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Siebenfacher Mordversuch?: Hebamme droht lebenslange Haftstrafe

Die Staatsanwaltschaft möchte sie lebenslang hinter Gittern sehen, ihre Verteidiger fordern Freispruch und Entschädigung für die angeklagte Hebamme. In dem Prozess geht es um die Frage, ob sie versucht hat sieben Frauen unter der Geburt zu töten.

Die wegen siebenfachen Mordversuchs angeklagte Hebamme Regina K. begrüßt vor Prozessbeginn ihren Rechtsanwalt

Die wegen siebenfachen Mordversuchs angeklagte Hebamme Regina K. begrüßt vor Prozessbeginn ihren Rechtsanwalt

Im Münchener Prozess gegen eine Hebamme wegen siebenfachen Mordversuchs an werdenden Müttern hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für die Angeklagte Regina K. gefordert. Darüber hinaus beantragte die Anklage am Montag die Feststellung der besonderen Schuldschwere und ein lebenslanges Berufsverbot für die Frau, wie eine Gerichtssprecherin mitteilte. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hatte K. Frauen vor dem Kaiserschnitt blutverdünnende Mittel verabreicht.

Die Hebamme habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt, begründete die Anklage ihre Strafmaßforderung. Zudem habe sich die Frau der gefährlichen Körperverletzung sowie der schweren beziehungsweise versuchten schweren Körperverletzung schuldig gemacht. Sollte das Münchener Landgericht in seinem für Freitag erwarteten Urteil die besondere Schwere der Schuld feststellen, könnte die Angeklagte nicht nach 15 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen werden.

Verteidiger der Hebamme fordern Freispruch

Die Verteidiger der Hebamme beantragten hingegen Freispruch und eine Entschädigung für ihre Mandantin wegen der erlittenen Untersuchungshaft. Die in der Hauptverhandlung vorgelegten Beweise reichten nicht aus, der Angeklagten auch nur eine der Taten nachzuweisen, hoben die Anwälte den Angaben zufolge hervor. Die Angeklagte sei für die Taten nicht verantwortlich. Auch habe sich im Prozess kein Motiv für die Taten ergeben.

Der Prozess gegen K. hatte im Januar begonnen. Zunächst war die Hebamme in neun Fällen angeklagt worden, zwei wurden wegen zu dünner Beweislage eingestellt. Als Motiv für die Taten, die sie im hessischen Bad Soden und im Münchener Klinikum Großhadern begangen haben soll, hatte die Staatsanwaltschaft bei Verlesung der Anklageschrift ein unterentwickeltes Selbstwertgefühl und Unzufriedenheit im Job genannt. Die betroffenen Frauen überlebten die Komplikationen bei den Geburten, trugen aber laut Nebenklage teils schwere seelische Erkrankungen davon.

fin / AFP