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Angst vor Konsequenzen Niqab-Zeugin will den Schleier vor Gericht lüften


Die Weigerung einer Muslimin, vor Gericht ihren Schleier abzunehmen, sorgte deutschlandweit für Schlagzeilen. Nun versprach einem Medienbericht zufolge ihr Anwalt, dass seine Mandantin den Niqab ablegen wird.

Weil ein Mann sie beleidigt haben soll, zog Amira. B. vor Gericht. Doch ein Münchner Amtsgericht sprach den Mann frei - unter anderem auch, weil die Frau sich weigerte ihr Gesicht zu zeigen. Am 17. März wird das Verfahren vor dem Landgericht nun neu aufgerollt. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Freispruch Berufung eingelegt. Doch die Sorge, die Muslimin könnte sich erneut weigern, ihren Niqab abzulegen, war groß. Gegenüber der "Bild"-Zeitung versprach nun aber der Anwalt von Amira B., dass seine Mandantin ihren Schleier vor Gericht lüften wird.

"Sie wird ihr Gesicht am Verhandlungstag zeigen", zitiert das Blatt den Rechtsanwalt Heinrich Karl Haarmann. Seine Mandantin habe eingesehen, dass ihre Weigerung ein Fehler war, sagte der Anwalt dem Bericht zufolge weiter.

Muslim hat Angst vor Zwangsmaßnahmen

Hartmann wurde vom Gericht als Zeugenbeistand für die Muslimin bestellt. Sollte sich Amira B. weigern, am 17. März den Schleier abzulegen, könnte das Gericht mit prozessualen Maßnahmen die Durchführung der Aufforderung durchsetzen. Mit Ordnungsgeld, Zwangsvorführung oder Beugehaft, könnte das Gericht eine Entschleierung erzwingen. Die 43-jährige Muslimin soll in Tränen ausgebrochen sein, als ihr klar geworden sei, dass ihr Verhalten solche Konsequenzen haben könnte, erzählte Hartmann gegenüber der "Bild".

Weil sie sich offenbar vor Zwangsmaßnahmen fürchtet, will die Muslimin bei einer erneuten Vernehmung ihre Verschleierung ablegen.

"Gott wird mir recht geben"

Im vergangenen November hatte sich die Frau, die aus Tunesien kommt, aber in Deutschland aufgewachsen ist, vor einem Münchner Gericht geweigert, ihr Gesicht zu zeigen. "Nein, das mache ich nicht. Wegen meines Glaubens", soll sie dem Richter Thomas Müller damals entgegnetet haben, berichtete die "Bild"-Zeitung am Donnerstag

Bis zum Ende der Verhandlung blieb Amira B. dem Bericht zufolge uneinsichtig. Auch die Erklärung des Richters er habe ansonsten "erhebliche Probleme bei der Bewertung ihrer Aussage", überzeugte sie demnach nicht. "Ich habe einen Gott am Ende der Welt, der mir am Ende recht geben wird", berief sie sich laut der "Bild" auf den Islam. Den Niqab, der den Körper und das Gesicht vollständig bedeckt, behielt die Zeugin an. 

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ivi

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