HOME

Mordprozess: Vater erstickt Kinder aus Rache

In Aachen beginnt der Mordprozess gegen einen Vater, der seine Tochter und seinen Sohn getötet hat. Die Kinder mussten sterben, weil der Mann sich an seiner Frau rächen wollte.

Als Strafe für seine Frau hat ein Vater in Alsdorf nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die beiden gemeinsamen Kinder des Paares erstickt.

Der Mann steht in Aachen vor Gericht. Er ist wegen Mordes angeklagt. Seiner Ehefrau, die sich vor eineinhalb Jahren von ihm getrennt hatte, wollte der 35-Jährige mit der Tötung des kleinen Sohnes Niklas und der fünfjährigen Tochter Vivien besonderes Leid zufügen, machte die Staatsanwaltschaft beim Prozessauftakt am Mittwoch in Aachen deutlich. "Der Angeschuldigte hat durch die Taten besonders schwere Schuld auf sich geladen", sagte Staatsanwalt Alexander Geimer.

"Ich habe etwas Furchtbares getan"

Auch nach der Trennung kam es zwischen den Eheleuten oft zu handfesten Streitereien. Anders als der Angeklagte kam seine Frau offenbar gut mit der Trennung zurecht. Dafür habe er sie beneidet und gehasst, sagte Geimer. Aus Wut und Eifersucht habe er immer häufiger darüber nachgedacht, ihre beiden gemeinsamen Kinder umzubringen.

Die Kinder waren an dem Tag bei ihm zu Besuch. Er gab ihnen ein starkes Schlaf- und Beruhigungsmittel. Im Schlafzimmer habe der Vater den Jungen an seine Brust gedrückt und dabei Nase und Mund zugehalten, sagte Geimer. Das Kind bekam keine Luft und strampelte in Todesangst. Der Vater ließ erst ab, als der kleine Körper leblos war.

Der Todeskampf des Mädchens muss den Ermittlungen zufolge mehrere Minuten gedauert haben, obwohl das Kind von den vier Schlaftabletten benommen war. Der Vater habe Vivien mehrere Minuten und "unter erheblicher Kraftanstrengung" gewürgt. Der Vater ging später zur nächsten Polizeiwache und sagte: "Ich habe etwas Furchtbares getan: Ich habe meine Kinder umgebracht."

Schuldfähigkeit bislang unklar

Der beleibte, eher unauffällig wirkende Mann mit dem glatten, dunklen Haar saß in sich zusammengesackt mit gesenktem Blick auf der Anklagebank. Einmal schluchzte er laut auf, als der Staatsanwalt die Tat schilderte. "Die Kinder waren sein Ein und Alles. Er hat getötet, was ihm das Liebste war", sagte Verteidiger Heinrich Sonntag am Rande des ersten Prozesstages, an dem nur die Anklage verlesen wurde. "An der Täterschaft besteht kein Zweifel", sagte er.

Die Schuldfähigkeit des Mannes, der zuletzt als Lastwagenfahrer gearbeitet hatte, gilt als eine der Kernfragen der Verhandlung. Der Angeklagte war vor der Tat in psychiatrischer Behandlung und befindet sich jetzt in der forensischen Psychiatrie. Bei verminderter Schuldfähigkeit beträgt das Strafmaß für Mord drei bis 15 Jahre.

Nächsten Montag soll auch die Mutter von Vivien und Niklas als Zeugin gehört werden. Sie ist Nebenklägerin, wird aber ansonsten nicht im Gerichtssaal sein. Das Urteil wird am 8. Dezember erwartet.

DPA / DPA
Themen in diesem Artikel