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Morsals Mörder: "Hurensohn" hat ein Nachspiel

Er hat seine Schwester ermordet und möglicherweise eine Frau vergewaltigt, da sind die neuen Ermittlungen gegen Ahmad O. wegen Beleidigung fast schon eine Lappalie. Der "Hurensohn", mit dem er den Staatsanwalt beschimpfte, könnte ihm eine weitere Strafe bescheren.

Der wüste Auftritt vor dem Hamburger Landgericht hat für den Mörder der 16 Jahre alten Deutsch-Afghanin Morsal ein weiteres juristisches Nachspiel. Die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren gegen Ahmad O. wegen Beleidigung eingeleitet, wie Behördensprecher Wilhelm Möllers am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa sagte. "Wir halten es aus Gründen der Achtung vor der Justiz für geboten, die Tat zu verfolgen." Nach dem lebenslangen Urteil am Freitag vor einer Woche hatte Morsals Bruder Staatsanwalt Boris Bochnik unter anderem als "Hurensohn" beschimpft.

Mehr als eine Unhöflichkeit

Die "beleidigenden Äußerungen" von Ahmad O. nach dem Urteil gingen "über eine noch vertretbare bloße Unhöflichkeit oder Taktlosigkeit" hinaus, betonte Möllers. Die Staatsanwaltschaft habe zudem Anhaltspunkte dafür, dass er sich auch gegenüber dem Gericht und Justizwachtmeistern "abfällig verhalten" habe. Die Behörde werde die entsprechenden Akten an Landgericht und Justizverwaltung weiterleiten - diese könnten dann prüfen, ob sie ebenfalls Strafanzeige stellen. Im Vergleich zur lebenslangen Haftstrafe ist die mögliche Folge der Pöbeleien allerdings harmlos: Beleidigung kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft prüft gegen den verurteilten Mörder auch den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs. Er soll im November 2007 gemeinsam mit einem weiteren Verdächtigen eine Frau - sie wurde 1977 in Afghanistan geboren - vergewaltigt haben. Die Behörde hat im April 2008 Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs "widerstandsunfähiger Personen" aufgenommen.

Noch am Tag der Urteilsverkündung wegen Mordes war bei der "Hamburger Morgenpost" eine E-Mail eingegangen, in der stand: "Boris Staatsanwalt wird tot sein, denn wir Afghanen nehmen Rache." Seit Anfang der Woche ermittelt die Staatsanwaltschaft daher wegen Verdachts der Bedrohung gegen unbekannt. Zu Einzelheiten wie etwa möglichen Schutzmaßnahmen gab Sprecher Möllers keine Auskunft.

Das Landgericht hatte den 24-jährigen Ahmad O. wegen heimtückischen Mordes an seiner Schwester Morsal zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Deutsch-Afghane hatte die 16-Jährige im Mai 2008 aus Wut über ihren westlichen Lebensstil auf einen Parkplatz gelockt und nach einem Wortwechsel mit 23 Messerstichen getötet, was als so genannter Ehrenmord bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Nach dem Urteil war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Die Verteidigung hat Revision gegen die Gerichtsentscheidung eingelegt.

DPA / DPA