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Amoklauf in München: Ermittler: Vater des Täters hat seinen Sohn auf Video erkannt

Ermittler: Täter hat Opfer nicht gezielt ausgesucht +++ "SZ": Amokläufer von München hat in Winnenden Fotos gemacht +++ Papst Franziskus kondoliert +++ Böhmermann sagt "Fest & Flauschig" ab +++  Alle Neuigkeiten zum Amoklauf im Ticker.

Blumen vor dem OEZ in München

Niedergelegte Blumen vor dem Olympia-Einkaufszentrum in München

+++ 18.52 Uhr: 500 Münchner zum stillen Gedenken am Tatort +++

Nach dem Amoklauf von München haben sich mehr als 1500 Menschen zum stillen Gedenken an die Opfer am Tatort versammelt. Zwischen dem Olympia-Einkaufszentrum und dem McDonald's-Restaurant, wo der Täter am Freitagabend neun Menschen erschossen hatte, legten am Sonntagabend viele Bürger Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Viele weinten oder hielten sich in den Armen, einige beteten. Unter den Trauernden waren viele Familien mit Kindern. Die meisten Opfer waren Jugendliche gewesen. Zu der Mahnwache war über Facebook eingeladen worden.

+++ 14.39 Uhr: Vater des Täters hat seinen Sohn auf Video erkannt +++

Die neuen Informationen der Ermittler im Überblick, wie sie auf der Pressekonferenz in München mitgeteilt wurden:

Der Vater des Täters hat seinen Sohn schon kurz nach der Tat auf einem Video erkannt, das im Internet kursierte. Er sei dann in eine Polizeiinspektion gegangen und äußerte dort den Verdacht, dass es sein Sohn sei.

Die Ermittler wissen noch nicht, warum der Amokläufer diesen Tatort und den Tatzeitpunkt ausgesucht hat.

Fünf Todesopfer wurden vor dem Schnellrestaurant gefunden, zwei davor und eines im Einkaufszentrum. Ein weiteres Todesopfer habe es vor einem Elektrogeschäft gegeben. "Aus Pietätsgründen" sollen zunächst keine Details zu den Schussverletzungen der Todesopfer mitgeteilt werden.

Nach bisherigem Stand gibt es unter den Opfern keine Mitschüler des Täters. Der 18-Jährige war nach Abschluss einer Mittelschule zuletzt auf einer Fachoberschule.

Erst am "Ende seiner Amoktat" sei der Täter auf das Dach des Parkhauses gegangen, auf dem es zu einem Wortwechsel mit einem Anwohner gekommen sei. Danach habe es wohl keine Opfer mehr gegeben.

Die Tat war nicht politisch motiviert. Der Täter habe sich auch nicht gezielt Ausländer als Opfer ausgesucht.

Entgegen erster Angaben hat der Täter keinen bestehenden Facebook-Account gehackt, sondern einen Fake-Account angelegt. Dafür habe er Fotos und andere Daten eines anderen Kontos verwendet. Er hatte den Ermittlungen zufolge keine persönliche Verbindung zu dem Inhaber des Facebook-Kontos, dessen Daten und Fotos er im Mai verwendete, um einen Fake-Account anzulegen.

Der Täter hat am Tatort aus seiner Pistole fast 60 Schüsse abgegeben. 57 Hülsen seien dort entdeckt worden, die "eindeutig" der Tatwaffe zugeordnet werden könnten. Auf der Tatwaffe sei ein Prüfzeichen aus der Slowakei wieder sichtbar gemacht worden. Zum Preis, den der Täter dafür bezahlt hat, konnten die Ermittler noch nichts sagen.

Der Täter sei ein ausgeprägter Ego-Shooter-Spieler gewesen. Er habe ein eigenes schriftliches "Manifest" zu seinen Taten verfasst. Er sei selbst nach Winnenden gefahren, um sich am Ort des Schauplatzes des Amoklaufs umzusehen. Dort habe er auch Fotos gemacht. "Es gibt einen Chatverlauf im Darknet, der darauf schließen lässt, dass er sich diese Waffe im Darknet besorgt hat", sagt LKA-Präsident Robert Heimberger zur Pistole des Täters. Nähere Informationen habe man hierzu noch nicht.

+++ 14.07 Uhr: Täter war in psychiatrischer Behandlung +++

Es habe sich bestätigt, dass der 18-Jährige wegen einer psychiatrischen Erkrankung behandelt wurde, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. In der Wohnung habe man ärztliche Behandlungsunterlagen gefunden, die auf eine Angststörung und Depressionen hindeuteten. Er habe sich sowohl in stationärer und ambulanter Behandlung befunden. Zudem habe man Medikamente gefunden.

+++ 14.05 Uhr: Ermittler: Amokläufer hat Opfer nicht gezielt ausgesucht +++

Der Amokläufer von München hat nach Angaben der Ermittler seine Opfer nicht gezielt ausgesucht. Dies teilt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch von der Staatsanwaltschaft München bei einer Pressekonferenz mit.

