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Urteil Lebenslange Haft für Dreifachmörder: "Ich kann sagen, dass es mir leid tut"

Ein zerstörtes Auto in einem Feld der Dreifachmörder vor Gericht
Drei Menschen starben in Müllrose und Oegeln (l.), vor Gericht bekam der Täter jetzt eine lebenslange Haftstrafe
© Patrick Pleul / DPA
Seine Großmutter hatte ihn in ihrem Haus in Müllrose aufgenommen. Der Enkel tötet die alte Frau an ihrem Geburtstag und rast mit ihrem Auto davon. Zwei weitere Menschen sterben. Nun gibt es ein Urteil.

Vor knapp einem Jahr wird die beschauliche Kleinstadt Müllrose im Osten Brandenburgs von einem brutalen Mord an einer 79-Jährigen erschüttert, wenige Stunden später und nur zehn Kilometer weiter sterben zwei Polizisten - überfahren von dem flüchtigen Mörder.

Das Landgericht Frankfurt (Oder) verurteilte den 25-Jährigen Täter jetzt zu lebenslanger Haft, vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest. Das Strafmaß entspricht der Forderung der Anklage, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Eigene Oma in Müllrose erstochen

Die Tat am 28. Februar 2017 hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst. Zunächst hatte der Mann laut dem Urteil seine Großmutter an ihrem 79. Geburtstag im gemeinsamen Wohnhaus in Müllrose erstochen. Die Rentnerin starb, nachdem ihr Enkel sie mit Fäusten und einem Küchenstuhl attackiert hatte und mit einem Küchenmesser auf sie einstach. Nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Mann bei der Vernehmung angegeben, dass es vor ihrem Tod einen Streit um Geld gegeben habe. Auch eine vollgestellte Badewanne soll eine Rolle gespielt haben. Die Frau wurde mit einem Messer erstochen.

Die alarmierte Polizei löste eine Großfahndung aus. Die dicken Bäume am Straßenrand am Örtchen Oegeln bilden eigentlich optimale Möglichkeiten, um einen Autofahrer anzuhalten. Zwei Beamte legten ein Nagelbrett quer über die Fahrbahn. Der Angeklagte raste aber mit dem Wagen seiner Großmutter direkt auf die beiden Polizisten im Alter von 49 bis 52 Jahren am Straßenrand zu. Die Beamten waren sofort tot. Sie hinterließen jeweils eine Ehefrau und drei Kinder.

"Mit Skrupellosigkeit gehandelt"

"Der 24-Jährige hat mit seinem Auto voll auf die Polizisten draufgehalten, die sich auf dem Radweg neben der Straße in Sicherheit gebracht hatten", sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. "Das zeigt, mit welcher Skrupellosigkeit und mit welcher Gewalt dort gehandelt wurde."

Doch selbst danach gab der 24-Jährige nicht auf. Er habe noch ein anderes Auto gekapert, und damit seinen eigenen Wagen gerammt, berichtete seinerzeit Anwohner Christian S.: "Ich stand dem Täter Auge in Auge gegenüber und stand dann wie festgewurzelt da. Ich bin froh, dass mir nichts passiert ist." Wenig später war die Flucht vorbei. Festnahme.

In den Tagen danach: Trauer und Entsetzen. Schweigeminuten, schwarzer Flor an Polizeiautos, Fahnen auf Halbmast. "Fassungslos stehen wir vor dieser Gewalttat. Aus einem ganz normalen Dienstag wurde ein Albtraum", sagte Landtagspräsidentin Britta Stark.

Täter war polizeibekannt

Der Täter stand am Tattag den Ermittlungen zufolge unter Drogen. Er hatte im Prozess zugegeben, für den Tod der drei Menschen verantwortlich zu sein. "Ich kann sagen, dass es mir leid tut", sagte zum Auftakt des Verfahrens. In Bezug auf die getöteten Polizisten sagte der junge Deutsche, es tue ihm leid, "dass sie nicht mehr zum Dienst kommen."

Er sei bereits unter anderem wegen Raubes, Körperverletzung, Bedrohung, Fahrens ohne Führerschein und Diebstählen verurteilt worden, sagte der zuständige Oberstaatsanwalt Helmut Lange. Die Polizei kannte ihn auch wegen Drogendelikten. Wegen einer psychischen Erkrankung wurde er nach dem Dreifachmord zunächst in einer entsprechenden Einrichtung untergebracht. Ein Rentner in der Ortschaft Oegeln sagte nach der Tat: "Die Welt ist restlos verrückt geworden."

wue/mit DPA und AFP

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