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Motassadeq-Prozess: Per Gehirnwäsche zum Bin-Laden-Bekenner

Verkleidet mit Perücke und Hornbrille hat sich der Terror-Kronzeuge Shadi Abdallah in Hamburg zum Fall Mounir al Motassadeq geäußert. Und im Gegensatz zu anderen Zeugen den Angeklagten belastet.

Der als Helfer der Attentäter vom 11. September 2001 angeklagte Mounir al Motassadeq hat sich nach Angaben eines Zeugen im Sommer 2000 in einem al-Kaida-Ausbildungslager in Afghanistan aufgehalten. Auch Extremistenchef Osama bin Laden und der in einem früheren Hamburger Prozess freigesprochene Abdelghani Mzoudi seien zu gleicher Zeit dort gewesen.

Motassadeq war im vergangenen Jahr als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen vom September 2001 zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber später mit der Begründung auf, dass möglicherweise entlastende Zeugenaussagen nicht berücksichtigt worden seien.

Zusammen mit Mzoudi und Ramzi gesehen

"Ich habe ihn mit Mzoudi und (dem mittlerweile in US-Gewahrsam befindlichen Ramzi) Binalshibh gesehen", sagte der 28 Jahre alte Jordanier Shadi Abdallah am Dienstag vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg. Abdallah hatte nach eigenen Angaben in Afghanistan zunächst als Leibwächter Bin Ladens gearbeitet und sich später ebenfalls in den Lagern von al Kaida ausbilden lassen. Im Düsseldorfer Prozess gegen mehrere Mitglieder der eng mit al Kaida zusammenarbeitenden islamistischen al-Tawhid-Gruppe war der Jordanier Anfang des Jahres als Kronzeuge aufgetreten. Nach einer Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sitzt er derzeit eine Haftstrafe ab und ist im Zeugenschutzprogramm. Im Hamburger Prozess sagte er verkleidet mit Perücke und großer Hornbrille aus.

Nach einer militärischen Grundausbildung hätten Freiwillige in den afghanischen al-Kaida-Lagern den Umgang mit Sprengstoffen und Giften, Guerilla-Taktiken, die Abwehr von Luftangriffen sowie religiöse Inhalte erlernt, sagte Abdallah. "Während der Ausbildung wurde eine Art Gehirnwäsche gemacht, um die Teilnehmer später zu bin-Laden-Bekennern werden zu lassen." Bin Laden habe in Afghanistan über Selbstmordattentate und nach den Worten von Lagerkameraden auch über einen "Anschlag auf das Rückgrat Amerikas" gesprochen, bestätigte der Jordanier frühere Aussagen. Als er Motassadeq in dem Lager getroffen habe, hätten sich insgesamt etwa 40 Menschen dort aufgehalten.

In den Lagern in Afghanistan seien Araber aus Deutschland und ganz Europa gewesen. Wer einen Treue-Schwur auf bin Laden abgelegt habe, habe an besonderen Lehrgängen teilnehmen dürfen. Dies habe er jedoch nie getan, sagte Abdallah. Er hielt sich nach eigenen Worten von Anfang 2000 bis Frühjahr 2001 in Afghanistan auf.

Mittwoch soll bin Ladens Stellvertreter aussagen

Am Mittwoch soll im Motassadeq-Prozess nach Gerichtsangaben der syrisch-stämmige Geschäftsmann Mamoun Darkanzanli aussagen, der Mitte Oktober in Hamburg verhaftet worden war. Er soll nach Spanien ausgeliefert werden, das mit internationalem Haftbefehl nach ihm gefahndet hatte. Spanien beschuldigt Darkanzanli, al Kaida seit 1997 in Deutschland, Spanien und Großbritannien in Logistik- und Finanzfragen unterstützt zu haben. Unter anderem soll er ein Schiff für bin Laden gekauft haben. Außerdem soll Darkanzanli Statthalter Bin Ladens in Deutschland gewesen sein, wo mehrere Staatsanwaltschaften gegen ihn ermittelt hatten.

Reuters / Reuters