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Mordprozess "Die Leiche war bereits zerteilt"


Nach dem Fund von Leichenteilen in Hamburg-Harburg im vergangenen Sommer steht nun ein Tatverdächtiger vor Gericht. Es ist der Mitbewohner des Opfers. Im Prozess präsentierte der Angeklagte seine Version der Tat.

Der Angeklagte soll seinen Mitbewohner erschlagen, zerstückelt und in Plastiktüten verpackt an Bahnhöfen entsorgt haben. Davon ist die Staatsanwaltschaft Stade überzeugt, sie wirft dem 54-Jährigen Totschlag vor. Dieser bestreitet die Tat. Er habe seinen 50 Jahre alten Mitbewohner in der Nacht zum 21. Mai in der gemeinsamen Wohnung im niedersächsischen Buchholz nicht getötet, ließ der Türke beim Prozessauftakt vor dem Landgericht schriftlich über seinen Verteidiger erklären.

Ein unbekannter Mann und eine Frau seien die Täter. Als er nach Hause gekommen sei, hätten die beiden mit Messern in der Hand in der Wohnung gestanden. "Die Leiche war bereits zerteilt und in Tüten verpackt", las der Anwalt vor. Sein Mandant habe dann mithelfen müssen, die Körperteile zu beseitigen. Die Beutel mit dem grausigen Inhalt waren Anfang Juni an den Bahnhöfen Harburg und Buchholz in der Nordheide entdeckt worden.

Der Angeklagte vermutet eine Beziehungstat: "Ich bin davon überzeugt, dass die Tötung mit Frauengeschichten zusammenhängt." Sein 50-jähriger Landsmann habe mit vielen Frauen gleichzeitig über das Internet Kontakt gehabt, sich mit ihnen getroffen und mehreren die Ehe versprochen. Nähere Angaben zu den angeblichen Tätern machte der 54-Jährige nicht und wollte auch keine Fragen der Kammer beantworten. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete seine Einlassung als "abstrus und abwegig".

"Ich wollte nicht mehr leben"

Der Angeklagte gab an, er habe unter Schock gestanden und große Angst vor den Tätern gehabt. Deshalb habe er die Polizei nicht alarmiert und sich seltsam verhalten.

Am Morgen des Tages, an dem ein Fußgänger Leichenteile am Harburger Bahnhof entdeckte, wurde der Angeklagte nur einige hundert Meter entfernt mit Stichverletzungen am Hals gefunden. "Ich habe das selbst gemacht, ich wollte nicht mehr leben", ließ der 54-Jährige dazu erklären. Der grauhaarige schlanke Mann war im dunklen Trainingsanzug vor Gericht erschienen.

Es habe nie Probleme gegeben

Er und das Opfer kannten sich seit längerer Zeit und teilten sich die Wohnung. Nach Auffassung der Anklage war ein Streit um Geld Auslöser der Tat. Das bestritt der 54-Jährige vehement: Es habe nie Probleme gegeben, betonte er.

Der Sohn des Getöteten erzählte als Zeuge, der Angeklagte habe seinem Vater in den Monaten vor dem Verbrechen Geld gestohlen. Der 22-Jährige ist in dem Prozess Nebenkläger.

Ursprünglich hatte die Kammer zunächst nur Termine bis Ende Januar anberaumt. Der Vorsitzende Richter erklärte nun nach der Aussage des Angeklagten, der Prozess werde wahrscheinlich viel länger dauern. Denn das Gericht wolle die Frauen aus der Türkei, mit denen das Opfer Kontakt hatte, persönlich im Gerichtssaal hören.

tkr/DPA DPA

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