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Mordprozess in Italien: Amanda Knox geschockt über Verurteilung

Der Schuldspruch für den Mord an Meredith Kercher ist ein Schock für Amanda Knox und Raffaele Sollecito. Mit einer erneuten Berufung wollen sie einen endgültigen Freispruch erreichen.

Amanda Knox war 2009 in einem Indizienprozess zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, vier Jahre später aber freigesprochen worden. Nun hat ein Gericht in Florenz erneut einen Schuldspruch gefällt.

Amanda Knox war 2009 in einem Indizienprozess zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, vier Jahre später aber freigesprochen worden. Nun hat ein Gericht in Florenz erneut einen Schuldspruch gefällt.

Die US-Amerikanerin Amanda Knox und ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito haben geschockt auf ihre erneute Verurteilung für den Mord an der Britin Meredith Kercher reagiert. "Ich bin erschreckt und traurig über dieses ungerechte Urteil", erklärte die 26 Jahre alte Knox in einem ersten Statement nach dem Schuldspruch am späten Donnerstagabend. Der drei Jahre ältere Italiener Sollecito nahm die Entscheidung nach Angaben seiner Anwälte bestürzt und ungläubig auf. Das Berufungsgericht in Florenz hatte Knox zu 28 Jahren und sechs Monaten sowie Sollecito zu 25 Jahren Haft verurteilt.

"Ich bin erschrocken und traurig"

"Ich bin erschrocken und traurig über dieses ungerechte Urteil", erklärte Knox nach dem Richterspruch von Florenz. "Das ist aus dem Ruder gelaufen", heißt es in der Stellungnahme, die die Knox vertretende PR-Firma in Seattle (US-Bundesstaat Washington) veröffentlichte. Die Justiz sei durch eine "übereifrige und unnachgiebige Staatsanwaltschaft" pervertiert worden, Vorurteile hätten die Ermittlungen geprägt.

Die Anwälte der beiden Angeklagten kündigten umgehend an, gegen das Urteil in zweiter Instanz erneut Berufung einlegen zu wollen. "Es ist ein schmerzvoller Abschnitt, aber es war nur ein Abschnitt, das Ping Pong wird weitergehen. Wir werden definitiv Berufung einlegen", sagte Sollecitos Anwältin Giulia Bongiorno. Knox' Verteidiger Luciano Ghirga erklärte: "Wir haben unseren Mut nicht verloren, wir werden dieses Urteil respektieren, Berufung einlegen und weiter machen."

Urteil ist immer noch nicht rechtskräftig

Damit ist das vierte Urteil für Knox und Sollecito noch immer nicht rechtskräftig. Zunächst muss Italiens höchstes Gericht, der Kassationsgerichtshof in Rom, entweder den Schuldspruch bestätigen oder aber den Fall wieder an die untere Instanz zurück verweisen. Bis zu einem endgültigen Urteil könnten so erneut Monate vergehen.

"Diese harte Strafe ist kein Trost für die Familie Kercher", sagte Knox nach dem Urteil. "Ich hätte mehr von der italienischen Justiz erwartet." Knox war 2011 nach vier Jahren im Gefängnis in ihre Heimat USA zurückgekehrt. Damit die Strafe gegen sie durchgesetzt werden kann, müsste die Amerikanerin nach Italien ausgeliefert werden. Doch selbst wenn Italien dies nach einem rechtskräftigen Urteil beantragen würde, halten Experten das für unwahrscheinlich. Anders ist die Situation für Sollecito. Das Gericht ordnete ein Ausreiseverbot an, sein Pass soll wegen Fluchtgefahr eingezogen werden.

Tathergang bleibt im Dunkeln

Knox und Sollecito hatten die Tat stets bestritten. Die 21 Jahre alte Kercher war 2007 halbnackt und mit zahlreichen Messerstichen in ihrem WG-Zimmer gefunden worden. Knox und Sollecito waren 2009 in einem Indizienprozess zu langen Haftstrafen verurteilt, vier Jahre später aber freigesprochen worden. Im März 2013 hatte Italiens höchstes Gericht das Urteil gekippt und einen neuen Prozess angeordnet.

Für die Tat endgültig verurteilt wurde bislang nur der Ivorer Rudy Guede, der wegen Beihilfe zum Mord 16 Jahre Haft bekam. Die Richter hatten in ihrem Urteil für Guede jedoch ausdrücklich betont, er könne nicht alleine gehandelt haben.

Kerchers damalige Mitbewohnerin Knox sowie Sollecito waren von Beginn an die Hauptverdächtigen in dem Fall. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ermordete das damalige Paar die Studentin gemeinsam mit Guede wegen eines eskalierten Streits um die Sauberkeit im Haus, das Knox und Kercher gemeinsam bewohnten. Sie hätten unter Drogen und Alkoholeinfluss gestanden, argumentierte der Staatsanwalt.

kng/DPA / DPA