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Amoklauf von Ansbach: Mutige Mechaniker überwältigen "wirren" Täter

Ein Mann fährt durch ein Dorf in Mittelfranken und erschießt wahllos zwei Menschen. Er versucht zu fliehen, wird aber von  mutigen Tankstellen-Mitarbeitern überwältigt.

Im Ortsteil Tiefenthal sichert die Polizei Spuren, nachdem eine 82-Jährige vor ihrem Wohnhaus erschossen wurde

Im Ortsteil Tiefenthal nahm die Amokfahrt, bei der zwei Menschen starben, ihren Anfang. Vor ihrem Wohnhaus wurde eine 82-Jährige erschossen. Sie wählte der Täter offenbar genauso zufällig als Opfer aus, wie einen 72 Jahre alten Radfahrer.

Die 5.500-Einwohner-Gemeinde Leutershausen in Mittelfranken wurde Freitagvormittag von einem Amoklauf erschüttert: Um etwa 10 Uhr wird eine 82-Jährige auf dem Gehweg vor ihrem Wohnhaus im Ortsteil Tiefenthal durch Schüsse des mutmaßlichen Täters Bernd G. getötet. Kurze Zeit später feuert der Amokläufer aus seinem Auto Schüsse auf einen 72-Jährigen ab, der gerade per Rad unterwegs ist. Auch das zweite Opfer erliegt noch am Tatort seinen Verletzungen.

Daraufhin flieht der mutmaßliche Täter in einem Mercedes Cabrio, das auf seinen Vater zugelassen ist. Kurze Zeit später schießt er noch auf einen Landwirt, dieser bleibt aber unverletzt. Etwa knapp zwei Stunden nach der ersten Tat bedroht der 47-Jährige die Angestellten auf einer Tankstelle im 30 Kilometer entfernten Bad Windsheim mit seiner Waffe. Als er diese kurz auf dem Tresen ablegt, reagiert die Mitarbeiterin mutig, schnappt sich die Pistole und läuft ins Freie. Der Mann rennt daraufhin aus dem Geschäftsraum, wird von zwei Mechanikern überwältigt und wenig später der Polizei übergeben. Ihnen sei die rasche Festnahme des Mannes zu verdanken, betonte Mittelfrankens Polizeivizepräsident Roman Fertinger bei einer Pressekonferenz.

Täter besaß Waffenschein

Bei seiner Festnahme habe der Mann mit Polizeibeamten gesprochen, auf die er "wirr" gewirkt haben soll. Wegen "psychischer Auffälligkeiten" wird der Tatverdächtige noch am Freitag von einem Sachverständigen untersucht, teilte der leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Neuhof mit. Dieser müsse entscheiden, ob er in die Psychiatrie oder in Untersuchungshaft komme.

Nach aktuellem Ermittlungsstand gibt es keine Hinweise auf eine Beziehung zwischen dem Täter und den Opfern. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagte: "Es ist daher von einem Amoklauf auszugehen." Zum Motiv konnten die Ermittler keine Angaben machen. Auch in den sozialen Medien fand man laut Kripochef Hermann Lennert bislang keine Hinweise auf die Beweggründe des Täters. Er ist nicht polizeibekannt, sein Haus werde zur Stunde untersucht. Die Polizei teilte außerdem mit, dass Bernd G. als Sportschütze im Besitz eines Waffenscheins für einen Revolver und eine Pistole ist. Eine der beiden Waffen war auch im Auto gefunden worden.

"Diese Tat wirft uns komplett aus der Bahn", sagte der Bürgermeister von Leutershausen, Siegfried Heß. Sichtlich schockiert fügte er hinzu, dass das 82 Jahre alte Opfer in diesem Jahr ihr 50. Ehejubiläum gefeiert hätte. 

jho / DPA
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