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Mordprozess: Knox kritisiert italienische Justiz

Die verurteilte Studentin spricht von einem "Fehlurteil". Vorurteile hätten die Ermittlungen beeinflusst. Ihr Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde nahe der Grenze zu Österreich aufgegriffen.

Amanda Knox - hier im September 2013 - beteuert seit Jahren ihre Unschuld.

Amanda Knox - hier im September 2013 - beteuert seit Jahren ihre Unschuld.

Nach ihrer Verurteilung hat Amanda Knox die italienische Justiz scharf kritisiert. Sie habe "Besseres vom italienischen Justizsystem erwartet", heißt es in eine Erklärung, die die US-Studentin nach dem Urteil veröffentlichte. Eine "übereifrige und sture Staatsanwaltschaft" habe die Justiz pervertiert, die Ermittlungen seien "voreingenommen und engstirnig" gewesen. Trotz fehlender Beweise sei die Anklage nicht bereit gewesen, Fehler zu zuzugeben – stattdessen habe sie sich auf "unzuverlässige Zeugenaussagen und Beweismittel" gestützt. Knox spricht von einem "Fehlurteil", das nicht nur entsetzlich für die Verurteilten sei, sondern auch für "das Opfer, ihre Angehörigen und die Gesellschaft".

Ex-Freund Sollecito auf der Flucht?

Knox‘ ebenfalls verurteilter Ex-Freund Raffaele Sollecito wurde in der vergangenen Nacht derweil von der Polizei in einem Hotel nahe der Grenze zu Österreich aufgegriffen. Sollecito war am Vorabend mit einer Freundin im Ort Venzone bei Udine angekommen, etwa 60 Kilometer von Österreich und 40 Kilometer von Slowenien entfernt. Ob es sich dabei um einen Fluchtversuch handelte, ist noch unklar. Sollecito gab Medienberichten zufolge an, er habe nur einen Abstecher nach Österreich gemacht und sei dann zurückgekehrt.

Die Polizei informierte ihn über das Ausreiseverbot, das das Gericht wegen Fluchtgefahr gegen ihn verhängt hat. Sein Pass sei eingezogen worden. Verhaftet wird der Italiener nicht, weil das Urteil vom Vorabend nicht rechtskräftig ist. Sollecito war wegen des Mordes an der Britin Meredith Kercher zu 25 Jahren Haft verurteilt worden, Knox zu 28 Jahren und sechs Monaten. Die Anwälte der beiden haben angekündigt, in Berufung zu gehen.

"Ich werde für meine Unschuld kämpfen"

Knox war 2011 freigesprochen worden und nach vier Jahren im Gefängnis in ihre Heimat USA zurückgekehrt. Damit die Strafe gegen sie durchgesetzt werden kann, müsste die 26-Jährige nach Italien ausgeliefert werden. Schon vor Verkündung des Urteils hatte sie in einem Interview mit dem Guardian angekündigt, niemals freiwillig zurückzukehren. "Sie werden mich fangen und mich tretend und schreiend in ein Gefängnis zurückzerren müssen, in dem zu sein ich nicht verdient hätte", sagte sie. "Ich werde für meine Unschuld kämpfen."

car/DPA/AFP / DPA