+++ 13.05 Uhr: "SZ": Amokläufer von München hat in Winnenden Fotos gemacht +++

Der Amoktäter von München hat sich nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) bei seiner Tat stärker am norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik und dem Amokläufer von Winnenden orientiert als bislang bekannt. Er war nach Informationen des Blattes selbst nach Winnenden gefahren, hatte sich dort umgesehen und Fotos gemacht. Außerdem hatte er demnach das "Manifest" Breiviks auf seinem Rechner. Am Freitag, dem Tag des Münchner Amoklaufs mit zehn Toten, hatte sich die norwegische Bluttat zum fünften Mal gejährt.

Bei der Tatwaffe vom Typ Glock 17 und einem Kaliber von neun Millimetern, mit der der 18-jährige Münchner Einzeltäter am Freitagabend neun Menschen und dann sich selbst erschoss, handelt es sich dem Bericht zufolge um eine Theaterwaffe, die zunächst unscharf und später wieder gebrauchsfähig gemacht wurde. Die Waffe trage ein Prüfzeichen aus der Slowakei, der Täter habe sie sich aus dem Darknet beschafft, wo sich Internetnutzer fast unerkannt bewegen können. Die "SZ" berief sich dabei auf Informationen aus Ermittlerkreisen.  


+++ 11.32 Uhr: Papst drückt sein Mitgefühl aus +++

Mit Bestürzung reagiert Papst Franziskus auf den Amoklauf von München. In einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm an den Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx drückt das Oberhaupt der katholischen Kirche sein tiefes Mitgefühl aus. Gleichzeitig dankt er den Rettungs- und Ordnungskräften "für ihren umsichtigen Einsatz", wie die Deutsche Bischofskonferenz mitteilt. "Seine Heiligkeit nimmt Anteil an der Trauer der Hinterbliebenen und bekundet ihnen seine Nähe in ihrem Schmerz", heißt es in dem Schreiben weiter.

+++ 11.05 Uhr: Böhmermann und Schulz lassen "Fest & Flauschig" ausfallen +++

Die Moderatoren Jan Böhmermann und Olli Schulz verzichten heute auf ihre Sendung "Fest & Flauschig". Das geben die beiden in gleichlautenden Posts auf ihren jeweiligen Facebook-Seiten bekannt. "Wir sind eben manchmal auch Daddy-Olli und Family-Janni und haben, denken wir, ein ganz gutes Gespür dafür, wann wir in der Manege stehen sollten und wann nicht", heißt es dort. Sie liebten ihre Sendung sehr, es gäbe aber auch Tage, an denen sei ihnen ihr Geschwätz zu viel und sie empfänden es als unpassend. "Lasst uns mal einen Sonntag durchatmen und an die denken, denen in diesen Tagen nicht nach Quatsch erzählen und Scheiße labern ist." Die bereits aufgezeichnete Sendung soll später nachgeholt werden.

Der Post in voller Länge:

+++ 10.50 Uhr: Israel kondoliert +++

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nach dem Amoklauf in München Deutschland sein Beileid ausgesprochen. "Israel kondoliert Deutschland nach dem Mord an unschuldigen Bürgern bei der tragischen Schießerei in München am Freitag", teilte sein Büro in der Nacht zum Sonntag mit. "Israel steht an der Seite Deutschlands an diesem traurigen Tag."

+++ 10.45 Uhr: "Depression nicht Ursache des Amoklaufes" +++

Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe wehrt sich dagegen, dass eine Depression des mutmaßlichen Täters den Amoklauf verursacht hat. "Mit großer Sicherheit kommt eine Depression des Täters als Ursache für den Amoklauf in München nicht in Frage. Selbst wenn der Amokläufer wegen einer Depression behandelt worden ist, so heißt dies nicht, dass diese bei der Tat eine Rolle gespielt hat", schreibt die Stiftung in einer Stellungnahme. In der depressiven Krankheitsphase neigten Betroffene zu übertriebenen Schuldgefühlen. "Sie geben immer sich selbst die Schuld, nicht anderen und würden deshalb nie auf den Gedanken kommen, fremde Menschen in einem Amoklauf zu töten." Den Amoklauf fälschlicherweise als Folge einer Depression darzustellen, verstärke die Stigmatisierung depressiv Erkrankter.

+++ 10.36 Uhr: Drei Menschen noch in Lebensgefahr +++

Drei Menschen schweben nach dem Amoklauf von München noch immer in Lebensgefahr. Das teilt ein Sprecher des Landeskriminalamtes in München mit. Zehn Menschen hatten bei dem Amoklauf am Freitag schwere Verletzungen erlitten, vier unter ihnen hatten Schussverletzungen.

