Mordversuch-Prozess Schweizer Schläger waren unauffällige Schüler


Einen Gewaltexzess hätte niemand den drei jungen Schweizern zugetraut, doch: Aus reinem Spaß am Prügeln sollen die 16-Jährigen im vergangenen Sommer bei einer Klassenfahrt fünf Passanten in der Münchner Innenstadt brutal zusammengeschlagen haben.

Einen Gewaltexzess hätte niemand den drei jungen Schweizern zugetraut, doch: Aus reinem Spaß am Prügeln sollen die 16-Jährigen im vergangenen Sommer bei einer Klassenfahrt fünf Passanten in der Münchner Innenstadt brutal zusammengeschlagen haben. Mike, Ivan und Benjamin seien zuvor in der Schule nicht besonders aufgefallen, sagte ein Polizeibeamter aus der Schweiz nach Angaben einer Justizsprecherin am Dienstag im nichtöffentlichen Prozess vor dem Landgericht München I. "Abgesehen von jugendtypischem war überhaupt nichts gewesen", sagte die Sprecherin. Der Beamte hatte Mitschüler und Lehrer an der Weiterbildungs- und Berufsfachschule aus Küsnacht am Zürichsee befragt.

Zwei Opfern traten die Jugendlichen laut Ermittlungen mit solcher Wucht gegen den Kopf, dass diese bewusstlos liegenblieben. Die Staatsanwaltschaft geht dabei von Mordversuch aus. Das Verfahren findet zum Schutz der jugendlichen Angeklagten streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit statt. Die Angeklagten verfolgten das Verfahren ruhig und fast "wie auf der Schulbank", sagte die Sprecherin. Mit ihren Eltern können sie in den Pausen sprechen.

Die drei Jugendlichen äußerten sich vor Gericht nicht zu den Vorwürfen. Ivan und Benjamin verweigerten jegliche Aussage. Mike hingegen berichtete über sein bisheriges Leben und wollte ursprünglich auch zur Sache aussagen. Die Verteidigung habe aber kritisiert, dass ein Nebenklage-Vertreter am Montag der Presse wörtlich aus der Vernehmung des Jugendlichen zu seiner Person berichtet hatte. Es sei nicht sichergestellt, dass nicht wieder Aussagen nach außen drängen. "Jedenfalls hat sich der Angeklagte entschieden, nichts mehr zu sagen", fasste die Gerichtssprecherin zusammen.

Am Dienstagvormittag traten neben dem Schweizer Polizeibeamten auch drei deutsche Beamte in den Zeugenstand, die damals an den Ermittlungen beteiligt waren. Vier weitere Beamte müssen noch vernommen werden - das Verfahren habe sich wegen "juristischer Detailansichten" verzögert. Am Nachmittag erst sollten nach dem bisherigen Plan die ersten drei Opfer der insgesamt zehnminütigen Prügelorgie als Zeugen aussagen.

Die Schüler der zehnten Klasse hatten am Abend des 30. Juni 2009 in einem Park in der Münchner Innenstadt gefeiert, Alkohol getrunken und Marihuana geraucht. Noch in dem Park sollen sie drei Mazedonier angegriffen haben, die sie für Obdachlose hielten, unter ihnen ein Körperbehinderter. Wenige Minuten später prügelten sie laut Anklagebehörde einen Geschäftsmann aus dem nordrhein-westfälischen Ratingen und danach einen Studenten nieder. Beide sollen am Mittwoch in den Zeugenstand treten.

Der Versicherungskaufmann nimmt wie der besonders schwer verletzte körperbehinderte Mazedonier als Nebenkläger an dem Verfahren teil. Ob er Schadenersatz fordern will, ließ sein Anwalt bisher offen. Unklar ist auch, ob der Mann bleibende gesundheitliche Schäden davongetragen hat. Näheres darüber könnte die Vernehmung am Mittwoch bringen. Die Ärzte hatten zeitweise befürchtet, er könne auf einem Auge erblinden.

DPA DPA

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