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Ein Einsatz, zwei Versionen Anti-Terror-Einsatz in München? Nachrichtenportal widerspricht Polizeibericht

Weil ihr eine arabische Gruppe verdächtig vorkommt, alarmiert eine Münchner Hotelangestellte die Polizei. Die Beamten spielen den Einsatz später herunter. Ganz anders ein Nachrichtenportal, das mehr wissen will, als die Behörden bekanntgeben.

Seit den verheerenden Anschlägen von Paris wächst in vielen Ländern die Angst, selbst zum Opfer terroristischer Aktionen zu werden. Auch hierzulande scheint die Bevölkerung - gerade nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und der Niederlande in Hannover - zunehmend verunsichert, wie Fehlalarme an Bahnhöfen oder Flughäfen nahelegen. Auch in München sorgte ein Großeinsatz der Polizei am Donnerstagabend für Wirbel - zumal es am Morgen danach zwei Versionen des Vorfalls gibt. Beiden ist lediglich der Auslöser des Einsatzes gemein.

Hotelkraft will verdächtige Diskussion mitgehört haben

So soll eine Angestellte des Central Hotel-Apart die Beamten informiert haben, weil ihr eine Gruppe arabischer Gäste verdächtig vorkam. Die Polizei rückte daraufhin mit einem Spezialeinsatzkommando an. Während "Focus Online" berichtet, die des Arabischen mächtige Servicekraft habe eine achtköpfige Gruppe, darunter sieben Männer und eine Frau, zuvor "verschwörerisch über eine kurz bevorstehende Aktion" diskutieren hören sowie mehrere deutsche Polizei-Uniformen und Gasflaschen auf dem Zimmer gefunden, weist die Münchener Polizei den Verdacht auf eine geplante Terroraktion zurück. 

"Der Einsatz steht in keinem Zusammenhang mit einem Terroranschlag", betonte ein Sprecher. "Wir haben keinerlei Waffen gefunden." Zwar fand die Polizei tatsächlich eine Butangasflasche in dem Hotelappartement. Diese gehöre jedoch zu einem Campingkocher und sei von den iranischen Asylbewerbern auf ihrer Flucht als Kochgelegenheit benutzt worden.

Unterschiedliche Angaben zur Gruppengröße

Auch bei der Kontrolle der Gruppe, von der zunächst nur ein 30 Jahre alter Iraner und eine 44-jährige Landsfrau angetroffen wurden, sei nichts Verdächtiges aufgefallen, geschweige denn Uniformen gefunden worden. Vielmehr habe sich das Ganze als ein harmloses Zusammentreffen von iranischen Asylbewebern entpuppt, heißt es. Auch sollen es insgesamt nur fünf Mitglieder gewesen sein. Die drei zunächst nicht angetroffenen Iraner wurden später ausfindig gemacht und ebenfalls befragt, so die Polizei.

Laut "Focus Online" sollen entgegen der offiziellen Version hingegen vier Personen der Gruppe, darunter offenbar ein Deutscher mit iranischer Herkunft, nicht angetroffen worden sein. Dem Bericht zufolge soll die Polizei sie per Großfahndung gesucht haben. Demnach waren sie zuvor jeweils im Duo in verschiedenen Fahrzeugen geflüchtet. Im offiziellen Polizeibericht ist von einer Großfahndung jedoch keine Rede. Auch fehlt der Vermerk über eine Festnahme vor dem Hotel, die ein Sprecher "Focus Online" gegenüber bestätigt haben soll. 

Medium bleibt bei seiner Darstellung

Die Nachrichtenseite schließt angesichts ihrer Informationen eine mögliche Verbindung zu den vereitelten Sprengstoffanschlägen in Hannover nicht aus. Dafür spreche, so "Focus Online", "dass der Kopf der verdächtigen Attentäter-Gruppe aus Hannover ein Mann aus dem arabischen Raum mit deutschem Pass sein soll". Auch von einem Mitglied der verdächtigen Gruppe in München sei beim Einchecken ein deutscher Pass vorgelegt worden. 

Welche Version des Vorfalls stimmt, lässt sich kaum überprüfen. Das Medium selbst beharrt auf seiner Version, wie es am Ende seines Berichts ausdrücklich betont.

mod mit DPA

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