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Mordfall Mitja: Mutmaßlicher Mörder gesteht

Kurz nach Prozessbeginn hat der mutmaßliche Mörder des neunjährigen Leipziger Schülers Mitja die Tat gestanden. Sein Anwalt las eine Erklärung vor. Die Anklage wirft dem wegen sexuellen Kindesmissbrauchs vorbestraften Uwe K. vor, den Jungen im Februar dieses Jahres entführt, missbraucht und erstickt zu haben.

Der wegen Mordes an dem neunjährigen Mitja aus Leipzig angeklagte Uwe K. hat zu Beginn des Prozesses erstmals ein Geständnis abgelegt. Sein Verteidiger Malte Heise gab am Dienstag vor dem Landgericht Leipzig eine Erklärung des 43-jährigen wegen Kindesmissbrauchs mehrfach vorbestraften Angeklagten ab.

Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, dass er den Jungen vergewaltigt und getötet habe, seien richtig, sagte er. Der Angeklagte schäme sich sehr über seine Tat und würde diese gerne rückgängig machen. Uwe K. bedauerte, dass er den Angehörigen, vor allem den Eltern, großes Leid zugefügt habe. Er bat sie um Entschuldigung. Der Angeklagte sagte aus, er habe sich am Vormittag des 22. Februar 2007 in der Leipziger Innenstadt aufgehalten. In zwei Gaststätten habe er zehn bis zwölf halbe Liter Bier getrunken.

Selbstmordversuch scheiterte

Auf dem Heimweg ins nördlich von Leipzig gelegene Schkeuditz sei ihm in der Straßenbahn übel geworden. Deshalb sei er an der Haltestelle Stahmeln ausgestiegen. Dort habe ihn dann Mitja angesprochen. Zunächst sei er mit dem Jungen zu sich nach Hause gegangen, nachdem sie in einer Bäckerei noch Kuchen gekauft hätten. Mitja habe im Wohnzimmer ferngesehen, während er in der Küche seiner Wohnung eine dreiviertel Flasche Schnaps und weiteres Bier getrunken habe.

Gegen 19.00 Uhr habe er sich dann im Schlafzimmer an dem Kind vergangen. Der Junge habe geschrien, und er habe ihm mit der linken Hand den Mund zugehalten und ihm mit dem rechten Arm den Hals zugedrückt, bis Mitja leblos zusammensackte. Anschließend sei er in Panik geraten und habe weiter getrunken, erklärte Uwe K. Den toten Jungen habe er in der Nacht auf den 24. Februar in eine Decke eingewickelt und mit einem Handwagen zu seiner Gartenlaube in der Nähe seiner Wohnung gebracht.

Dort habe er die Leiche vergraben wollen, es sei ihm aber die Kraft ausgegangen. Als er in der Nähe Polizisten bemerkt habe, sei er davon überzeugt gewesen, dass diese ihn "zusammentreten" würden, falls sie ihn mit der Leiche entdeckten. Deshalb habe er sich in einer anderen, leer stehenden Gartenlaube verborgen, bis er in der Nacht zum 1. März einen Selbstmordversuch unternahm und vor eine Straßenbahn sprang. Die Polizei war ihm durch Bilder einer Überwachungskamera aus der Straßenbahn auf die Spur gekommen und hatte mit Hubschraubern, Hunde- und Reiterstaffeln nach ihm gesucht.

Anwältin der Eltern äußert Zweifel

Die Rechtsanwältin Ina Tust, die Mitjas Eltern als Nebenkläger vertritt, glaubt der Aussage des Angeklagten nicht, dass der Junge ihn angesprochen habe. In einem Interview des TV-Senders N-TV sagte sie, sie zweifle stark an, dass dies tatsächlich so gewesen sei und der Junge den 43-jährigen "Onkel" genannt habe, wie dieser angegeben hat. Tust hatte vor Prozessbeginn angekündigt, sie werde eine lebenslange Freiheitsstrafe für K. fordern. Zudem wolle sie erreichen, dass die besondere Schwere der Schuld festgestellt und Sicherungsverwahrung angeordnet werde. Die Strafkammer vertagte den Prozess auf Donnerstag. Am 11. September soll das Urteil gesprochen werden.

AP/DPA / AP / DPA