+++ 10.03 Uhr: Handballer spielen mit Trauerflor +++

Die deutschen Handballer werden auch bei ihrem zweiten Spiel des Vier-Nationen-Turniers im französischen Straßburg mit Trauerflor antreten. Bei der Partie um Platz drei gegen Afrikameister Ägypten tragen die deutschen Spieler zum Gedenken an die Opfer des Amoklaufs von München schwarze Armbinden. Das gibt der Deutsche Handballbund (DHB) wenige Stunden vor der Begegnung bekannt. Am Freitag hatte der Europameister bei der 19:25-Niederlage gegen Dänemark zum Gedenken an den kürzlich verstorbenen langjährigen Schiedsrichter-Chef Peter Rauchfuß ebenfalls mit Trauerflor gespielt.

+++ 9.15 Uhr: Von der Leyen: Feldjäger waren in Bereitschaft +++

Während des Amoklaufs in München wurden Feldjäger der Bundeswehr in Bereitschaft versetzt. Die Bereitschaft sei aufrecht erhalten worden, so lange das Ausmaß des Anschlags nicht klar gewesen sei, sagt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Über einen Einsatz der Soldaten hätte die Polizei entschieden.

+++ 7.47 Uhr: Zahl der Verletzten steigt +++

Nach dem Amoklauf von München hat sich die Zahl der Verletzten weiter erhöht. Momentan sei von 35 Verletzten auszugehen, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamtes in München. Zehn von ihnen gelten weiter als Schwerverletzte. Unter den 35 Menschen seien auch welche, die am Freitagabend bei den panikartigen Szenen in Teilen der Münchner Innenstadt verletzt worden waren.

+++ 4.15 Uhr: Seehofer will Polizei besser ausstatten +++

Die bayerische Landesregierung will nach dem Amoklauf die Polizei besser ausstatten, wie Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München sagte. "Die Bevölkerung kann sich darauf verlassen, dass wir als politisch Verantwortliche alles Erdenkliche tun werden, um unsere Bevölkerung zu schützen."
Seehofer ließ durchblicken, dass es mehr Geld für die Polizei geben soll - sowohl für zusätzliche Stellen als auch neue und bessere Ausrüstung. Am Freitagabend waren etwa 2300 Polizisten im Einsatz gewesen, darunter auch die Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei.

+++ 3.07 Uhr: Gabriel: "Bei psychisch labilen Menschen hinsehen" +++

Vizekanzler Sigmar Gabriel betont im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Die Waffenkontrolle ist ein wichtiger Punkt. Wir müssen weiter alles tun, um den Zugang zu tödlichen Waffen zu begrenzen und streng zu kontrollieren." Der SPD-Politiker sagt zudem, Staat und Gesellschaft müssten bei psychisch instabilen Menschen "hinsehen und intervenieren - gerade bei Jugendlichen".

+++ 1.03 Uhr: Herrmann will Bundeswehr bei Terrorlagen einsetzen +++

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann fordert, dass sich die Polizei in Deutschland bei Terrorlagen von der Bundeswehr helfen lassen darf. In extremen Situationen wäre es völlig unbegreiflich, wenn gut ausgebildete Soldaten nicht eingesetzt werden dürfen, obwohl sie bereitstehen. "Menschen haben ein Recht auf Sicherheit", sagte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag". Das sei in den meisten europäischen Länder selbstverständlich.

Die historisch begründeten Vorbehalte in der Bundesrepublik seien überholt. "Wir leben nicht in Zeiten der Weimarer Republik. Wir haben eine absolut stabile Demokratie", sagte Herrmann. Die Oberhoheit für den Einsatz müsse aber bei der Polizei bleiben. "Die Bundeswehr muss, wohlgemerkt immer unter Federführung der Länder, die für die Innere Sicherheit zuständig sind, auch im Inneren zum Schutz der Bürger eingesetzt werden können."

Das Interview wurde vor dem Amoklauf von München geführt.

+++ 0.30 Uhr: De Maizière denkt über Verschärfung des Waffenrechts nach +++

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schließt nach der Bluttat von München eine Verschärfung des Waffenrechts nicht aus. Zunächst müsse ermittelt werden, wie sich der 18-jährige Todesschütze die Waffe beschafft habe, sagte der Minister der "Bild am Sonntag". "Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob und gegebenenfalls wo es noch gesetzlichen Handlungsbedarf gibt", fügte de Maizière hinzu. Die deutschen Waffengesetze seien allerdings jetzt schon "sehr streng".

Der Deutsch-Iraner nutzte für seine Tat eine Neun-Millimeter-Glock-Pistole. Diese habe der 18-Jährige offenbar illegal besessen, da die Seriennummer der Waffe ausgefeilt war, teilten die Ermittler mit. Wo die Waffe herkam, ist noch offen.

De Maizière rief die Bevölkerung zur Wachsamkeit auf, um Gewalttaten zu verhindern. "Wenn Menschen sich verändern, psychisch auffällig werden oder sich radikalisieren, bedeutet das eine besondere Herausforderung für ihre Familien, für Freunde und behandelnde Ärzte und Therapeuten", sagte er der "BamS". "Bei Anzeichen von Veränderungen, die Anlass zur Sorge geben, kann und muss professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden", da solche Entwicklungen das Umfeld des Betroffenen sonst "schnell überfordern".

tkr / DPA / AFP