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Motassadeq-Prozess: Entlastung nimmt zu

"Wenn Sie mich fragen, ob Motassadeq genau wie Atta war, dann sage ich Nein." Mit dieser klaren Aussage hat am vierten Verhandlungstag ein 30-jähriger Sudanese den Marokkaner entlastet.

Am vierten Verhandlungstag im Terror-Prozess gegen Mounir Motassadeq wurde der angeklagte Marokkaner erneut entlastet. Ein 30-jähriger Sudanese, er hatte schon während des ersten Verfahrens zugunsten des Angeklagten ausgesagt, hat seine Aussagen im Großen und Ganzen wiederholt: "Ich glaube, dass Mounir nichts mit dem World Trade Center zu tun hatte", sagte der Sudanese am Mittwoch vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Er habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass Motassadeq zu solch einer Tat fähig wäre. Während seiner Bekanntschaft in den späten neunziger Jahren will der 30-Jährige keinerlei erkennbare Hinwendung zum moslemischen Extremismus beobachtet.

"Eine starke Veränderung ins Fanatische habe ich nicht bei Mounir nicht festgestellt", so der Sudanese, weshalb es ihn auch überrascht habe, als er von Motassadeqs Aufenthalt in einem Ausbildungslager der Al-Kaida-Organisation des Moslem-Extremisten Osama bin Laden in Afghanistan erfahren habe. Zurück nehmen wollte der Sohn eines sudanesischen Diplomaten allerdings eine in früheren Vernehmungen gemachte Aussage, in der er Motassadeqs religiöse Einstellung als "krass" bezeichnet hatte.

Wegen Spannungen mit Mohammes Atta nach Berlin gezogen

Der Sudanese hatte Motassadeq nach eigenen Angaben 1997 bei der Wohnungssuche im Studentenwerk in Hamburg kennen gelernt und war seitdem mit ihm befreundet. 1998 verließ er Hamburg und zog nach nach Berlin, weil es zu Spannungen mit dem späteren Selbstmordpiloten Mohammed Atta gekommen sei. Mit dessen aggressiver Religiosität sei er nicht zurecht gekommen, sagte der Sudanese. In der Gruppe moslemischer Studenten in der Harburger Marienstraße habe Atta das Sagen gehabt.

Motassadeq habe Attas kritische Haltung gegenüber den USA und Israel zwar geteilt und man habe auch gemeinsam Propagandavideos aus dem Bosnienkrieg angeschaut, Motassadeq habe aber keine radikalen politischen Positionen vertreten, sondern sich in Diskussionen zurückgehalten. "Wenn Sie mich fragen, ob Motassadeq genau wie Atta war, dann sage ich Nein."

Am Vortag hatte ein zum Islam konvertierter 23-jähriger Deutscher ausgesagt, dass Motassadeq zum engen Kreis um Atta gehört und dessen radikale Ansichten geteilt habe. Motassadeq wird im Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer Terror-Gruppe vorgeworfen. Der 30-jährige Marokkaner soll als Vertrauter Attas in die Anschlagsplanung eingebunden gewesen sein. Das Hanseatische Oberlandesgericht hatte ihn in einem ersten Prozess im Februar 2003 zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil später wieder auf.

DPA/Reuters / DPA / Reuters