossen hatten. "Das war ein Gedankenfehler" gab jetzt der Polizist Helmut Düls zu.

DPA/AP AP DPA

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