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Mordfall Sandra: Rätselhafter Tod eines Teenagers

Als vor gut einem Jahr die skelettierte Leiche der 15-jährigen Sandra aus Wesselburen entdeckt wurde, geriet der damalige Lebensgefährte ihrer Mutter in Verdacht. Doch die Todesumstände bleiben weiterhin rätselhaft.

Vor einem Jahr verschwand die 15-jährige Sandra aus Wesselburen auf dem Weg nach Hause. Per Handy hatte sie noch am späten Abend ihre Rückkehr angekündigt, doch die Mutter wartete vergeblich auf ihre Tochter. Erst Wochen später wurde die stark verweste Leiche des Mädchens 25 Kilometer entfernt gefunden. Der Tod der 15-Jährigen bleibt auch nach einem Jahr rätselhaft. "Wir haben eine Verdachtsrichtung", sagt Kriposprecher Sönke Büschenfeld, "doch die Ermittlungen sind immer noch nicht abgeschlossen."

Dabei deutete zunächst alles auf eine schnelle Aufklärung hin. Sandra war am 4. August vergangenen Jahres verschwunden. Ihre Leiche wurde am 10. September in der Nähe von Oldenswort (Kreis Nordfriesland) entdeckt. Der Fundort konnte kein Zufall sein. Schließlich hatte Sandra lange Zeit mit ihrer Familie hier gewohnt. Es gab keine Anhaltspunkte, warum sie für einen Selbstmord dorthin zurückkehren sollte. Und auch einen tödlichen Verkehrsunfall mit anschließender Fahrerflucht schlossen die Ermittler aus.

Wasserdichtes Alibi

Schnell hatte die Mordkommission den damaligen Lebensgefährten von Sandras Mutter im Verdacht. Der 42 Jahre alte Berufskraftfahrer hatte nach eigenem Eingeständnis in dem kleinen Einfamilienhaus am Rande von Wesselburen unter den Augen der Mutter ein sexuelles Verhältnis mit dem Kind begonnen. Doch Beweise, dass er auch für den Tod des Mädchens verantwortlich ist, suchten die Beamten bislang vergebens. Denn der Kinderschänder - das Landgericht Itzehoe verurteilte ihn im Februar dieses Jahres zu 2 Jahren und 9 Monaten Haft - hat ein offensichtlich wasserdichtes Alibi. Sandras Mutter sagte, dass der Geliebte ihrer Tochter zur Tatzeit bei ihr gewesen sei.

So bleiben die letzten Stunden im Leben der 15-jährigen Sandra auch nach einem Jahr weiterhin mysteriös. Rechtsmediziner konnten bislang nicht klären, wie und wann das Mädchen starb: Die Leiche war zu stark skelettiert. Doch der Täter solle sich keine Hoffnungen machen, warnt Büschenfeld: "Ein Mord verjährt nicht."

Wolfgang Runge/DPA / DPA
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