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Rätselhafter Fall aus München: Polizei vermutet, dass Mutter und Tochter tot sind – Ehemann festgenommen

Seit einer Woche gibt es kein Lebenszeichen von Maria Gertsuski und ihrer 16 Jahre alten Tochter Tatiana. Nun melden die Fahnder eine Festnahme. Die Mordkommission ermittelt.

In München spurlos verschwunden: Maria und Tatiana Gertsuski

Es begann als Vermisstenfall, jetzt ermittelt die Mordkommission: Gut eine Woche nach dem Verschwinden einer Mutter und ihrer 16 Jahre alten Tochter in München glaubt die Polizei nicht mehr daran, die beiden lebend zu finden. "Wir gehen aktuell davon aus, dass Mutter und Tochter tot sind", sagte der Chefsprecher des Münchner Polizeipräsidiums, Marcus da Gloria Martins, am Montag.

Außerdem wurde der Ehemann der 41-Jährigen festgenommen. Gegen ihn sei ein Haftbefehl erlassen worden, teilte ein Sprecher der Polizei bereits am Sonntagabend mit. Das Paar ist seit rund einem Jahr verheiratet. Bislang schweigt der 44-Jährige zu den Vorwürfen. Der Haftbefehl laute auf "Totschlag in Tatmehrheit mit Mord", hieß es von der Polizei. Welche Indizien für die Beamten für Mord und gegen den Mann sprechen, wurde aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht bekanntgegeben. "Die Mordkommission erbittet sich keine weiteren Nachfragen", erklärte der Sprecher. Allerdings würden Zeugen weiterhin aufgerufen, sich zu melden, "auch wenn sie nur eine unscheinbare Feststellung gemacht haben."

Mutter und Tochter wollten angeblich in München shoppen gehen

Die 41 Jahre alte Maria Gertsuski und ihre Tochter Tatiana wollten am Samstag vergangener Woche im Stadtteil Perlach in ein Einkaufszentrum, dann verlor sich ihre Spur. Ob sie dort jemals ankamen und ob sie sich überhaupt jemals auf den Weg dorthin machten, ist laut da Gloria Martins unklar.

Der 44-Jährige selbst habe eine Vermisstenanzeige für seine Frau und das Mädchen gestellt. Doch an seiner Darstellung gebe es Zweifel. "Wir gehen davon aus, dass die Aussagen, die im Rahmen der Vermisstenanzeigen gemacht wurden, Plausibilitätslücken haben", sagte da Gloria Martins. Die Angaben des Ehemannes, seine Frau und ihre Tochter seien zum Einkaufen aufgebrochen, "kann so durch Dritte nicht bestätigt werden".

Mutter und Tochter galten nach früheren Mitteilungen der Beamten als zuverlässig. Daher sei ihr Verschwinden ebenso untypisch wie die Tatsache, dass sich die beiden seit Tagen bei niemandem gemeldet hätten. 

Polizei veröffentlicht Foto des Verdächtigen

Die Polizei ermittelte zunächst wegen eines möglichen Gewaltverbrechens. Es gebe entsprechende Hinweise, auf die aus taktischen Gründen aber nicht näher eingegangen werden könne, hatte ein Polizeisprecher am Freitag gesagt. Ermittler durchsuchten die Wohnung von Mutter und Tochter, zudem sei Videomaterial aus Bussen und Bahnen ausgewertet worden. Speziell ausgebildete Spührhunde zur Personensuche seien eingesetzt worden. Nach Angaben des Sprechers gehört dies zum normalen Vorgehen der Polizei bei Vermisstenfällen.

Nach der Festnahme des 44-Jährigen am Sonntagabend geht die Polizei nun in die Offensive: Sie veröffentlichte am Montag ein Foto des Verdächtigen in blau-weiß kariertem Hemd und hellen Shorts. Zudem gab sie Bilder von den beiden Fahrzeugen der Familie - von einem roten Hyundai i30 und einem anthrazitfarbenen VW Tiguan - heraus. Sie hofft auf Zeugen, die den Verdächtigen oder die beiden Frauen von Freitag, 12. Juli, bis Sonntag, 14. Juli, gesehen oder sonstige Hinweise für die Beamten haben. "Der Busfahrer, der Taxifahrer, derjenige, der mit dem Hund spazieren geht" – sie alle seien gefragt, sagte da Gloria Martins. Sie könnten sich bei jeder Polizeidienststelle melden.

Hinweise können telefonisch unter der Nummer 089/2910-0, über ein Hinweisformular im Internet oder an jede Polizeidienststelle gegeben werden.

mad / mik / DPA
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