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Mordprozess in München: Brunner hätte ohne Herzkrankheit überlebt

Das Gutachten der Rechtsmediziner ist eindeutig: Mit einem gesunden Herzen hätte Dominik Brunner die Tritte auf seinen Kopf und Körper wohl überlebt. Brunners langjähriger Internist hält aber dagegen.

Mit einem gesunden Herzen hätte Dominik Brunner vermutlich die tödliche Auseinandersetzung mit zwei Jugendlichen am Münchner S-Bahnhof Solln überlebt. Davon ist der Sachverständige Wolfgang Keil überzeugt, der das Obduktionsergebnis des Managers am Donnerstag vor dem Landgericht München vorstellte. Die Tritte, die Brunner in der Auseinandersetzung gegen Kopf und Körper erhalten hatte, seien zwar lebensgefährlich gewesen, wie durch ein Wunder habe es durch sie aber keine schweren inneren Kopfverletzungen gegeben.

Nach den Untersuchungen gebe es keinen Zweifel, "dass Herr Brunner in Folge eines Herzstillstandes, der sich über ein Herzkammerflimmern entwickelt hat, bei einer lange Zeit bestehenden Herzerkrankung verstorben ist", sagte der Gutachter. Der Herzstillstand sei aber nur durch den Kampf ausgelöst worden, sagte er. Dabei habe sowohl die körperliche Komponente als auch die psychische Stresssituation eine Rolle gespielt. Brunners Herz sei krankhaft vergrößert gewesen. Die Stresssituation und Belastung haben wohl zusätzliche Schläge ausgelöst. Diese hätten dann das tödliche Herzkammerflimmern verursacht.

"Vom Herzen her war alles in Ordnung"

Eine Kardiologin sagte im Prozess aus, bei der Wiederbelebung Brunners noch am Tatort zeigte der Auswertung zufolge das Endlos-EKG des Defibrillators immer wieder ein Herzkammerflimmern an. Das sei "der EKG-Verlauf eines schwer geschädigten Herzens", sagte die Spezialistin.

Dem gegenüber steht die Aussage von Brunners langjährigen Internisten. "Vom Herzen her war alles in Ordnung bei ihm", erklärte der Arzt Josef Bauer am Dienstag vor Gericht. EKG-Tests in den Jahren 1997, 2002, 2007 und zuletzt im Mai 2009 hätten eine gute körperliche Belastbarkeit und keine Auffälligkeiten gezeigt. Das Herz sei zwar "grenzwertig groß", aber für einen Sportler normal gewesen. Herzklappen und Pumpleistung seien in Ordnung gewesen, sagte der Internist. "Wir haben niemals Medikamente verordnet."

Alkoholisiert aber voll schuldfähig

Die Rechtsmediziner kamen auch zu dem Ergebnis, dass beide Angeklagte zur Tatzeit voll schuldfähig waren. Der Ältere habe zwar einen Alkoholspiegel von maximal 2,09 Promille bei dem Gewaltexzess am Sollner Bahnhof gehabt. Er sei aber wie der vollkommen nüchterne Jüngere "situativ voll orientiert" gewesen. Beide seien "ganz schnell über die Gleise geflüchtet, das ist nicht ganz einfach". Bei ihrer Festnahme nach etwa einer Stunde zeigten sie keine Ausfallerscheinungen.

Die Gutachter fanden zudem bei ihren Untersuchungen an einer Schläfe Brunners die Sohlenabdrücke beider Beschuldigten. Das berichtete eine Expertin für Form- und Werkzeugspuren am Donnerstag vor dem Landgericht. Die Fotos von der Obduktion seien mit den Abdrücken der Schuhe beider Tatverdächtigen verglichen und die Muster der Sohlen an einer Schläfe Brunners gefunden worden. Das Opfer dürfte demnach von beiden Angeklagten ins Gesicht getreten worden sein.

APN/DPA/mre / DPA