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Moshammer-Prozess: Von hinten erwürgt

Starke Zweifel an der Tatversion des Angeklagten äußert ein Gutachter im Mordprozess Moshammer. Der Angeklagte bestreitet, hinter dem Opfer gestanden zu sein. Die Obduktion ergab einen anderen Befund.

Der Münchner Modehändler Rudolph Moshammer ist nach Erkenntnissen eines Gerichtsgutachters von hinten mit einem Kabel erwürgt worden. Zu einem größeren Kampf sei es dabei den Spuren zufolge nicht gekommen, berichtete der Rechtsmediziner Prof. Wolfgang Eisenmenger am Freitag vor dem Landgericht München I. Diese Einschätzungen widersprechen den Aussagen des Angeklagten Herisch A. und könnten die Mordanklage der Staatsanwaltschaft stützen. Eisenmenger hatte Moshammer nach dessen gewaltsamem Tod im Januar obduziert.

Die Verletzungen ließen darauf schließen, dass Moshammers Hals wahrscheinlich "von links vorne nach rechts hinten zugedrückt" wurde, erläuterte der Gutachter. Der 25 Jahre alte Angeklagte müsste demnach hinter dem 64-Jährigen gestanden haben. Der Iraker bestreitet dies. Herisch A. hatte zugegeben, den Modehändler am 13. Januar 2005 nachts in seinem Haus getötet zu haben. Voraus gegangen sei ein heftiger Streit um Sex-Dienste für Geld. Dabei haben nach Darstellung des Angeklagten er und Moshammer um ein Verlängerungskabel gerangelt, das dabei zerriss. Sie hätten sich gegenseitig mit den beiden Teilen geschlagen. Einem technischen Gutachten zufolge dürfte die Schnur jedoch beim Drosseln gerissen sein.

"Es muss sehr stark zugezogen worden sein"

Moshammer wurde am Morgen des 14. Januar tot in seinem Haus gefunden. Das längere Ende des Kabels war vier Mal um seinen Hals geschlungen. "Es muss sehr stark zugezogen worden sein", sagte der Gutachter. Spuren des geschilderten Kampfes fand Eisenmenger weder bei dem mutmaßlichen Täter und noch beim Opfer. Bei heftigen Schlägen mit dem Kabel wären Doppel-Striemen auf der Haut zu erwarten gewesen. An dem Kabel hat der Rechtsmediziner DNA-Spuren des Angeklagten gefunden. Dieser hat seinen genetischen Fingerabdruck auch an dem Opfer hinterlassen.

Der 1,76 Meter große und 119 Kilo schwere Moshammer hatte ein zu großes und zu schweres Herz mit Hinweisen auf "allerkleinste Herzinfarkte". Eisenmenger stellte auch Arteriosklerose und eine verfettete Leber fest. Der Modehändler trug seine typische schwarze Perücke am Kopf festgeklebt, was zu Veränderungen der Kopfhaut geführt habe.

Der Prozess wird am Montag mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Danach hat der Psychiater Prof. Henning Saß aus Aachen das Wort.

DPA / DPA