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Mordfall Trayvon Martin Jury unterbricht Urteilsfindung


Der Fall trifft die USA an einer empfindlichen Stelle: Die Jury im Mordfall des schwarzen Teenagers Trayvon Martin hat die Urteilsfindung vorerst abgebrochen.

Im US-Prozess um den Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin haben sich die Geschworenen in Florida am Freitag zu Beratungen über das Urteil zurückgezogen. Kurz darauf wurden die Beratungen wieder vertagt. Die sechs Frauen, darunter fünf Weiße, baten das Gericht zunächst um eine Liste der vorliegenden Beweise und wollten ihre Sitzung am Samstag fortsetzen. Sie müssen einstimmig über Schuld und Unschuld des angeklagten Nachbarschaftswächters George Zimmerman entscheiden. Richterin Debra Nelson wies zum Abschluss nochmals darauf hin, dass die Beweislast aufseiten der Anklage und nicht bei Zimmerman liege.

Zuvor hatten die Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Schlussplädoyers gehalten. Im Schlussplädoyer sagte der Staatsanwalt Bernie de la Rionda, Zimmerman sei ein "Möchtegern-Cop" und habe in dem 17-Jährigen einen Kriminellen gesehen. "Ein Jugendlicher ist tot, weil ein Mann von einer bestimmten Annahme ausgegangen ist," sagte der Ankläger. Der Verteidiger Mark O'Mara entgegnete, Zimmerman habe aus Notwehr geschossen und sei freizusprechen.

Anklage und Verteidigung hatten hunderte Kandidaten unter die Lupe genommen, um eine unvoreingenommene Jury zusammenzustellen. Bei einem Schuldspruch droht dem 29 Jahre alten Zimmerman eine langjährige Gefängnisstrafe. Zuletzt befand er sich gegen eine Kaution von einer Million Dollar auf freiem Fuß.

Zimmerman hatte Trayvon Martin am Abend des 26. Februar 2012 auf einem Patrouillengang in Sanford erschossen, nachdem es in der nahe Orlando gelegenen Gemeinde eine Reihe von Einbrüchen gegeben hatte. Der unbewaffnete Jugendliche befand sich auf dem Weg von einem kleinen Einkauf nach Hause. Zimmerman beteuert, dass Martin ihn zuerst attackiert habe. Nach dem Fall wurde in den USA eine teils heftige Debatte über Rassismus geführt. Mehrere TV-Sender übertrugen die Verhandlung live, täglich wurden mehr als eine Million Kurznachrichten zu dem Thema über den Onlinedienst Twitter verschickt.

ono/AFP/DPA DPA

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