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Mordprozess gegen Sprinstar Pistorius Gerichtstermin an Steenkamps 30. Geburtstag


Vor fast genau sechs Monaten starb Reeva Steenkamp im Kugelhagel. Jetzt hat Paralympics-Star Oscar Pistorius seinen nächsten Gerichtstermin. Monatelang waren Experten am Tatort im Einsatz.

Für die Familie Steenkamp wird der 19. August ein schwerer Tag. Tochter Reeva wäre am Montag 30 Jahre alt geworden. Aber sie ist tot - erschossen von ihrem Freund, dem weltberühmten südafrikanischen Prothesen-Sprinter Oscar Pistorius. Das war vor einem halben Jahr. Ausgerechnet an Reevas Geburtstag steht nun für den 26-jährigen Sportler der nächste Gerichtstermin an.

Die Staatsanwaltschaft, die Pistorius vorsätzlichen Mord vorwirft, will dabei die Anklageschrift formell an den Richter und die Verteidigung übergeben. Zudem wird voraussichtlich der Termin für den Beginn des Verfahrens festgelegt. Wahrscheinlich soll es in den ersten Monaten 2014 eröffnet werden. Beobachter sprechen schon von einem Sensationsprozess. Der beinamputierte Pistorius beteuert weiter, er habe das Model versehentlich erschossen, weil er Einbrecher im Haus vermutete. Indizien müssen für Klarheit sorgen.

Was geschah in Pistorius Haus?

Vor allem geht es nun darum, was die Ermittlungen der Polizei am Tatort ergeben haben. Dazu gehören auch ballistische Untersuchungen, mit denen rekonstruiert werden soll, was sich am Valentinstag in Pistorius' Haus abgespielt hat.

Der Olympionike sagt, er habe auf seinen Beinstümpfen gestanden, als er durch die geschlossene Badezimmertür feuerte. Die Anklage ist überzeugt, dass das nicht stimmt - und wenn Pistorius sich mitten in der Nacht zunächst die Prothesen angelegt hat, bevor er vier Mal schoss, könnte dies beweisen, dass er die Tat vorsätzlich verübte. Kriminalexperten sollten deshalb vor allem den Einschusswinkel überprüfen, um festzustellen, aus welcher Höhe geschossen wurde.

Zudem ist ein Smartphone Teil der Ermittlungen. Pistorius soll damit in der verhängnisvollen Nacht Anrufe getätigt haben - kann sich aber nach eigenen Angaben nicht an sein Passwort erinnern. Deshalb wurden sowohl der Hersteller als auch Interpol zu Hilfe gerufen. Sie sollten das Mobiltelefon entsperren.

Steenkamps Familie will Unterhalt einklagen

Die rechtlichen Probleme des Sportlers hören aber nicht bei den Mordvorwürfen auf. Die Steenkamps wollen Medienberichten zufolge auch auf finanzielle Entschädigung klagen. Reevas Eltern sagen, sie seien finanziell von den Einkünften der Tochter abhängig gewesen. Da das Geld nun wegfalle, müsse Oscar Pistorius dafür aufkommen. Beobachter sprechen von einem "Krieg zwischen den beiden Familien".

Zudem könnte die Staatsanwaltschaft bisher unbestätigten Berichten zufolge zwei weitere Anklagepunkte einbringen. Dabei geht es offenbar um den "rücksichtslosen Gebrauch einer Schusswaffe an öffentlichen Orten".

So soll der Waffenfan Pistorius einmal durch das Sonnendach des Wagens gefeuert haben, als er mit seiner Ex-Freundin Samantha Taylor unterwegs war. Ein anderes Mal löste sich ein Schuss, als der Sportler in einem Restaurant mit der Waffe eines Bekannten spielte, berichtete die Zeitung "City Press". Taylor, die als Zeugin der Anklage auftreten wird, sagte dem Blatt: "Oscar ist ganz anders, als die Leute denken."

Kajakfahrt als Medienereignis

Eins ist sicher: Selten hat ein Kriminalfall im Land so viel öffentliches Interesse geweckt. Jede Neuigkeit, jede Bewegung des "Blade Runners" und jedes Wort seiner Familie werden von den Medien minutiös verfolgt und haarklein analysiert. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte die Zeitung "Beeld" Fotos, die Pistorius in der Provinz Westkap beim Kajak-Fahren mit einem Freund zeigen.

Onkel Arnold Pistorius sah sich sogleich gezwungen, den Neffen zu verteidigen. "Oscar brauchte eine Pause und musste aus dem Gefängnis raus, in dem er lebt", erklärte er. Seit ein Gericht den Sportler im Februar auf Kaution in die Freiheit entlassen hatte, lebt er im Haus des Onkels in Pretoria. "Meines Wissens nach ist es das erste Mal, dass er die Gegend verlassen hat", betonte Arnold Pistorius und fügte hinzu, rechtzeitig zum Gerichtstermin werde Oscar aber natürlich wieder in Pretoria sein.

Carola Frentzen/DPA DPA

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